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Der Versicherer und die Abschleppkosten

20.11.2018 – Ein Geschädigter ist in einer unfallbedingten Not- und Eilsituation nicht dazu verpflichtet, nach einem möglichst preisgünstigen Abschleppunternehmen zu fahnden. So entschied das Amtsgericht Deggendorf in einem Urteil vom 27. Juni 2018 (3 C 259/17).

Der Kläger war mit seinem Personenkraftwagen in einen Unfall verwickelt worden. Zwischen den Beteiligten bestand Einigkeit darüber, dass der Unfallgegner im vollen Umfang zum Schadenersatz verpflichtet war.

Zu hohe Abschleppkosten?

Dessen Versicherer ersetzte dem Kläger daher die Reparaturkosten sowie den von ihm geltend gemachten Schaden wegen des unfallbedingten Ausfalls seines Fahrzeugs. Uneinigkeit bestand jedoch bezüglich der Höhe der zu ersetzenden Abschleppkosten. Die wollte der Versicherer um mehr als 240 Euro kürzen.

Der Versicherer war außerdem nicht dazu bereit, von dem Kläger geltend gemachte Kosten für einen Reparaturablaufplan zu übernehmen. Der Fall landete daher vor dem Deggendorfer Amtsgericht. Dort erlitt der Versicherer eine Niederlage.

Not- und Eilsituation

Den Einwand des Versicherers, dass die Abschleppkosten deutlich geringer ausgefallen wären, wenn der Kläger mit dem Abschleppvorgang ein anderes Unternehmen beauftragt hätte, ließ das Gericht nicht gelten. Denn ein Geschädigter sei im Fall eines Unfalls allein schon aufgrund der „Not- und Eilsituation“ nicht dazu verpflichtet, nach einem möglichst preisgünstigen Abschleppunternehmer zu forschen.

Der vollständigen Ersatzpflicht des Versicherers steht nach Meinung des Gerichts auch nicht entgegen, dass der Kläger sein Fahrzeug zu seiner Heimatwerkstatt hatte abschleppen lassen. „Denn ereignet sich ein Unfall in vertretbarer Nähe zum Wohnort eines Geschädigten (hier circa 70 Kilometer, also deutlich unter 100 Kilometer), so ist ein Abschleppen in die Werkstatt des Vertrauens nicht zu beanstanden“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Vertretbare Nähe zum Wohnort

Eine Niederlage erlitt der gegnerische Versicherer auch hinsichtlich der Kosten für einen Reparaturablaufplan. Mit dem sollte die Erforderlichkeit der Reparaturdauer und somit die Höhe des zu erstattenden Ausfallsschadens überprüft werden.

Wie sich herausstellte, hatte der Versicherer die Vorlage des Plans von dem Kläger verlangt. Das Gericht hielt es daher für selbstverständlich, dass er unter dieser Voraussetzung auch die dafür berechneten Kosten in Höhe von etwas mehr als 80 Euro zu übernehmen habe. Gründe für die Zulassung einer Berufung sah das Gericht nicht.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Schadenersatz
 
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