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BU für Ärzte: So wird man „Versorgungswerk-Übersetzer“

8.1.2020 – Kammerberufe wie die der Ärzte verfügen über eigene Versorgungswerke, die einen Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenschutz für ihre Mitglieder sicherstellen. So fühlen sich viele Mediziner gut versorgt. Allerdings leiden auch ihre Kammereinrichtungen und damit ihre Versorgung unter den Folgen des Zinsmarktumfelds. Die Demografie verstärkt diese Entwicklung. Eine Reaktion darauf sind eine Rechnungszinssenkung und die Anhebung des Rentenzugangsalters. Dies hinterlässt Lücken in der Versorgung der Ärzte. Es besteht daher sehr hoher Absicherungsbedarf, den ein Vermittler beachten muss, schreibt der Kammerexperte Lars Christiansen in seinem Gastbeitrag.

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Die Beratung von Kammerberuflern ist voller „Stolpersteine“. Nicht nur bei der Ansprache, sondern erst recht bei der Beratung zu deren standesrechtlichen Versorgung.

Die Versorgungswerke stellen für die „freien Berufe“ die Pflichtversorgung bezüglich der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenen-Versorgung sicher. Sie sind genauso wie zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung gesetzliche Versorgungsträger gemäß Grundgesetz.

Das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Zudem unterscheiden sich die unterschiedlichen Versorgungswerke beispielsweise in der Finanzierung oder den Leistungs-Voraussetzungen auch teilweise deutlich voneinander. In Anbetracht von aktuell 90 Versorgungswerken ist die Unübersichtlichkeit für viele Berater damit komplett.

Hohe Regulatorik des Kammerberufes

Kammerberufe sind sogenannte freie Berufe, für die besonders strenge standes- und berufsrechtliche Zugangsregelungen gelten. Dieser berufsrechtlich geregelte Zugang soll sicherstellen, dass Berufsanwärter persönlich und fachlich ausreichend qualifiziert sind und ihren Beruf gewissenhaft nach vorgegebenen Qualitätsstandards ausüben können.

Eine Zulassung zu einem Kammerberuf ist nur durch eine Pflichtmitgliedschaft in einer Berufskammer möglich. Diese Kammer übernimmt Aufgaben der berufsständischen Selbstverwaltung (zum Beispiel Zulassung zum Beruf, Prüfung, Ausbildung).

Der Kammerberufler ist in hohem Maße von seiner eigenen erbrachten Arbeitskraft abhängig. Das persönliche Risiko bei einem vorübergehenden oder langfristigen Ausfall ist sehr groß.

Die Ausgangslage

Versorgungswerke haben in der Regel in der Vergangenheit bei gleichen Einzahlungen eine deutlich höhere Altersrente als die Deutsche Rentenversicherung erreicht. Dies liegt entscheidend an einem wichtigen Punkt: Bei Versorgungswerken werden die Mitgliederbeiträge verzinslich angespart und werfen eine Rendite ab.

Bei der Deutschen Rentenversicherung hingegen liegt eine vollständige Umlagenfinanzierung vor. Es wird kein Kapital angesammelt und daher findet auch keine Verzinsung/ Wertentwicklung statt. Über einen langen Zeitraum ist diese Wertentwicklung und damit der Zinseszinseffekt aber entscheidend und kann sehr stark zur Rentenhöhe beitragen.

Das Zinsmarktumfeld und die Faktoren der kollektiven Standesversorgung haben sich jedoch in den letzten Jahren deutlich geändert. Es wirken hohe Belastungen auf das Kollektiv.

Zinsmarktumfeld

Die Vermögensstruktur der Versorgungswerke ist sehr zinslastig. Allein 57 Prozent oder rund 110 Milliarden Euro (2016) entfallen auf Zinsanlagen.

Die Versorgungswerke fungieren bei diesen Zinsanlagen beziehungsweise Geldwertanlagen also als Gläubiger und sind damit auf laufende Zinseinnahmen angewiesen. Die anhaltende Niedrigzinsphase schlägt in diesem Anlagesegment besonders stark durch.

Lars Christiansen (Bild: Jonas Gonell)
Lars Christiansen (Bild: Jonas Gonell)

Immer mehr Versorgungswerke geraten angesichts der anhaltenden Niedrigzins- oder teilweise Nullzinsphase unter Handlungsdruck. Die im Jahr 2015 erzielten Nettokapitalrenditen lagen bei den meisten Versorgungswerken mehr oder minder deutlich unter vier Prozent.

Demografie

Kammerberufler leben durchschnittlich drei Jahre länger im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung, wie die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke e.V. (ABV) mit Berufung auf das Statistische Bundesamt (Destatis) und der Heubeck AG mitteilt.

Laut Prognose soll die fernere Lebenserwartung für 60-jährige Kammerberufler beispielsweise im Jahr 2050 auf rund 90 Jahre (Männer) beziehungsweise 93 Jahre (Frauen) ansteigen. Dies wären zwischen zwei und fünf Jahre mehr im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung. Diese längere Lebenserwartung und damit verbundene längere Rentenbezugsdauer müssen kostspielig finanziert werden.

Feminisierung…

Wenn man den Blick in den Hörsaal richtet, ist schnell zu erkennen, dass Frauen mittlerweile, zum Beispiel in den für Heilberufe maßgeblichen Studiengängen, deutlich in der Überzahl sind.

Das liegt vor allem an den Zugangsvoraussetzungen dieser Studiengänge. Kamen vor 15 Jahren noch zwei Bewerber auf einen Studienplatz, so steht es heute 5:1. Die Zahlen der Stiftung Hochschulzulassung sprechen eine klare Sprache: Im Wintersemester 2017/18 haben sich 43.184 Kandidaten um 9.176 Plätze bemüht.

Das Missverhältnis spiegelt sich in einem traditionell hohen Numerus Clausus. Im Vergabeverfahren werden jedes Jahr 20 Prozent aller Plätze nach NC vergeben. Die Hürde nehmen Mädchen deutlich häufiger als Jungen, weswegen sie die Masse dieser Studienplätze ergattern.

„Wenn wir die Frauen nicht hätten, wäre unser System am Ende“, wird Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, in den Medien zitiert. Denn mittlerweile sind die ehemaligen Medizinstudentinnen längst in großer Zahl in Kliniken und Praxen angekommen. Nordrhein-Westfalen verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen 60-prozentigen Anstieg hauptamtlich tätiger Ärztinnen. Die Situation dürfte in den anderen Kammerbezirken nicht anders sein.

Die Folgen: Der Rechnungszins sinkt…

Um den oben beschriebenen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, haben die Versorgungswerke nur wenige Instrumente zur Verfügung. Denn eine Subvention aus Steuermitteln oder sonstigen staatlichen Zuschüssen findet aktuell nicht statt. Somit greifen Versorgungswerke immer öfter zu den nachfolgend dargestellten Maßnahmen.

Die wirtschaftlichen Kernprobleme bei den Versorgungswerken liegen in der anhaltenden Niedrigzinsphase und einer stetig steigenden Lebenserwartung der Kammerberufler. Zum Ausgleich – oder zur Abmilderung der Folgen daraus – sind Versorgungswerke immer häufiger dazu gezwungen, ihren kalkulatorischen Rechnungszins zu senken.

Im Jahr 2017 rechnete nur noch jedes dritte Versorgungswerk mit vier, jedes fünfte mit weniger als drei Prozent, ein paar wenige sogar mit zwei Prozent. Eine solche Herabsetzung des Rechnungszinses hat erhebliche Auswirkungen auf die zugesagten Versorgungsleistungen.

…das Rentenzugangsalter steigt…

So erfreulich eine längere Lebenserwartung ist, sie bedeutet letztlich auch entsprechend längere Rentenlaufzeiten. Diese müssen wiederum durch die von dem Versorgungswerk angelegte Deckungsrückstellung finanziert werden.

In Anbetracht der aktuellen Kapitalmarktsituation ist dieses zunehmend schwieriger. Können längere Rentenlaufzeiten nicht durch zusätzliche Erträge ausgeglichen werden, bleibt nur noch die Möglichkeit, die längere Rentenlaufzeit durch eine Anpassung der Rentenhöhe zu kompensieren oder die Rentenlaufzeit wieder an die ursprünglichen Annahmen anzupassen.

Um die notwendige Absenkung des Rentenniveaus abzumildern, haben nahezu alle Versorgungswerke das Rentenzugangsalter, je nach Geburtsjahrgang, bis auf das vollendete 67. Lebensjahr angehoben.

…Satzungsänderung

Eine weitere Möglichkeit, den Anpassungsbedarf abzumildern, ist die Veränderung der Leistungs-Voraussetzungen für die Versorgungsleistungen aus dem Versorgungswerk. Dieses ist über eine Satzungsänderung möglich.

Diese Änderung gilt dann für alle Kammerberufler eines Versorgungswerkes. Eine Besitzstandswahrung gibt es nicht.

Diese teilweise deutlichen Veränderungen haben weitreichende Folgen auf die eigene Absicherung. Eine Änderung ist über einen Beschluss des dafür zuständigen Verwaltungsorgans des jeweiligen Versorgungswerks möglich und in der Regel mit einer Zweidrittelmehrheit zu erreichen.

Fazit

Aus diesen Feststellungen leiten sich sehr viele notwendige Beratungsansätze ab. Insbesondere in den biometrischen Absicherungen sind die Kammerversorgungen nicht das, was die Mitglieder denken.

In der Regel besteht ein sehr hoher Absicherungsbedarf für die Themen Einkommensvorsorge und Hinterbliebenenvorsorge. Hier gilt: Expertenwissen hilft bei der Beratung von Kammerberuflern.

Lesetipp

Das für die Beratung notwendige Wissen über den Apothekenalltag, aber auch Informationen über die üblichen Skurrilitäten des Berufsstandes stellt der Spezialmakler und Autor Michael Jeinsen in seinem „Apothekerbuch“ vor. Hier werden zudem ausführlich alle relevanten und versicherbaren apothekenspezifischen Risiken erklärt.

Die Zielgruppe Zahnärzte beleuchtet aus Vermittlersicht die Maklerin Nicole Gewert. Ihre Zielgruppenanalyse liefert sie Know-how über den Berufsstand, seine speziellen Bedürfnisse und Lösungsmöglichkeiten auf dem Markt.

Für einen ersten Überblick über den Bedarf und Lösungen für die Berufsgruppe Heilwesen bietet sich ebenfalls das Webportal www.denphamed.de an. Es liefert Informationen zu den damit verbundenen versicherungstechnischen Herausforderungen und zielgruppengerechten Lösungen.

Näheres zum Thema Kammerversorgung findet sich unter diesem Link. Weiteres Wissen zu den Versorgungswerken erhalten Leser auf dieser Seite. Dem Aspekt Berufsfähigkeit widmet sich diese Seite.

Lars Christiansen

Der Autor ist Berater für die Versicherungsbranche und führt Seminare und Schulungen für Versicherungs-Gesellschaften durch. Er ist Experte für Fragen der Kammerversorgung, insbesondere für die Thematik Berufsunfähigkeits-Schutz für Ärzte.

 
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