Altersvorsorge: welche Form bringt netto am meisten?

10.9.2021 – Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat in einer Studie untersucht, wie die Nettorenten für fünf Musterkunden ausfallen, die sich bei einer Basisrente, Riester-Rente, bAV und privaten Rentenversicherung ergeben. In einer Bestandsaufnahme wurde zudem die Komplexität des Systems herausgearbeitet. Insgesamt schnitt die Versicherung der dritten Schicht am besten ab, die bAV am schlechtesten.

Welches ist der effizienteste Weg, um sich für das Alter finanziell abzusichern? Dieser Frage ist die Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) gemeinsam mit der V.E.R.S. Leipzig GmbH und der Mypension Altersvorsorge GmbH in einer Studie nachgegangen. Unter die Lupe genommen wurden nur geförderte Vorsorgeformen.

Das Fazit: Der „Dschungel der Altersvorsorge“ ist nach Meinung der Analysten für Verbraucher nicht zu durchdringen. Notwendig sei ein „Kompass für Altersvorsorgesparer“. Zudem bringe der enorme staatliche Förderaufwand nicht die erwarteten adäquaten Effekte.

„Die ordentlich schlechtesten Ergebnisse“ in der Analyse lieferte die betriebliche Rente, berichtete Mypension-Geschäftsführer Alberto del Pozo in einer Online-Pressekonferenz.

Analyse besteht aus Bestandsaufnahme und Case Study

Die Untersuchung „Was für Sparer übrig bleibt“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Abschnitt soll eine Orientierung im „hochkomplexen“ Altersvorsorgesystem geben. Es werden die vier geförderten Vorsorgeformen Basisrente, betriebliche Altersversorgung (bAV), Riester-Rente und private Rentenversicherung vergleichend dargestellt.

Zu den untersuchten Aspekten gehören die jeweilige Förderung in der Ansparphase sowie die Besteuerung beziehungsweise die Abgaben in der Rentenphase. Zudem werden die unterschiedlichen Regelungen für jede Schicht aufgezeigt. Der Überblick umfasst die Punkte:

  • Förderberechtigung,
  • Förderhöhe,
  • Flexibilität (Portabilität, Kapitalanlage, Vererbung, Kündigungsmöglichkeit, Kapitalisierbarkeit, Wahlmöglichkeit des Produkts, Beitragsanpassungen sowie -entnahme, Beleihbarkeit, Übertragbarkeit, Veräußerbarkeit),
  • Kostenausweis,
  • Komplexität und
  • Renditechancen.

Direkte Vergleiche verhindert

„Je ‚höher‘ die staatliche Förderung ausfällt, desto geringer ist die Flexibilität“, bilanzieren die Analysten. Die Schichten würden zudem in allen Punkten völlig voneinander abweichen, was maßgeblich zur Komplexität des gesamten Systems beitrage.

Unterschiedliche Renditechancen und Kostenausweise verhinderten direkte Vergleiche. Und außerdem bedienten die Schichten jeweils bestimmte Bevölkerungsgruppen, keine würde alle erreichen.

Case Study umfasst fünf Musterfälle

Die im zweiten Teil folgende Case Study basiert auf fünf Musterkunden, vom gering verdienenden Ehepaar mit zwei Kindern bis zum kinderlosen, allein lebenden Top-Verdiener. Das Alter der Kunden wurde auf 30 Jahre und ihr Renteneintrittsalter auf 67 Jahre festgelegt. Die Beitragshöhe bleibt konstant, die Verzinsung erfolgt jährlich. Der Rentenfaktor beträgt 29 Euro pro 10.000 Euro Kapital.

Für die Produktgruppen Riester und bAV wurden Tarife mit Beitragsgarantie durchleuchtet, in der bAV nur die Direktversicherung. Für die dritte Schicht wurden fondsgebundene Produkte ohne Beitragsgarantie betrachtet. Nicht berücksichtigt wurde die Klassik. Sie sei aufgrund des niedrigen Garantiezinses keine sinnvolle Lösung für Sparer, so die Autoren.

Weitere Grundlagen der Berechnungen waren:

  • Renditeerwartung vor Kosten bei Riester und bAV: drei Prozent (mit Garantie),
  • Renditeerwartung vor Kosten Basisrente und private Rentenversicherung: sechs Prozent (ohne Garantie),
  • Kostenannahmen (Effektivkosten): Standardszenario 1,5 Prozent, günstiges Szenario 0,8 Prozent, teures Szenario 2,5 Prozent,
  • Inflation: keine Berücksichtigung,
  • Kirchensteuer: Berücksichtigung.
  • Die heute gültigen Steuerregelungen werden auch für die in der Zukunft liegenden Jahre angewandt.
  • Die heute gültigen Sätze für die Sozialversicherung werden auch für die in der Zukunft liegenden Jahre angewandt.

Riester für Geringverdiener-Ehepaar mit Kindern lohnenswert

Nach Angaben der Analysten zeigen die Musterberechnungen, dass die Riester-Rente aufgrund der hohen Zulagenzahlungen die effizienteste Altersversorgung für Geringverdiener ist. Die anderen vier Musterkunden schneiden dagegen mit einer privaten Rentenversicherung besser ab.

Die besondere Eignung der Riester-Rente für Geringverdiener zeige, wie verhängnisvoll die Blockade der Bundesregierung bei der nötigen Reform der Riester-Rente sei. „Würde die Fessel der Beitragsgarantie entfernt, wären Renditen möglich, die zu einer Verdopplung der Renten und damit zu einer deutlichen Verbesserung der finanziellen Situation der Geringverdiener im Alter führen würden“, heißt es.

Die Basisrente biete sich als effiziente Altersvorsorge für Selbstständige an. Auch Topverdiener würden damit im Vergleich zu einer privaten Rentenversicherung erkennbar mehr profitieren. Allerdings müssten sie beträchtliche Einschränkungen bei der Flexibilität in Kauf nehmen.

bAV unterliegt im Vergleich

Die betriebliche Rente unterliege trotz einer bevorzugten Förderung in der Ansparphase in allen betrachteten Musterfällen beim Vergleich. Signifikante Einbußen bei der gesetzlichen Rente durch die Entgeltumwandlung und die hohen Abgaben im Alter würden dazu führen.

Die Förderung in Form des Bruttosparens und damit geringerer Steuern und Sozialversicherungs-Beiträge verfehle aus Sicht des Sparers damit ihre Wirkung. Hinzu komme die geringere Portabilität bei einem Arbeitgeberwechsel. Dadurch könnten im Laufe eines Berufslebens wiederholte Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Letzteres schmälere die Rendite zusätzlich.

Private Rentenversicherung attraktiver als erwartet

Die staatlich am wenigsten geförderte private Rentenversicherung erweise sich insgesamt als attraktiver als erwartet. Sie führt nach Angaben der Studienautoren in der Mehrzahl der angestellten Kalkulationen zu einer höheren Nettorente als die mit ihr verglichenen Alternativen.

Als Grund dafür werden die niedrige Ertragsanteils-Besteuerung und die höhere Rendite wegen der freieren Kapitalanlage in der Ansparphase angegeben.

Kein Anbau eines Staatsfonds

Angesichts der Studienergebnisse fordern die Analysten von der Politik eine „Vereinfachung und Konsolidierung des hochkomplexen deutschen Altersvorsorgesystems. Ein weiterer Ausbau des bestehenden Systems hingegen, zum Beispiel um eine in den Wahlprogrammen mehrerer Parteien geforderte Staatsfondslösung, verkompliziert die Situation für die Altersvorsorgesparer zusätzlich“.

Bei der Beurteilung der geförderten Altersvorsorge sei die zu erwartende Rendite von größerem Einfluss als die eigentliche Förderung. Das würde sich im guten Abschneiden der privaten Rentenversicherung widerspiegeln.

Mentalitätswandel bei den Altersvorsorgesparern gefordert

Bei den Altersvorsorgeformen, die aufgrund regulatorischer Beschränkungen eine deutlich konservativere Kapitalanlage fahren müssten, sei die Förderung nicht in der Lage, den daraus entstehenden Nachteil zu kompensieren. Daher sei es dringend geboten, auch in der bAV mehr Freiheiten bei der Gestaltung von Betriebsrentenzusagen zu gewähren und zum Beispiel die Beitragszusage mit Mindestleistung neu zu definieren.

Es sei aber auch ein Mentalitätswandel bei den Altersvorsorgesparern erforderlich. Produkte mit Beitragsgarantien, die heute noch in der Überzahl nachgefragt würden, könnten aufgrund der viel zu niedrigen Renditeerwartung keinen sinnvollen und ausreichenden Beitrag zur Altersvorsorge leisten.

Die Studie „Was für Sparer übrig bleibt“ (PDF, 1,1 MB) wurde am Freitag vom Deutschen Institut für Altersvorsorge offiziell veröffentlicht. Sie ist kostenlos abrufbar.

Leserbriefe zum Artikel:

+Silvia Jargon - Rendite von sechs Prozent noch nicht untergekommen. mehr ...

Gary Sattler - Es geht nur um eine Renditeerwartung. mehr ...

Jürgen Stengel - Protabilität der bAV: in provisionslose Versicherungen anlegen. mehr ...

+Udo Kraus - Mehrere Faktoren verzerren das Bild. mehr ...

Juergen Beiler - Hauptrisiko sind steigende Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung. mehr ...

Udo Kraus - Darauf achten, dass Freibetrag nicht überschritten wird. mehr ...

Thomas Brunsmann - Wichtig ist, die aktuelle Lebenssituation des Kunden zu berücksichtigen. mehr ...

 
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