Bund der Versicherten im Clinch mit Abwickler Viridium

26.10.2018 – Der Bund der Versicherten macht der Abwicklungsplattform Viridium den Vorwurf, durch unrealistische Versprechen den Run-off auf der Plattform schönzureden. Die Verbraucherschutz-Organisation will jetzt rechtliche Schritte prüfen, da die Unternehmensgruppe auf die Vorhaltungen nicht reagiert habe.

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Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) wirft der Abwicklungsplattform Viridium vor, mit nicht haltbaren zusätzlichen Garantieversprechen Werbung für den Verkauf der Verträge der Generali Lebensversicherung AG an das Unternehmen zu machen.

Anfang Juli hatte der Versicherer bekannt gegeben, dass die Generali Deutschland AG einen Anteil von 89,9 Prozent an der Generali Lebensversicherung AG an die Viridium Gruppe verkauft (VersicherungsJournal 5.7.2018). Mitte Juli wurde der Kaufvertrag zwischen beiden Partnern unterschrieben.

Weder technisch noch aktuariell haltbar

Der BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein verwies auf eine Erklärung des Vorstandsvorsitzenden der Viridium-Gruppe, Dr. Heinz-Peter Roß, dass es Einsparungen von zehn Prozent geben werde, die den Kunden gutgeschrieben würden. Roß sei nicht bereit gewesen, diesen Sachverhalt aufzuklären.

„Herr Roß versucht mit irreführenden Behauptungen, den Run-off auf seiner Abwicklungsplattform schönzureden“, erklärte Kleinlein. Betroffen seien etwa vier Millionen Verträge der Generali, darunter Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen und Riester-Renten.

Nach Einschätzung des BdV ist es für Viridium weder technisch noch aktuariell möglich, diese Kostensenkungen um zehn Prozent erzielen und weitergeben zu können.

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Viridium weist Vorwürfe „mit Nachdruck zurück“

Die Viridium-Gruppe wies gegenüber dem VersicherungsJournal Vorwürfe des BdV, falsche Versprechen abgegeben zu haben, „mit Nachdruck zurück“. Der BdV habe den komplexen Sachverhalt, als auch den bisherigen Dialog miteinander „verkürzt und irreführend“ wiedergegeben.

„Viridium sieht daher weiterhin keine Veranlassung, eine vom BdV geforderte Unterlassungserklärung abzugeben“, erklärte das Unternehmen weiter.

BdV will weitere rechtliche Schritte prüfen

Axel Kleinlein (Bild: BdV/Achenbach)
Axel Kleinlein (Bild: BdV/Achenbach)

Kleinlein zufolge reagierte Viridium weder auf einen schriftlichen Fragenkatalog, noch auf eine Abmahnung, zukünftig solche Garantieversprechen zu unterlassen. „Der BdV sieht sich daher nun gezwungen, weitere rechtliche Schritte zu gehen, um die Unterlassung derartiger Behauptungen klären zu lassen.“

Der BdV-Vorstandssprecher verweist auf ein Interview des Viridium-Chefs in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung (FAS) vom 25. Juli 2018. Danach habe Roß erklärt: „Wir garantieren den Kunden […], dass wir zehn Prozent der Kosten einsparen. Diese zehn Prozent bekommt jeder Kunde.“ Für den Versicherungs-Mathematiker Kleinlein ist solch ein Versprechen schlicht seriös nicht einzuhalten.

Garantieversprechen ein „Bauernfängertrick“

Der BdV vermutet, dass mit dem Garantieversprechen nur dafür gesorgt werden soll, dass die Generali-Kunden ihr Kündigungsrecht nicht ausüben werden. Und Viridium so als Abwicklungsplattform mehr Gewinne erzielen könne.

„Das Garantieversprechen ist ein Bauernfängertrick, um Kundinnen und Kunden gegenüber zu verschleiern, dass ein Run-off auf einer solchen Abwicklungsplattform keine Vorteile, sondern eher Nachteile hat“, erklärte Kleinlein, der Abwicklungsplattformen grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, weiter.

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Aktuar · Lebensversicherung · Private Rentenversicherung · Rente · Riester · Runoff · Verbraucherschutz · Verkauf · Werbung
 
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