Der Cyberversicherungsmarkt wird nahezu explodieren

16.4.2019 – Sabine Pawig-Sander war bei Cyber als eine der Ersten dabei. Vor fünf Jahren hat sie einen Spezialmakler für die Versicherung von Cyberrisiken gegründet. Die Vermittlerin blickt optimistisch in die Zukunft: Für Unternehmen werde die Cyberversicherung bald ein Muss wie die Sparten Feuer und Haftpflicht sein. Beim Cyberversicherungsmarkt rechnet sie in den nächsten Jahren mit einem explosiven Wachstum. – Das Interview ist ein Auszug aus dem VersicherungsJournal Extrablatt 1|2019 „www – Vertriebsturbo Internet“, das seit dem 25. März online auch als Download zur Verfügung steht.

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VersicherungsJournal: Frau Pawig-Sander, Sie sind seit fast 30 Jahren in der Versicherungsbranche aktiv. Zusammen mit Sven Erichsen haben Sie vor fünf Jahren als Experten für die Absicherung von Cyberrisiken die Erichsen GmbH gegründet. Was hat Sie gereizt, sich als Makler auf Cyberrisiken zu spezialisieren?

Sabine Pawig-Sander: Ich fand das neue Thema Cyber schon gleich sehr spannend und interessant. Verschiedenste Bereiche greifen ineinander, IT, Technik, Recht, Datenschutz und vieles mehr. Ein neuer Markt entwickelt sich. Von Anfang an dabei zu sein, daran mitzuwirken – das hat mich gereizt. Meine gesammelten Erfahrungen als Maklerin mit Schwerpunkt in den technischen Versicherungen und in der Produktentwicklung konnte ich hier sehr gut einbringen.

VersicherungsJournal: War es von Vorteil, so frühzeitig bei Cyber dabei zu sein?

Sabine Pawig-Sander (Bild: Ellen Lübeck)
Sabine Pawig-Sander (Bild: Ellen Lübeck)

Pawig-Sander: Ein klares Ja. Das ist immer ein Vorteil. Allein schon die Erfahrungen, positive wie negative, die man macht.

VersicherungsJournal: Laut allen Umfragen sind Unternehmen hinsichtlich Cyberrisiken mittlerweile ausreichend sensibilisiert. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Pawig-Sander: Das sehe ich genauso. Noch vor wenigen Jahren war sich ein Großteil der Kunden ihres erheblichen Risikos noch nicht bewusst. Damals ging es in den Kundengesprächen also vorwiegend darum, das Bewusstsein hinsichtlich der neuen Gefahren aus dem Cyberraum zu wecken. Dies ist heute kaum noch erforderlich. Cyberrisiken sind in den unmittelbaren Fokus der Unternehmen gerückt, viele haben auch schon Schadenerfahrungen. Daher auch das deutlich ansteigende Interesse am Abschluss einer Cyberversicherung.

VersicherungsJournal: Was sind heute die wichtigsten Themen bei der Erstberatung interessierter Kunden?

Pawig-Sander: Wichtig sind vor allem zwei Aspekte: zum einen, die versicherten Szenarien und Entschädigungs-Positionen zu erläutern; zum anderen, dem Kunden den Umfang von Assistanceleistungen und den gesamten Assistanceprozess im Schadenfall transparent zu machen.

VersicherungsJournal: Welche Vorbehalte haben potenzielle Kunden, Cyberrisiken nicht zu versichern, sondern selbst zu tragen?

Pawig-Sander: Kunden sorgen sich, ob sie die IT-sicherheitstechnischen Obliegenheiten erfüllen können. Einwände gibt es zudem, wenn die potenziellen Schadenhöhen falsch eingeschätzt werden. Das wird häufig verursacht durch mangelnde Kommunikation der Geschäftsbereiche untereinander, zum Beispiel wenn sich die Produktions-IT nicht mit der Büro-IT ausreichend abstimmt. Vorbehalte der Kunden liegen teils auch in der Unsicherheit beim Zusammenspiel zwischen eigener IT-Abteilung und dem Expertennetzwerk des Versicherers. Im Beratungsgespräch können wir diese Bedenken in der Regel auflösen.

VersicherungsJournal: Mit welchen Kernproblemen sehen Sie sich als Makler konfrontiert?

Pawig-Sander: Die auf dem Markt erhältlichen Versicherungs-Bedingungen sind in Struktur und Inhalt sehr unterschiedlich und für Versicherungsnehmer häufig intransparent. Produkte mit vielen Optionalbausteinen erfordern viele Einzelentscheidungen.

VersicherungsJournal: Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit Cyberversicherungen zum selbstverständlichen Bestandteil der Unternehmensabsicherung werden?

Pawig-Sander: Mit der Zeit werden sich alle Beteiligten an die noch relativ junge Materie und die neuen Produkte gewöhnen. Der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass sich Produkte und Zeichnungsprozesse angleichen und transparenter werden.

VersicherungsJournal: Wie wird sich die Nachfrage insbesondere seitens mittelständischer Gewerbekunden mittel- und langfristig entwickeln?

Pawig-Sander: Die Cyberversicherung wird mittel- und langfristig ein Standard der betrieblichen Versicherungen werden, wie die Sparten Feuer und Haftpflicht.

VersicherungsJournal: Wie beurteilen Sie den Cyberversicherungsmarkt für Privatkunden?

Pawig-Sander Der Cyberversicherungsmarkt wird in den nächsten Jahren sehr stark anwachsen, ja nahezu explodieren; und auch für Privatkunden wird sich ein sehr großer neuer Markt entwickeln.

Lesetipp: „www – Vertriebsturbo Internet“
Extrablatt Cover (Bild: VersicherungsJournal)

Weitere Auszüge dieses Gesprächs finden sich im VersicherungsJournal Extrablatt 1|2019 „www – Vertriebsturbo Internet“. In der aktuellen Ausgabe geht um Chancen und Risiken aus dem Internet.

Etwa neun von zehn Unternehmen mussten innerhalb der letzten zwei Jahre Erfahrungen mit Hackern, Schadsoftware und Co. sammeln, zeigen Studien. Auch wenn es oft glimpflich ausgeht, so zählen Cyberrisiken zu den meist gefürchteten Gefahren

Doch es tut sich immer mehr im Markt. Für die Vermittler ist das Geschäft aber noch schwierig, weil dem Angebot die Standards fehlen und es kaum Ratings oder Vergleiche gibt. Das VersicherungsJournal Extrablatt liefert einen Überblick über das aktuelle Angebot.

Das Heft steht seit 25. März kostenlos als PDF-Datei zum Download im Internet zur Verfügung. Premium-Abonnementen wurden bevorzugt bedient und hatten bereits zuvor Zugriff auf die neue Ausgabe. Wer das Heft noch nicht abonniert hat, kann diese Ausgabe nur online lesen – sich aber für alle späteren Ausgaben unter diesem Link registrieren.

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Assistance · AVB · Cyberversicherung · Datenschutz · Haftpflichtversicherung · Marktforschung · Rating · Technik
 
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