Cyberattacken verschärfen das Risiko Betriebsunterbrechung

4.3.2019 – Die Gefahr von Betriebsunterbrechungen nach einem virtuellen Angriff kann eine Cyberversicherung decken. Allerdings unterscheiden sich Bedingungen und Leistungen der Versicherer. Worauf Vermittler im Beratungsgespräch mit der gewerblichen Klientel achten sollten, erklärt Hanno Pingsmann, Geschäftsführer des Insurtechs Cyberdirekt, in seinem Gastbeitrag.

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Die Entwicklung der gewerblichen Cyberversicherung zeigt eine hohe Dynamik. Mit aktuell 40 Versicherern, verbesserten Bedingungswerken und einer Vielzahl von Tarifvarianten hat sich das Angebot im deutschen Markt in nur einem Jahr stark gewandelt.

Hanno Pingsmann (Bild: Cyberdirekt)
Hanno Pingsmann (Bild: Cyberdirekt)

Vielfach stehen Vermittler jedoch der Herausforderung gegenüber, die teilweise sehr heterogenen Produkte für ihre Kunden zu vergleichen. Neben der wichtigen Drittschadendeckung rückt die Absicherung von Eigenschäden in den Beratungsgesprächen immer stärker in den Vordergrund.

Harte Konsequenzen nach Cyberangriff

Die Cyberversicherung deckt unter anderem die Kosten für IT-Forensik, Wiederherstellung von Systemen und auch die Betriebsunterbrechung ab, die regelmäßig die Folge einer Cyberattacke ist. IT-Systeme sind blockiert, der E-Mail-Verkehr ist unterbrochen, der Zugriff auf Kundendaten ist nicht möglich, das IP-Telefon sowie die Website fallen ebenfalls aus.

Die Folgen einer Cyberattacke können für Unternehmen sehr drastisch sein. Kundenaufträge gehen verloren oder werden nur mit erheblicher Verzögerung bearbeitet. Produktions- oder Logistikprozesse sind unterbrochen. Die Buchhaltung kann nicht fortgeführt werden.

Im Falle einer Arztpraxis könnte sogar die stichtagsbezogene Abrechnung mit der kassenärztlichen Vereinigung nicht erfolgen. Als Folge drohen Auftragsverluste, verärgerte Kunden, verspätet ausgezahlte Gehälter oder sogar Liquiditätsengpässe.

Cyberpolice deckt Betriebsunterbrechung

Die Risiken aus der Betriebsunterbrechung kann eine Cyberversicherung decken. Ein genauerer Blick auf die wesentlichen Regelungen und Bedingungen der unterschiedlichen Cybertarife zeigt, worauf Makler bei der Beratung achten müssen.

Die folgenden Ausführungen basieren auf einer Auswertung der Cyber-Versicherungstarife dieser Gesellschaften:

Zeitlicher Selbstbehalt oder Wartezeit

Alle Tarife der Auswertung arbeiten mit einem Selbstbehalt von zwölf Stunden für die Betriebsunterbrechung. Die Versicherer Allianz und Hiscox übernehmen ab Überschreiten der zwölf Stunden jedoch den vollen Betriebsunterbrechungs-Schaden: nach Abzug des gewählten allgemeinen Selbstbehalts von zum Beispiel 1.000 Euro.

Dementsprechend ist der Selbstbehalt in beiden Tarifen als Wartezeit zu interpretieren und bietet somit die beste Leistung aus Sicht des Versicherungsnehmers. Die anderen untersuchten Tarife erstatten die Kosten erst ab der 13. Stunde, unabhängig davon, wie lange die Unterbrechung dauert.

Die Unterschiede beider Regelungen lassen sich anhand eines konkreten Beispiels verdeutlichen: Ein Unternehmen hat eine Cyber-Betriebsunterbrechung, die insgesamt 20 Stunden dauert.

Allianz und Hiscox erstatten den Schaden für die vollen 20 Stunden abzüglich des allgemeinen Selbstbehalts. Die anderen Tarife leisten lediglich für die Stunden 13 bis 20, ebenfalls verringert um den allgemeinen Selbstbehalt.

Betriebsunterbrechung: Leistungen prüfen

Die Dauer der Betriebsunterbrechung wird oftmals am Zeitraum zur Wiederherstellung der IT-Systeme festgemacht. Tatsächlich ist es auch hier interessant, die verschiedenen Tarife im Detail zu betrachten.

AIG und CNA leisten auch über den Zeitpunkt der technischen Wiederherstellung der Systeme aus, sollten beispielsweise infolge eines Reputationsverlusts Kunden abwandern und dadurch die Umsätze zurückgehen.

Die AIG leistet für Ertragsausfallschäden bis zu 90 Tage nach Beendigung der Netzwerkunterbrechung. CNA Hardy erstattet etwaige Rückgänge der Betriebseinnahmen sogar bis zu 365 Tage nach Beginn der Betriebsunterbrechung.

Diese Leistung ist insbesondere für Unternehmen relevant, die aufgrund eines Ausfalls der Systeme hohe Reputationsverluste zu befürchten haben. Hierbei spricht man von der wirtschaftlichen Betriebsunterbrechung. Die anderen Versicherer kommen für Kosten und Ertragsausfallschäden nur bis zur technischen Wiederherstellung des Netzwerks und der IT-Systeme des Unternehmens auf.

Haftzeit

Die Haftzeit regelt den zeitlichen Rahmen für den ein Versicherer maximal die Kosten einer Betriebsunterbrechung übernimmt. Die meisten Versicherer arbeiten in ihren Tarifen mit einer Haftzeit von 180 Tagen.

CNA Hardy leistet bis zu 365 Tage, während Markel sogar ganz auf eine Haftzeit verzichtet. Vermittler sollten aber beachten, dass der Versicherer Kosten immer nur maximal bis zur Höhe der gewählten Versicherungssumme übernimmt. Umso wichtiger ist es, auch unter diesem Aspekt auf die Wahl einer ausreichenden Versicherungssumme zu achten.

Fazit

Der Markt für Cyberversicherungen ist in der aktuellen Phase sehr dynamisch und heterogen. Die einzelnen Tarife unterscheiden sich in Preis und Leistung zum Teil deutlich.

Um als Versicherungsmakler für den Kunden die individuell passende Absicherung zu finden, ist es deshalb unerlässlich, auf die entscheidenden Details in den Bedingungswerken zu achten und die aktuellen Marktentwicklungen im Blick zu haben.

Hanno Pingsmann

Der Autor ist Geschäftsführer des Insurtechs Cyberdirekt des Betreibers Cari GmbH in Berlin. Das Unternehmen bietet eine Plattform für die Beratung, den Vergleich sowie den Abschluss von Cyberversicherungen für kleinere und mittlere Unternehmen

Schlagwörter zu diesem Artikel
Cyberversicherung · Insurtech · Versicherungsmakler
 
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