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Der Riester-Rente droht mehrheitlich das Aus im Neugeschäft

1.6.2021 – Lebensversicherer dürfen vom nächsten Jahr an nur noch maximal einen Zins von 0,25 Prozent pro Jahr einkalkulieren. Damit lässt sich die staatlich geförderte private Altersversorgung mit einer Beitragsgarantie kaum noch darstellen. Wie die Gesellschaften damit umgehen, zeigt eine aktuelle Umfrage des VersicherungsJournals.

Der Höchstrechnungszins (HRZ) für Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds sinkt zum 1. Januar 2022 von 0,9 auf 0,25 Prozent. Die entsprechende Fünfte Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichts-Gesetz (PDF, 28 KB) hat das Bundesministerium der Finanzen im April beschlossen (VersicherungsJournal 28.4.2021).

Die Änderung hat weit reichende Folgen für die Kalkulation der Lebensversicherer. Wie die im Neugeschäft aktiven Anbieter damit umgehen und wie sich die Produkte konkret ändern werden, hat das VersicherungsJournal bei 57 Gesellschaften erfragt.

Umfrage unter den Lebensversicherern

Davon beteiligten sich 31 Unternehmen aktiv an der Umfrage:

Acht Unternehmen begnügten sich mit einem allgemeinen Kurzstatement. Darunter waren die Allianz Lebensversicherungs-AG, der Landeslebenshilfe VVaG, die Nürnberger Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG und die Versicherungskammer Bayern.

Vier Lebensversicherer antworteten gar nicht auf die Anfrage und 15 Versicherer wollten nicht an der Umfrage teilnehmen.

Berufsunfähigkeits-Schutz wird um bis zu zehn Prozent teurer

Ein Ergebnis der Umfrage ist, dass wegen der bevorstehenden Senkung des Rechnungszinssatzes bei Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherungen Beitragserhöhungen von bis zu zehn Prozent drohen. Die Risiko-Lebensversicherung wird bei den Unternehmen, die sich geäußert haben, bis etwa zwei Prozent teurer (VersicherungsJournal 27.5.2021).

Solch einen Ausweg der Kompensation haben die Anbieter von staatlich geförderten privaten Rentenversicherungen nicht. Bei einem Rechnungszinssatz von 0,25 Prozent lässt sich die vom Gesetzgeber geforderte Beitragsgarantie kaum darstellen. Doch die von der Versicherungswirtschaft erwünschte Absenkung ist nicht in Sicht (12.5.2021). Daraus ziehen die Anbieter jetzt Konsequenzen.

Riester überlebt HRZ-Senkung kaum

Der Namensgeber: Walter Riester (Archivbild: Brüss)
Walter Riester (Archivbild: Brüss)

30 Prozent der befragten Lebensversicherer bieten keine geförderte Altersvorsorge mehr an und wollen das auch in Zukunft nicht tun. Von den Riester-Anbietern positionieren sich fast 60 Prozent ganz klar: Ohne gesetzliche Absenkung der Garantien wird es bei ihnen keine Riester-Angebote mehr geben.

Rund 40 Prozent wollen aber auch in schwierigen Zeiten an Riester festhalten. Grundsätzlich lassen sie sich aber eine Prüfoption offen.

So die Hannoversche, die die Rahmenbedingungen analysieren will. „Die mindestens erforderliche Ansparphase wird durch die Absenkung des Rechnungszinses deutlich steigen und damit selbst bei uns als einem der kostengünstigsten Anbieter im Markt sehr lang sein“, so die Assekuranz.

Die Hansemerkur würde in einem „Überbrückungszeitraum“ zwischen Senkung des Höchstrechnungszinses und einer „klärenden“ Riester-Reform an der staatlich geförderten Altersvorsorge festhalten. Kunden könnten dann – ohne Ausfall der Förderung – in die reformierten Produkte umsteigen.

Riester: Garantie höchsten 80 Prozent

Eine klare Meinung gibt es zum künftigen Riester-Garantie-Niveau. Hier wird durch die Bank der Vorschlag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) unterstützt, dass die Garantie bei der geförderten Altersvorsorge höchsten noch 80 Prozent der Beiträge und Zulagen entsprechen soll. Über 85 Prozent der befragten derzeitigen Riester-Anbieter sind dieser Meinung.

Ganz starke Einigkeit herrscht bei den Anbietern von Betriebsrenten. So müsse das Garantieniveau bei der Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) auf 80 Prozent der Bruttobeiträge gesenkt werden.

Die Generali verweist hier darauf, dass die BZML heute vor allem von mittelständischen und kleineren Arbeitgebern genutzt wird. In der beitragsorientierten Leistungszusage (BOLZ) sei weder eine Mindestleistung noch eine Mindestverzinsung erforderlich.

Reformbedarf auch bei der betrieblichen Altersversorgung

Die Zurich fordert zusätzlich eine Reform der sogenannten Nahles-Rente. Mit der reinen Beitragszusage sei eine Möglichkeit geschaffen worden, die Renditen der Kapitalmärkte zu nutzen, ohne dass die Kosten einer Garantie diese schmälern.

„Im Detail muss der Gesetzgeber noch mal aktiv werden“, so die Zurich. Denn es gebe in vielen Branchen weiterhin keine Tarifvertragsabschlüsse, die die neue und zukunftsweisende Lösung beinhalten. „Damit ist ein Großteil der Arbeitnehmer davon ausgeschlossen“, kritisiert der Lebensversicherer.

„Es bedarf intelligenter Ideen, gerade den kleinen und mittelgroßen Unternehmen einen einfachen Zugang zu gewähren.“

 
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