BU-Schutz der VKB bringt echte Dienstunfähigkeits-Klausel

16.5.2019 – Die Versicherungskammer Bayern wirbt bei der Neuauflage ihres Berufsunfähigkeits-Schutzes unter anderem mit einem erweiterten Blick auf das Risikoverhalten der Kunden und mit ihrem Bedingungswerk. Letzteres bereitet dem Leser jedoch einige Schwierigkeiten, schreibt der Biometrieexperte Philip Wenzel. Zudem gebe es diverse Bedingungen, die unterhalb des gehobenen Marktstandards lägen. Positiv hebt er die Dienstunfähigkeits-Klausel hervor, die für Beamte eine ernstzunehmende Alternative darstelle.

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Versicherer und auch deren Vermittler sind immer wieder bemüht, den Kunden zu suggerieren, dass sie individuelle Lösungen anbieten. Dass die Versicherung aber per se für ein Kollektiv geschaffen worden ist und deshalb nur in etwa mittel-individuell sein kann, scheint nicht weiter zu stören.

Philip Wenzel (Bild: Privat)
Philip Wenzel (Bild: Privat)

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) versucht sich gleich an zwei Stellen an mehr Individualität: der Risiko-Einstufung und dem Aufbau der Bedingungen.

Rauchverhalten wird jährlich überprüft

Die VKB wirbt nämlich damit, dass „Bella Figura“ und Nichtrauchen zu günstigeren Preisen führen würden. Die Empörung über die unglückliche Wortwahl in der Pressemitteilung des Versicherers blieb zurecht aus. Es ist ja auch nicht Neues, dass ein als gesund eingestufter Body-Mass-Index (BMI) und das Nichtrauchen mittlerweile auch in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung den Beitrag positiv beeinflussen.

Neu ist allerdings, dass der Versicherer das Rauchverhalten der Versicherten jährlich überprüfen will. Wer auf die Anfragen nicht antwortet, wird in den Rauchertarif gestuft.

Da dürfte es sich lohnen, die Post des Versicherers nicht standardmäßig ungeöffnet in den Mülleimer zu werfen. Und es bleibt zu hoffen, dass das nicht Schule macht. Die VKB ist nun nach der Dialog Lebensversicherungs-AG (VersicherungsJournal 4.4.2018) der zweite Versicherer am Markt, der ein geändertes Rauchverhalten unter der Vertragslaufzeit berücksichtigen würde.

Bedingungen mit Lesehürden

Das Bedingungswerk ist individuell, weil sein Aufbau keinem der anderen gleicht. Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass nicht einfach kopiert wird. Aber es ist vor allem für den geübten Leser leichter, den Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen (AVB) zu folgen, wenn er in § 1 die Leistungen findet und in § 2 die Definitionen und immer so weiter.

Es ist schwierig zu beurteilen, ob der ungeübte Leser dem von der VKB gewählten Aufbau besser folgen kann. Allerdings sind die Formulierungen auch insgesamt nicht gerade leicht zu lesen. So finden sich bereits im ersten Satz drei Verweise, was den Lesefluss empfindlich stört.

Außerdem fällt auf, dass der Versicherer sich oft über Gebühr absichert oder Logisches klarstellt. So ist die Nachversicherungs-Garantie, die sich schon unter § 1 findet, auf 100 Prozent der ursprünglichen Versicherungssumme und zusätzlich auf eine Höhe von insgesamt 2.000 Euro im Monat begrenzt

Außerdem, und das findet sich wirklich selten, ist die Summe aller Versicherungen bei der VKB aus den letzten fünf Jahren ebenfalls auf 2.000 Euro begrenzt. Das mag sinnvoll sein, um das Risiko des Versicherers zu begrenzen, aber außergewöhnlich ist es allemal.

Unterhalb des gehobenen Markstandards

Weniger außergewöhnlich, aber suboptimal ist, dass es bei Berufsunfähigkeit eine Meldefrist von drei Jahren gibt. Wer später meldet, erhält maximal drei Jahre rückwirkend die Leistung. Das mag nicht oft der Fall sein, aber der gehobene Marktstandard verzichtet völlig auf Meldefristen.

Ebenso ist es unter den Top-Tarifen üblich, auch nach endgültigem Ausscheiden aus dem Berufsleben auf die abstrakte Verweisung zu verzichten. Bei der VKB wird zwar klargestellt, dass Elternzeit immer als vorübergehendes Ausscheiden zu werten ist. Ansonsten macht sie aber deutlich, dass es unabhängig vom Ausscheidungsgrund ist, ob der Zeitraum von drei Jahren als dauerhaft zu werten ist.

Schwere Krankheiten von Kindern abgesichert

Der Tarif ist um verschiedene Leistungen erweiterbar. Eine Anfangshilfe zahlt drei Monatsrenten als Einmalbeitrag, wenn man berufsunfähig wird; die Wiedereingliederungs-Hilfe zahlt sechs Monatsrenten, wenn man nicht mehr berufsunfähig ist. Die Umorganisationshilfe zahlt sechs Monatsrenten, wenn ein Selbstständiger umorganisiert und so die Berufsunfähigkeit vermeidet.

Ebenso ist eine Leistung bei Krankschreibung, eine Arbeitsunfähigkeits- (AU-) Klausel, vereinbar sowie eine Leistung, wenn ein Kind eine schwere Krankheit gemäß den Bedingungen erleidet. Die schweren Krankheiten müssen innerhalb von drei Jahren nach Eintritt mitgeteilt werden, sonst verfällt die Einmalleistung von zwölf Monatsrenten, maximal 24.000 Euro.

Es muss hier überhaupt nicht näher auf die Definitionen eingegangen werden oder darauf, wie sinnvoll es ist, eine schwere Krankheit der Kinder mit 24.000 Euro abzusichern. Wer hier Bedarf sieht, sollte sich eher eine selbstständige Schwere-Krankheiten-Absicherung suchen. Diese könnte man auch in der passenden Laufzeit wählen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass man seine Kinder bis zum eigenen 67. Lebensjahr absichern muss.

Mehrere Krankschreibungen erfordert

Die AU-Klausel leistet für 18 Monate, die AU muss innerhalb von zwölf Monaten gemeldet werden. Der Versicherte muss gleichzeitig auch Leistungen aus der Berufsunfähigkeits-Versicherung beantragen. Was schwierig verständlich ist: Die VKB verlangt bei einer Krankschreibung aus verschiedenen Gründen für jede einzelne Erkrankung eine Krankschreibung von einem entsprechenden Facharzt.

Unklar ist, wie das funktionieren soll. Man kann schließlich nicht für den gleichen Zeitraum mehrere Krankschreibungen von Fachärzten einsammeln beziehungsweise der Versicherer muss ja schon nach der ersten Krankschreibung leisten – egal, wie viele weitere Erkrankungen es noch gibt.

Echte und vollständige Dienstunfähigkeits-Klausel

Es gibt aber auch Gutes an der neuen Berufsunfähigkeits-Versicherung der Versicherungskammer Bayern. Zum einen verzichtet der Versicherer im Leistungsfall auf die Meldepflicht bei Verbesserung des Gesundheitszustandes.

Und zum anderen hat der Tarif eine sogenannte echte und vollständige Dienstunfähigkeits-Klausel. Bei Beamten leistet der Versicherer, wenn der Kunde allein aus medizinischen Gründen in den Ruhestand versetzt oder entlassen wird. Entsprechendes Zeugnis und die Verfügung über die Versetzung oder Entlassung reichen als Nachweis aus. Die Regelung gilt für Beamte auf Widerruf, Probe und Lebenszeit gleichermaßen.

Unterm Strich betrachtet, verbessert sich der Tarif weiter gegenüber seinen Vorgängern. Es ist aber immer noch Luft zur Top Ten am Markt. Für Beamte ist die Dienstunfähigkeits-Klausel aber eine ernstzunehmende Alternative. Ein 35-jähriger Lehrer zahlt bis zum Endalter 60 Jahre für 1.000 Euro Rente 54,14 Euro (77,84 Euro Brutto) im Monat.

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für das Maklerunternehmen BSC Neutrale Allfinanz-Vermittlungs-GmbH tätig.

Nachträgliche Ergänzung vom 16.5.2019, 11:30:

Die Versicherungskammer Bayern wies am Donnerstagvormittag noch auf Folgendes hin:

Hinsichtlich der oben im Beitrag erwähnten Meldepflicht von drei Jahren im Falle einer Berufsunfähigkeit sei ein entscheidendes Detail nicht berücksichtigt worden, was die Darstellung unvollständig erscheinen lasse. „Zutreffend ist, dass der Konzern Versicherungskammer unbefristet rückwirkend leistet, sofern kein Verschulden des Versicherungsnehmers für die verspätete Meldung vorliegt (§ 1 Absatz 3 letzter Satz)“, so der Versicherer in seiner Stellungnahme.

 
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