Auf der Suche nach rentablem Kraftfahrtversicherungs-Geschäft

25.9.2018 – Weiter steigende durchschnittliche Schadenkosten, aber keine entsprechenden Prämienerhöhungen belasten die Kraftfahrtversicherung. Das zeigte sich auf einer Fachkonferenz. Für 2018 wird nur noch mit einer „schwarzen Null“ gerechnet. Telematik und Car-Sharing werden mehr diskutiert als praktiziert.

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„Nur wenn weitere Unwetterereignisse ausbleiben, schafft es die Kraftfahrtversicherung 2018 noch zur schwarzen Null“, sagte Andreas Kelb, Vorstand der E+S Rückversicherung AG, auf der Fachkonferenz „Kfz-Versicherung der Zukunft 2018“ am Montag in Düsseldorf.

Andreas Kelb (Bild: Lier)
Andreas Kelb (Bild: Lier)

Für 2019 rechnet er mit einer weiteren Ergebniseintrübung. „Die Branche hat keinen Spielraum, um auftretende größere Kat.-Ereignisse auffangen zu können“, so Kelb. Von den rund 90 Kraftfahrtversicherern geben 61 ihr Geschäft bei der E+S in Rückdeckung.

Keine Qualitätsverbesserung

Während das gesamte SHUK-Geschäft 2018 voraussichtlich um drei Prozent auf 70,4 Milliarden Euro zulegen dürfte, könnte die Autoversicherung mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro etwas stärker wachsen.

Der Zuwachs sei aber eher kein Ergebnis einer Qualitätsverbesserung, da die Zahl der Risiken auf voraussichtlich 66,3 (65,3) Millionen zunehme, so Kelb.

In Kraftfahrt-Haftpflicht (KH) nahm der Durchschnittsbeitrag per Ende Juli 2018 nur noch um 0,7 Prozent zu; im Vorjahr waren es noch 1,9 Prozent. Das zeigt die MSI Monatliche Statistische Information des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). In Vollkasko betrug der Wert noch 1,9 Prozent nach 2,5 Prozent im Vorjahr; in der Teilkasko war er mit minus 0,6 Prozent erneut rückläufig.

Anders als in früheren Jahren verringert sich die Schadenfrequenz kaum noch; auch 2018 und 2019 dürfte sie bei voraussichtlich 57 Unfällen je 1.000 Fahrzeugen stagnieren. Höhere Preise für Ersatzteile, aber auch teurere Reparaturkosten und mehr Aufwand für sehr schwere Personenschäden dürften die durchschnittlichen Schadenkosten in KH auf 4.115 (4.005) Euro treiben. Dafür müsse auf der Beitragsseite mehr gegengesteuert werden, so Kelb.

Das Fahrverhalten hat bei uns nicht so eine hohe Priorität, weil es dafür auch noch kein richtiges Tarifierungsmodell gibt.

Andreas Kelb, Vorstand der E+S Rückversicherung AG

Keine Trends

Marktveränderungen durch Trends wie Car-Sharing sieht Kelb zumindest aktuell nicht. Dies werde zwar in der Öffentlichkeit diskutiert, laut Statischem Bundesamt habe es 2017 aber nur 17.200 entsprechende Fahrzeuge gegeben. Der Anteil liege damit bei weniger als 0,04 Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes.

Auch bei den ebenso in der Diskussion stehenden Telematik-Tarifen muss zunächst einmal eine Größenkorrektur vorgenommen werden. Mit etwa 230.000 Policen, die sich nach Aussage von Kelb vor allem bei zwei größeren Anbieter-Gruppen konzentrieren, handelt es sich um 0,5 Prozent des Vertragsbestandes.

Auch die E+S bietet ihren Erstversicherungskunden mit „ES Tmatik“ ein solches Tarifmodell für verschiedene Techniken und mit einem separaten Quoten-Rückversicherungsvertrag. Dabei stelle man auf die exakte Kilometererfassung ab und korrigiert die Regionalklasse anhand der tatsächlich befahrenen Regionen. „Das Fahrverhalten hat bei uns nicht so eine hohe Priorität, weil es dafür auch noch kein richtiges Tarifierungsmodell gibt“, so Kelb.

Schlechte Bonitäten suchen Anonymität

Björn Hinrichs (Bild: Lier)
Björn Hinrichs (Bild: Lier)

Schlechte Zahlungsrisiken sind unverändert auch Versicherungskunden mit bis doppelt so hohen Schaden-Wahrscheinlichkeiten, sagte Björn Hinrichs, Vice President Sales & Account Management Insurance der Informa Solutions GmbH.

Auf Basis eines Adressbestandes mit 7,8 Millionen Zahlungsstörungen überprüft diese Bertelsmann-Tochter für Kraftfahrt-Versicherer die Bonitäten von Kunden. Bis Ende August sei die Zahl der Bonitätsauskünfte um elf Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Das Wachstum resultiert zu einem Teil aus Neuzulassungen. Zum anderen deutet es auf einen größeren Wettbewerb in der Sparte hin; mehr Kunden scheinen unterjährig ihren Versicherer zu wechseln.

Der Anteil der Versicherungsnehmer mit massiven Zahlungsstörungen im Neugeschäft beträgt bei personellen Vertrieb bei zehn Prozent. Bei Direktversicherern liegt dieser Anteil laut Hinrichs bei 20 Prozent, bei Portalen und Aggregatoren bei 35 Prozent und in der Gruppe der neuen Marktteilnehmer gar bei 40 Prozent.

Dieses schadenträchtige Kundensegment lasse sich aber profitabel führen, wenn den Antragstellern gegen Vorkasse nur Mindestdeckungen mit entsprechenden Zuschlägen angeboten würden, so Hinrichs.

20 Prozent sind super realistisch.

Martin Weirich, Westfälischen Provinzial AG, zum Sparpotenzial von Risikomanagement

Risikomanagement lohnt sich

Martin Weirich (Bild: Lier)
Martin Weirich (Bild: Lier)

Bei ausreichend großen Kraftfahrzeug-Flotten sind nach Einschätzung von Martin Weirich Einsparungen durch Risikomanagement von „20 Prozent sind super realistisch“.

Beim Risk-Management stehe aber der Service für den Kunden im Vordergrund, weniger der Preis, so der Abteilungsleiter Kraftfahrt, Großkunden & Maklervertrieb Industrie bei der Westfälischen Provinzial AG.

Das eigene Haus setze beim K-Risk-Management bei Flottengrößen von 200 bis 500 Fahrzeugen mit möglichst zentraler Unternehmenssteuerung an.

Wichtig sei, dass das Risikomanagement von der Geschäftsführung finanziell und personell getragen werde. Unternehmen, die innerhalb der letzten fünf Jahre drei oder mehr Versicherer hatten, seien erfahrungsgemäß keine guten Risiken.

Leserbriefe zum Artikel:

Rainer Weckbacher - Wie korrigiert man eine Regionalklasse? . mehr ...

 
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