Bald bessere Informationen für Vermittler

10.4.2019 – Die Digitalisierung nimmt immer mehr Fahrt auf. Das gilt vor allem für die Kommunikation zwischen Versicherern und Vermittlern. Hier spielen große Technologieplattformen eine treibende Rolle. Das zeigte sich auf dem Kongress „Innovatives Bestandsführungs-Management und Produktmodellierung“.

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Die Angst vor der neusten Entwicklungsstufe beim Brancheninstitut für Prozessoptimierung e.V. (Bipro) möchte Armin Juhlke vor allem Versicherern nehmen.

Der Vorstand der Smart Insurtech AG richtete auf dem MCC-Kongress „Innovatives Bestandsführungs-Management und Produktmodellierung“ einen eindringlichen Appell an die Assekuranzen, aktiv an „RNext“ mitzuarbeiten.

Der Intermediär Smart Insurtech ist eine der größten Plattformen für Finanzdienstleistungen in Deutschland und ein Top-Anwender von Bipro. „Wir programmieren heute die Prozesse direkt und umgreifend“, erläuterte der Informatiker die neue Vorgehensweise bei Bipro.

Bisher wären die Prozesse, wie Postzugang zum Versicherer, umfassend und bis ins letzte Detail beschrieben worden. Das habe Zeit verschlungen und sei sehr aufwändig gewesen. Nun werde nur noch soweit programmiert, bis die Anwender „keine Schmerzen“ mehr hätten.

Konzentration im Vertrieb erwartet

Armin Juhlke (Bild: Schmidt-Kasparek)
Armin Juhlke (Bild: Schmidt-Kasparek)

Deutlich machte Juhlke, der bei Bipro in der Arbeitsgruppe „Markt und Kommunikation“ sitzt, dass alte Prozesse nicht „weggeschmissen“ werden. Sie würden mit „agiler“ Technik weiter ausgebaut.

Nach Einschätzung des Referenten arbeitet die Versicherungsbranche insgesamt derzeit intensiver an der Normierung von Prozessen mit.

Plattformen und Pools sind in besonderem Maße Profiteure dieser Entwicklung. „Sie wird zu einer weiteren Konzentration im Vertrieb führen“, schätzt Juhlke.

So könnten Einzelkämpfer kaum die notwendigen Mittel für eine umfassende Digitalisierung aufbringen.

Schon in der Vergangenheit hatte Smart Insurtech deutlich gemacht, dass sie nur mit freien Vermittlern kooperiert möchte, die rund eine Million Euro Bestandsgeschäft führen. „Andere Vermittler können unseren Service aber über Pools nutzen“, erläuterte Juhlke.

Smart Insurtech ist Teil des Finanzdienstleisters Hypoport AG. Der Versicherungsarm hat mittlerweile etliche Softwarefirmen, wie Innosystems GmbH (VersicherungsJournal 16.1.2017), IWM Software AG (VersicherungsJournal 29.9.2017), NKK Programm Service AG, Maklersoftware.com GmbH (VersicherungsJournal 16.1.2017) sowie der Volz-Gruppe (VersicherungsJournal 11.9.2017) übernommen.

Statusinfos sind wichtig

Künftig soll Bipro jedenfalls deutlich mehr Feedbackanwendungen entwickeln. So würde heute beispielsweise eine Schadenmeldung über den Vermittler beim Versicherer eingereicht. Was dann damit passiere, sei oft offen. Künftig wird der Vermittler voll in den Prozess eingebunden und erhält regelmäßige Statusmeldungen.

Arne Barinka (Bild: Schmidt-Kasparek)
Arne Barinka (Bild: Schmidt-Kasparek)

Eine solche Technik hat die Ideal Versicherungsgruppe für ihre Vermittler schon im Praxisbetrieb. Vorstandsmitglied Dr. Arne Barinka stellte die „trilaterale Kommunikation“ seines Hauses vor. Statt aufwändige Schnittstellen zu bauen, gibt es nur ein Kernsystem, auf das Vermittler, Kunde und Versicherer zugreifen.

Für Schadenmeldungen oder Bestandswechsel-Aktionen „baut“ die Gesellschaft jeweils für jeden Kunden oder jeden Vertrag eine Mini-Website. Mit einem Link kann diese dann vom Kunden aufgerufen werden.

„Wichtig ist, dass der passive Teilnehmer der Kommunikation, die ja meist über zwei Partner, wie Kunde und Vertriebler läuft, über jede erfolgte Kommunikation durch neue Statusinformationen auf dem Laufenden gehalten wird“, erläuterte Barinka.

Miniwebsites können aktuell gehalten werden

Mit diesem System hat die Ideal eine Wechselaktion in der Pflegeversicherung organisiert, die über ein Jahr aufrechterhalten wurde. Dabei konnten die Angebote topaktuell gehalten werden. Barinka: „Erst wenn der Kunde den Link angeklickt hat, wurden die Daten berechnet.“ Der Vertrieb erhielt eine Linkliste und konnte den Status seines Kunden verfolgen.

Einen besonders einfachen Weg hat die mittelständische Assekuranz auch gefunden, um Innovationen und Veränderungen voranzutreiben. „Wir schauen dem Volk sozusagen aufs Maul“, erläuterte der Ideal-Vorstand. Dabei würden die Mitarbeiter, die die Kundentelefone bedienten, voll ins Changemanagement eingebunden, weil hier die praktischen Probleme ankämen.

Bedeutet der Cloud-Service das Ende aller IT-Probleme?

Achim Heidebrecht (Bild: Schmidt-Kasparek)
Achim Heidebrecht (Bild: Schmidt-Kasparek)

Die Probleme mit der IT könnten für die Versicherungs-Unternehmen künftig der Vergangenheit angehören, wenn sie bereit wären, in den Cloudservice einzusteigen. Davon ist Achim Heidebrecht, CTO der Novum GmbH, fest überzeugt. Das Unternehmen bietet auf Basis eines Amazon Web Service eine Cloud an, die scheinbar alle Tätigkeiten eines Versicherers steuern kann.

Kunden von Novum sind derzeit aus Deutschland die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G und die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG in München. Beide Konzerne haben den Web-Service gemietet. Damit könnten Versicherer ihre IT-Kosten deutlich senken, behauptet Heidebrecht.

Er kennt aber auch den Grund, warum die Assekuranzen bei ihm noch nicht Schlange stehen. „So bedeutet ein Umstieg auf den einen Cloudservice, dass die meisten IT-Mitarbeiter nach rund zwei bis drei Jahren abgebaut werden können“, so Heidebrecht. Doch in dem Moment, indem dies bekannt werde, würden die IT-Experten wohl sofort in Scharen den Versicherer verlassen.

Kein Haftungsproblem

Scheinbar hat Novum für dieses Problem noch keine Lösung entwickelt. Die Haftung für den hochverschlüsselten und sicheren Webservice sei hingen unproblematisch. Das Unternehmen habe eine Deckung von 20 Millionen Euro versichert, die pro Jahr sechsmal maximiert werden kann. Zudem müssten natürlich die Mieter bestimmte Pflichten und Sicherheits-Anforderungen erfüllen.

Nach Meinung von Heidebrecht sei die Zusammenarbeit mit der Münchener Rück der beste Ausweis, dass es keine Sicherheitsprobleme bei Novum gebe.

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