Beitragsbemessungs-Grenzen steigen auf breiter Front

11.10.2018 – Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung wird Anfang 2019 um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 (3,30) Prozent für Eltern (Kinderlose) erhöht. Die Beitragsbemessungs-Grenzen (BBG) steigen in der allgemeinen Rentenversicherung auf 80.400 Euro in den alten sowie 73.800 in den neuen Bundesländern. In der gesetzlichen Krankenversicherung werden es bundeseinheitlich 54.450 Euro. Dies hat das Bundeskabinett in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen. Durch Änderungen bei den Beitragssätzen in der Sozialversicherung können Arbeitnehmer netto mit Mehrbelastungen von bis zu 85 Euro pro Monat oder Einsparungen von bis zu zwölf Euro rechnen.

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Der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung wird zum 1. Januar 2019 um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 Prozent angehoben. Der Beitragssatz für Kinderlose beträgt dann 3,30 Prozent.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf (Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Elften Buches Sozialgesetzbuch - Beitragssatzanpassung, PDF, 59 KB) hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig, wie einer Mitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu entnehmen ist.

Bessere Pflege kostet. Wir haben in der vergangenen Legislatur die Leistungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige zu Hause ausgebaut. Das wird immer noch stärker angenommen als ursprünglich gedacht.

Bundesgesundheits-Minister Jens Spahn

Höherer Beitragssatz wegen Leistungsausweitungen

Jens Spahn (Bild: Maximilian König)
Jens Spahn (Bild: Maximilian König)

Die Anhebung wurde laut Bundesgesundheits-Minister Jens Spahn (CDU) notwendig, nachdem mit der letzten Pflegereform ein neuer Pflegebedürftigkeits-Begriff eingeführt und die Leistungen ausgeweitet wurden (VersicherungsJournal 23.12.2016).

„Das wird immer noch stärker angenommen als ursprünglich gedacht. Und in dieser Legislatur wollen wir die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern. Das muss uns als Solidargemeinschaft etwas wert sein. Gute Pflege braucht unsere Unterstützung“, lässt sich Spahn in einer Meldung des Gesundheitsministeriums zitieren.

Kabinett beschließt Rechengrößen 2019

Ebenfalls beschlossen hat das Bundeskabinett in seiner Sitzung am Mittwoch die „Verordnung über die Sozialversicherungs-Rechengrößen 2019“ in der Entwurfsform (PDF, 59 KB) von Anfang September (VersicherungsJournal 10.9.2018).

Formal muss der Bundesrat der Verordnung zwar noch zustimmen. Im Vorjahr geschah dies Ende November (VersicherungsJournal 1.12.2017). Dies gilt jedoch als reine Formsache, da die Veränderung der Grenzwerte festen mathematischen Vorgaben folgt.

Beitragsbemessungs-Grenzen steigen

Entsprechend der Lohn- und Gehaltsentwicklung in 2017 im Vergleich zu 2016 erhöhen sich die Beitragsbemessungs-Grenzen (BBG) in der Sozialversicherung. Dies teilte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ebenfalls am Mittwoch mit.

In der allgemeinen Rentenversicherung gilt ab dem kommenden Jahr eine BBG von 80.400 (2018: 78.000) Euro im Westen beziehungsweise 73.800 (69.600) Euro im Osten. Über diese Grenzbeträge hinausgehende Einkünfte sind beitragsfrei.

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigt die bundesweit geltende Beitragsbemessungs-Grenze von 53.100 auf 54.400 Euro. Die Versicherungspflicht-Grenze erhöht sich von 59.400 auf 60.750 Euro. Dadurch wird der Zugang zur privaten Krankenversicherung (PKV) weiter erschwert.

Rechengrößen der Sozialversicherung 2019 *

Jahr

Monat

Versicherungspflicht-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

60.750 (59.400)

5.062,50 (4.950)

Beitragsbemessungs-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

54.450 (53.100)

4.537,50 (4.425)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung – West

80.400 (78.000)

6.700 (6.500)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung – Ost

73.800 (69.600)

6.150 (5.800)

Auswirkungen auf die Beitragsbelastung

Aufgrund der neuen Sozialversicherungs-Grenzwerte steigt der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Rentenversicherung um 37,20 (Arbeitnehmeranteil 18,60) Euro im Westen beziehungsweise um 65,10 (32,55) Euro im Osten. Die Werte gelten unter dem Vorbehalt eines stabilen Beitragssatzes (VersicherungsJournal 10.9.2018).

In der Arbeitslosen-Versicherung verringert sich der Höchstbeitrag trotz der höheren Bemessungsgrenze wegen der Absenkung des Beitragssatzes (VersicherungsJournal 30.8.2018). In den alten Ländern beträgt das Minus maximal um 27,50 (Arbeitnehmeranteil: 13,75) Euro. In den neuen Bundesländern beträgt die monatliche Ersparnis bestenfalls 20,25 (10,13) Euro.

In der Krankenversicherung erhöht sich der hälftige monatliche Höchstbeitrag zur GKV mit Anspruch auf Krankengeld ohne Zusatzbeitrag um 8,21 Euro auf 331,24 Euro. Je nach Höhe des kassenindividuellen Zusatzbeitrags, der ab dem kommenden Jahr hälftig von den Arbeitgebern bezuschusst werden soll (VersicherungsJournal 4.6.2018), kann sich darüber hinaus eine Entlastung von bis zu 39 Euro ergeben.

Zwischen 84,18 Euro Mehrbelastung und 11,63 Euro Ersparnis

In der Pflegeversicherung steigt der Höchstbeitrag durch die höhere BBG und den höheren Beitragssatz im Monat um 11,06 Euro für Eltern und um 14,49 Euro für Kinderlose. Davon übernimmt bei Angestellten der Arbeitgeber die Hälfte.

Je nach Krankenkasse, Region und Kinderzahl ergeben sich für Arbeitnehmer insgesamt entweder Ersparnisse bis 11,63 Euro netto oder Mehrbelastungen bis 84,18 Euro pro Monat.

Monatliche Höchstbeiträge der Sozialversicherung 2019 *

Gesamt

Arbeitnehmer-Anteil

Krankenversicherung **

662,48 (646,05)

331,24 (323,03)

Pflegeversicherung ***

123,90/138,39 (112,84/123,90)

61,95/69,20 (56,42/61,95)

allgemeine Rentenversicherung – West

1.246,20 (1.209,00)

623,10 (607,75)

allgemeine Rentenversicherung – Ost

1.143,90 (1.078,80)

571,95 (539,40)

Arbeitslosen-Versicherung – West

167,50 (195,00)

83,75 (97,50)

Arbeitslosen-Versicherung – Ost

153,75 (174,00)

76,88 (87,00)

Auch Bezugsgröße erhöht sich

Auch die Bezugsgröße in der Sozialversicherung wird erhöht – und zwar in den alten Bundesländern von 3.045 auf 3.115 pro Monat. In den neuen Bundesländern steigt dieser Wert von 2.695 auf 2.870 Euro.

Die Bezugsgröße bildet nach BMAS-Angaben eine wichtige Grundlage in der Sozialversicherung. Sie gilt etwa für die Beitragsberechnung von Versicherungs-pflichtigen Selbstständigen in der Rentenversicherung oder für die Festsetzung der Mindestbeitrags-Bemessungsgrundlagen für freiwillige Mitglieder in der GKV.

Das vorläufige sogenannte Durchschnittsentgelt (durchschnittlicher Brutto-Lohn und -Gehalt eines beschäftigten Arbeitnehmers) in der gesetzlichen Rentenversicherung wird für das Jahr 2019 bundeseinheitlich auf 38.901 (37.873) Euro festgesetzt.

Nachträgliche Ergänzung 11.10.2018:

Der ursprünglich falsch angegebene Höchstbeitrag 2018 der gestzlichen Rentenversicherung West wurde korrigiert. Daraus ergaben sich auch geänderte Berechnungsergebnisse der Beitragsersparnis- beziehungsweise -Minderung ab 2019.

 
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