Das erwartet der Mittelstand in Sachen bAV

9.5.2019 – Fast jeder zweite Mittelständler beabsichtigt, das Betriebsrentenangebot des eigenen Unternehmens mit den Möglichkeiten des BRSG auszubauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Generali. Befragt wurden 200 bAV-Verantwortliche. Häufigste Kooperationspartner der KMU sind Versicherer, Pensionskassen und Versicherungsmakler.

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Ziel des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes war es, die Marktdurchdringung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) im Mittelstand und bei kleinen und mittleren Unternehmen zu steigern, erinnern die Autoren im Vorwort der Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2019“.

Die Untersuchung wurde bereits zum achten Mal von den Generali Versicherungen und der Frankfurt Business Media GmbH (FAZ-Institut) durchgeführt.

Grundlage ist eine Umfrage nach der Cati-Methode unter 200 Personalverantwortliche mit bAV-Zuständigkeit aus deutschen Firmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern. Die Befragung durch die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH fand im Januar statt.

Marktdurchdringung ist zuletzt gesunken

„Doch große Effekte, Zuwächse im Markt oder erste Sozialpartnermodelle sucht man bislang vergebens“, heißt es weiter. Hintergrund ist, dass die Marktdeckung der bAV in Deutschland leicht rückläufig ist, so die Studienautoren unter Verweis auf die aktuelle „Trägerbefragung zur betrieblichen Altersversorgung 2017“.

Nach der von Kantar Public im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) durchgeführten Untersuchung ist die Zahl der Versorgungs-Anwartschaften von Ende 2015 auf Ende 2017 zwar um 2,9 Prozent auf 18,1 Millionen gestiegen.

Allerdings hat sich die Zahl der sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten mit 4,7 Prozent deutlich stärker erhöht. In der Folge ging der Anteil der Beschäftigten mit einer bAV-Snsprüchen um einen Prozentpunkt auf 55,6 Prozent zurück (VersicherungsJournal 28.2.2019). „Also Rückschritt statt Fortschritt“, schlussfolgern die Studienautoren.

„BRSG im Mittelstand angekommen“

Die selbst gestellte Frage „War es das schon mit dem BRSG?“ wird dann aber mit einem klaren „Nein“ beantwortet. Dies habe der Mittelstand in der Befragung entschieden dargelegt.

„Das neue Gesetz bietet gerade seiner Hauptzielgruppe, den KMUs, deutlich mehr Anreize und Möglichkeiten als nur Sozialpartnermodelle, die von Tarifverträgen abhängen und deren Zeit erst noch kommen wird“, zeigten sich die Autoren überzeugt.

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass das BRSG im Mittelstand angekommen ist.

Fazit der Generali zur Studie „bAV im Mittelstand 2019“

Die Befragung hat ergeben, dass aktuelle fast jeder zweite Mittelständler sein eigenes bAV-Portfolio mit den Möglichkeiten der neuen Rechtsgrundlage ausbauen möchte. Im Vorjahr war der Anteil nur halb so groß, vor zwei Jahren lag er nur bei sieben Prozent (VersicherungsJournal 20.3.2018).

Parallel zu den bAV-Ausbauern ist die Zahl der Firmen, die ihre bAV nicht ausbauen wollen, von 26 auf 23 Prozent gesunken. „Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass das BRSG im Mittelstand angekommen ist“, hebt die Generali hervor.

BRSG-Umsetzung im Mittelstand

Diese Aussage stützen die Studienautoren auf darauf, dass sich jedes zweite kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seit Jahresbeginn auf die Weitergabe der 15-prozentigen SV-Ersparnis des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer vor.“

Auf großes Interesse stößt laut Studie auch der Förderbeitrag für Geringverdiener. Diesen wollen allerdings nur deutlich rückläufige 34 (Vorjahr 42) Prozent der Firmen nutzen, die vorhaben, ihre bAV auszubauen.

Die reine Beitragszusage (rBZ) auf Basis eines Tarifvertrages erwägen 29 (19) Prozent der bAV-affinen Mittelständler, ein Opting-out dagegen nur zehn Prozent. Im Vorjahr äußerte sich allerdings nur zwei Prozent entsprechend.

„Im Einzelnen votieren immerhin 35 Prozent der Betriebe mit 50 bis unter 100 Mitarbeitern für eine rBZ […]. Dagegen votieren die mittleren (44 Prozent) und die größeren Betriebe (28 Prozent) mit 100 bis 500 Mitarbeitern dafür, den bAV-Förderbetrag für Geringverdiener zu nutzen“, heißt es in der Studiendokumentation.

Jeder fünfte bAV-Verantwortliche wird auf BRSG angesprochen

Der Studie zufolge wird aktuell mehr als jeder fünfte (Vorjahr: jeder zwölfte) bAV-Verantwortliche bei Gesprächen mit der Belegschaft nach dem Betriebsrenten-Stärkungsgesetz gefragt. Bei großen Mittelständlern (250 bis 500 Mitarbeiter) ist es sogar fast jeder Dritte. Bei den Betrieben mit 50 bis unter 100 Beschäftigten liegt der Anteil hingegen nur bei circa einem Achtel.

Am häufigsten thematisiert von den Mitarbeitern das bAV-Angebot ganz allgemein und der finanzielle Beitrag der Arbeitgeber hierzu. Der Anteil liegt jeweils bei über zwei Dritteln. Um die Absicherung des Invaliditäts- und Berufsunfähigkeits-Risikos geht es immerhin bei fast jedem dritten (Vorjahr: etwa jedem vierten) Betrieb.

In mehr als vier von zehn KMU steht der Aspekt der Flexibilität hinsichtlich der Beiträge und Auszahlungsleistungen auf der Agenda der Belegschaft. Dabei sind das Betriebsrenten-Angebot allgemein (80 zu 50 Prozent) und die Flexibilität (69 zu 39 Prozent) eher ein Thema für die großen als für die kleinen KMU.

Bild: Generali

Feste Ansprechpartner und Beratung jedes Arbeitnehmers erwünscht

Weiteres Ergebnis: Zwei von drei befragten Mittelständlern sind feste bAV-Ansprechpartner für ihre Firma „sehr wichtig“ und über der Hälfte die individuelle Beratung jedes Arbeitnehmers. Einem weiteren Viertel beziehungsweise guten Drittel ist das „wichtig“.

Somit müssten sich Anbieter intensiv mit solchen Fragen beschäftigen, die auch Aufwand und Kosten für Beratung und Vertrieb einschließen würden. Dazu enthält die Studie keinerlei Aussagen.

Eine große Rolle spielt für die KMU auch die Transparenz und Überprüfbarkeit der Leistungen des Produktanbieters. Von nicht so großer Bedeutung sind hingegen digitale Schnittstellen für den Arbeitnehmer und Onlinetools zur Abwicklung und Kontrolle der betrieblichen Altersversorgung.

Bild: Generali

Versicherer bleiben gefragt

Ermittelt wurden ferner die wichtigsten Kooperationspartner des Mittelstands in Sachen bAV. An erster Stelle liegen die Versicherungs-Gesellschaften, wie mehr als vier Fünftel angaben. Dahinter folgen Pensionskassen und Makler mit Anteilen von jeweils rund 40 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich).

Dabei kooperieren Firmen aus dem Dienstleistungssektor überproportional häufig mit einem Versicherer. Industrieunternehmen hingegen arbeiten sehr häufig mit Versicherungsmaklern zusammen.

Bild: Generali

Von nicht einmal jedem zehnten KMU werden Versorgungswerke anderer Unternehmen und Beratungsgesellschaften als aktuelle Kooperationspartner genannt. Mit beiden arbeiten eher Dienstleister als Industriebetriebe zusammen.

Lesetipp „Das BRSG − Neue Impulse oder vertane Chance für die bAV?“
Bild: VersicherungsJournal
Bild: VersicherungsJournal

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz ist seit Januar 2018 in Kraft. Welche neuen Regelungen das BRSG bringt und deren Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung, Arbeitgeber und Beratung, beschreibt das Dossier des VersicherungsJournals.

Untersucht werden unter anderem das neue Modell für Tarifpartner und die Möglichkeiten für nichttarifgebundene Betriebe, das Konzept umzusetzen.

Des Weiteren wird über die zukünftige Handhabung des Arbeitgeberzuschusses beim Sozialpartnermodell wie auch bei Entgeltumwandlung informiert.

Ein weiterer Aspekt, der in dem Dossier tiefer gehend betrachtet wird, ist die Frage der steuerlichen Förderung. Hier werden unter anderem die Situation für Geringverdiener, die Bedingungen für Arbeitgeber sowie die zusätzliche Steuerförderung für versicherungsförmige Wege thematisiert.

Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit finden sich unter diesem Link. Die Publikation steht Premium-Abonnenten des VersicherungsJournals zur persönlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung. Sie finden einen Download des Dossiers unter diesem Link.

 
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