Condor bringt BU-Versicherung mit Teilzeitklausel

9.7.2019 – Die überarbeitete Berufsunfähigkeits-Versicherung der Condor weist einige Verbesserungen für den Kunden auf, darunter Unterstützung im Leistungsfall, bei der Umorganisation bei Selbstständigen sowie Klarstellungen in den Versicherungs-Bedingungen. Am auffälligsten ist aber eine neue Teilzeit-Klausel, schreibt der Biometrieexperte Philip Wenzel.

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Als die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. mit der Krebsklausel schon zum Ende des letzten Jahres die Innovation des jetzt laufenden Jahres versprach (VersicherungsJournal 1.2.2019), konnte man nur hoffen, dass 2019 vielleicht doch noch was zu bieten hat.

Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)

Und tatsächlich kommt die Condor Lebensversicherungs-AG mit einer neuen Idee ums Eck, die man durchaus als Innovation bezeichnen könnte. Auch wenn ein Wettbewerber, die Württembergische Lebensversicherung AG, eine abgeschwächte Variante der sogenannten Teilzeit-Klausel schon einen Monat früher herausgebracht hat.

Verzicht auf Meldefrist

Die Bedingungen der Condor gehören auch mit Stand Juli 2019 zu den besten am Markt. Der Tarif verzichtet zum Beispiel auf eine Meldefrist, was schon mal eine Türe schließt, durch die man einen Anspruch auf die Leistung verlieren kann.

Auch wird dem Versicherten bedingungsseitig Unterstützung im Leistungsfall zugesichert. Innerhalb von 48 Stunden wird er von einem Spezialisten kontaktiert, um zu erfahren, welche Bedingungen er erfüllen muss, um Leistung zu erhalten. Er wird informiert, wie und wann die Leistungen geprüft werden, welche Unterlagen beizubringen sind und, ganz wichtig, wie die berufliche Tätigkeit sinnvoll zu beschreiben ist.

Es ist fruchtlos, dem Versicherer hier unlautere Absichten zu unterstellen. Theoretisch wäre es natürlich denkbar, dass ein Kunde derart fehlgeleitet wird, dass er niemals eine Leistung erhält. Aber um das zu erreichen, wäre es ausreichend, den Kunden einfach überhaupt nicht zu unterstützen. Und selbstverständlich steht es jedem Versicherten frei, sich selbst einen juristischen Beistand oder einen erfahrenen Versicherungsberater zu suchen.

Klarstellung bei Ausschlüssen

Der Tarif hat nach wie vor eine echte und vollständige Dienstunfähigkeits-Klausel. Das heißt, er leistet bei Versetzung und Entlassung in den Ruhestand. Die Versetzungsverfügung oder Entlassungs-Urkunde reicht mit ärztlichem Gutachten hierbei als Nachweis aus.

Positiv fällt auf, dass die Condor an vielen Stellen zum Vorteil des Kunden Erklärungen einfügt. So wird beispielsweise bei der konkreten Verweisung die sogenannte Überobligation erklärt. Sofern der Versicherte zulasten seiner Gesundheit arbeitet, erhält er trotzdem die Leistung.

Auch gefällt eine kleine Klarstellung bei den Ausschlüssen, die in Fachkreisen immer wieder für Diskussionen gesorgt hat. So sind vorsätzliche Straftaten ausgeschlossen, nicht aber vorsätzliche Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr. Andere Formulierungen sind so zu lesen, dass auch vorsätzliche Straftaten im Straßenverkehr versichert wären.

Verbesserung bei Umorganisation

Eine kleine und unauffällige Verbesserung gibt es beim Verzicht auf Umorganisation von Selbstständigen und beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern.

Bisher wurde bei Akademiker, die zu 90 Prozent kaufmännisch tätig sind oder weniger als fünf Mitarbeiter haben, auf die Umorganisation verzichtet. Jetzt wird bereits bei Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern darauf verzichtet. Damit sind 90 Prozent aller Betriebe in Deutschland abgedeckt.

Das ist wahrscheinlich eine Folge der Regulierungspraxis, aber immer schön, es schriftlich zu haben.

Teilzeitklausel

Die auffälligste Verbesserung ist die sogenannte Teilzeitklausel. Diese lautet wie folgt:

„Reduziert die versicherte Person während der Versicherungsdauer ihre vertraglich oder gesetzlich fixierte wöchentliche Arbeitszeit, bleibt für die Beurteilung einer Berufsunfähigkeit die während der Versicherungsdauer höchste vertraglich oder gesetzlich fixierte wöchentliche Arbeitszeit maßgebend (Teilzeitklausel). Nachweise über die jeweiligen Arbeitszeiten sind uns vorzulegen. Entsprechendes gilt, wenn die Arbeitszeitreduktion vom Arbeitgeber angeordnet wird (zum Beispiel Kurzarbeit).“

Das ist vertrieblich für die Generation Y sehr interessant, aber auch ganz allgemein ein großer Wurf. Denn der Nachweis einer mindestens 50-prozentigen Berufsunfähigkeit ist logischerweise leichter, wenn man acht Stunden statt vier Stunden Arbeitszeit als Grundlage nimmt.

Ein Einwand gegen diese Innovation ist, dass eine Arbeitsunfähigkeits- (AU-) Klausel unabhängig vom Grad der Berufsunfähigkeit schon bei Krankschreibung leistet. Es ist also egal, wie lange man gearbeitet hat. Aber im schlimmsten Fall wird das Problem nur verschoben um die Leistungsdauer der AU-Klausel. Diese beträgt bei der Condor übrigens 36 Monate.

Unter den Top Drei

Unter dem Strich betrachtet, hat die Condor nach der ersten AU-Klausel am Markt hier zwar knapp den ersten Platz verpasst. Allerdings ist hier die Teilzeit-Klausel nicht wie beim Mitbewerber auf zwölf Monate nach der Reduzierung der Arbeitszeit begrenzt. Der Tarif bleibt weiterhin in der Top Drei am Markt und ist für viele Kunden auch die richtige Lösung.

Der 39-jährige Bürokaufmann zahlt für 1.000 Euro Rente bis 67 und einem Prozent Leistungsdynamik 65,67 Euro (Brutto 93,93 Euro) im Monat. Der Mechatroniker zahlt 105,70 Euro (Brutto 151,00 Euro).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für das Maklerunternehmen BSC Neutrale Allfinanz-Vermittlungs-GmbH tätig.

 
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