Das Pflegekostenrisiko wird immens unterschätzt

13.3.2019 – Nach einer Studie der Postbank sind mehr als vier von zehn Erwachsenen hierzulande der Meinung, dass die gesetzliche Pflegeversicherung eine Art Vollkasko im Pflegefall ist. Jeder Fünfte glaubt zudem, dass der Eigenanteil, den ein Pflegebedürftiger für eine stationäre Pflege zahlen muss, unter 1.000 Euro liegt. Dass diese Wissenslücken für den Einzelnen teuer werden können, zeigen Berechnungen des PKV-Verbands.

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Eine repräsentative Umfrage, die im Auftrag der Deutschen Postbank AG durchgeführt wurde, beschäftigt sich mit den Kosten im Pflegefall. Darin wird unter anderem der Frage nachgegangen, inwieweit die Bürger hierzulande über die Lücken der sozialen Pflege- beziehungsweise gesetzlichen Pflegepflicht-Versicherung Bescheid wissen. Für die demoskopische Untersuchung wurden im Januar 2019 1.002 Erwachsene vom Marktforschungsinstitut Kantar Emnid telefonisch befragt.

44 Prozent der Befragten, die noch nicht in Rente sind, waren laut Umfrage der irrtümlichen Ansicht, dass die gesetzliche Pflegeversicherung einen vollen Kostenschutz im Falle einer Pflegebedürftigkeit bietet. Selbst bei den Rentenbeziehern gingen 43 Prozent davon aus, dass sie bei einer eintretenden Pflegebedürftigkeit für die Pflege keinen Eigenanteil entrichten müssen. Und auch bei den Befragten mit Abitur oder Studium teilten 38 Prozent diese Meinung.

Viele schätzen die Eigenbeteiligung im Pflegefall zu niedrig

Insgesamt ist es, wie die Untersuchung zeigte, für viele schwierig, die Höhe der möglichen Eigenbeteiligung im Pflegefall richtig einzuschätzen. Bei den ab 60-Jährigen hatte bei der Befragung jeder vierte sogar überhaupt keine Vorstellung, welche Summen als Eigenbeteiligung im Pflegefall möglicherweise anfallen.

Fast zwei Drittel aller Befragten haben außerdem das Kostenrisiko, das trotz der gesetzlichen Pflegeabsicherung im Falle einer eintretenden Pflegebedürftigkeit und einer dadurch notwendigen vollstationären Versorgung in einem Pflegeheim bleibt, deutlich unterschätzt.

Im Detail gingen 43 Prozent der Umfrageteilnehmer davon aus, dass die Kosten für eine stationäre Pflege in einem Pflegeheim komplett von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen werden. Zudem verortete mehr als jeder Fünfte, nämlich 21 Prozent, dass der Eigenanteil, den er im Falle einer stationären Pflege selbst übernehmen müsse, unter 1.000 Euro im Monat liegt.

Stationäre Pflege: In Schnitt 1.831 Euro Eigenbeteiligung pro Monat

Kosten vollstationärer Versorgung (Bild: PKV-Verband)
Die durchschnittliche Eigenbeteiligung der vollstationären
Versorgung, aufgeteilt in die einzelnen Zusatzkosten
je Bundesland (Bild PKV-Verband, Juni 2018)

Eine Untersuchung des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) vom Juni 2018 belegt, dass diese Annahme viel zu niedrig ist (VersicherungsJournal 30.7.2018). Der PKV-Verband untersucht in unregelmäßigen Abständen die Daten von über 11.000 vollstationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland, was nach Aussagen der Analysten fast einer vollständigen Abdeckung entspricht.

Das Ergebnis vom Juni 2018: Ein Pflegebedürftiger muss im Bundesdurchschnitt für die Kosten der vollstationären Versorgung in einem Pflegeheim knapp 1.831 Euro monatlich selbst zahlen, also zusätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Dabei spielt es keine Rolle, ob er in Pflegegrad 2 oder 5 eingestuft ist.

Der zu entrichtende Eigenanteil setzt sich aus dem einrichtungs-einheitlichen Eigenanteil, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim sowie aus Investitionskosten des Heims zusammen.

„Seit dem 1. Januar 2017 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung nun ein einrichtungs-einheitlicher Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5. Das heißt, Betroffene im Pflegegrad 5 zahlen für die Pflege genauso viel zu wie Betroffene im Pflegegrad 2. Der Eigenanteil unterscheidet sich nur noch von Einrichtung zu Einrichtung“, wie im Webportal des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu lesen ist.

Wissenslücken und falsche Annahmen

Insgesamt sind sich jedoch laut Postbank-Studie auch viele darüber bewusst, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilabsicherung im Pflegefall bietet. Immerhin 59 Prozent gaben an, dass sie für den Pflegefall finanziell vorsorgen. Davon spart jeder Dritte (33 Prozent) Geld an, 36 Prozent setzt als Vorsorge auf Vermögenswerte wie die eigene Immobilie und mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) hat eine private Pflegezusatz-Versicherung.

Bei denen, die sich nicht zusätzlich in der einen oder anderen Form gegen das Pflegekostenrisiko absichern, gaben 48 Prozent an, dafür kein Geld zu haben. 44 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass der Staat und 38 Prozent, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Pflegekosten übernimmt, ohne dass sie im Pflegefall selbst einen Eigenbetrag leisten müssen.

25 Prozent begründeten ihre fehlende Vorsorge auch mit einem unzureichenden Wissen zum Thema Pflege. 17 Prozent gaben an, dass ihnen die Materie zu kompliziert ist.

Fast jeder Dritte, nämlich 29 Prozent, bekannte sich dazu, dass er sich noch keine Gedanken über die Pflegevorsorge gemacht hat – je jünger die Befragten waren, desto höher war hier der Anteil. Bei den 18- bis 39-Jährigen erklärten dies 43 Prozent, bei den 40- bis 59-Jährigen 22 Prozent und bei den ab 60-Jährigen 16 Prozent.

 
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