Alter Leipziger-BU: Sofortleistung bei Krebsdiagnose

1.2.2019 – Die Alte Leipziger hat ihre Berufsunfähigkeits-Versicherung erneuert und dies als Innovation des Jahres gepriesen. Tatsächlich wurde der an sich schon gute Tarif verbessert, schreibt Makler Philip Wenzel. Die Versicherungs-Bedingungen zeigen nun einige Änderungen zum Vorteil des Kunden. Auffällig ist eine Klausel bei Krebserkrankungen, die vorsieht, dass der Versicherte sofort nach der Krebsdiagnose eine Leistung bezieht.

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Der Marktstandard der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung ist mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau. Die Bedingungen, die im Leistungsfall tatsächlich relevant sind, erfüllen die allermeisten Tarife.

Philip Wenzel (Bild: Privat)
Philip Wenzel (Bild: Privat)

Echte Innovationen werden selten. Vieles, das als neu angepriesen wird, ist einfach nur Marketing. Und da kommt die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., die sicherlich zu den besseren BU-Versicherern am Markt gehört (VersicherungsJournal 15.1.2019, 8.5.2018), und verspricht schon Ende 2018 die größte Innovation des Jahres 2019. Man kann nur hoffen, dass der Versicherer nicht Recht hat, aber wir werden sehen, was 2019 bringt.

Regelung zur Rentenhöhe

Es sei vorangestellt, dass der neue BU-Tarif weiterhin zu den besten am Markt gehört, und das wird auch im Nachfolgenden noch begründet werden. Die Kritik an der neuen Klausel, welche die Neuauflage bringt und die ein vereinfachtes Verfahren bei Krebs in den Bedingungen festschreibt, ist eigentlich dem hochtrabenden Marketing der Alten Leipziger geschuldet.

Der Anbieter ist nach wie vor einer der wenigen Versicherer, der regelt, dass der Anspruch auf BU-Rente in der Höhe bestehen bleibt, in der sie zuletzt im Leistungsfall bestanden hat. Denn angenommen, der Kunde hat 1.000 Euro versichert, wird berufsunfähig und erhält drei Jahre lang drei Prozent aus der Dynamik, dann steht er bei 1.093 Euro. Am Ende der Leistungsdauer fällt er bei der Alten Leipziger nicht zurück auf die 1.000 Euro.

Option: ab 75 Prozent BU

Eine weitere Besonderheit der Alten Leipziger ist, dass man auch vereinbaren kann, erst ab einem Grad von 75 Prozent Berufsunfähigkeit die volle Leistung zu erhalten. Über die Sinnhaftigkeit einer solchen Option soll hier nicht diskutiert werden; es ist jedoch gut zu wissen, dass sich hier auch über diesen Weg Beiträge einsparen ließen.

Die Möglichkeit könnte beispielsweise für alle Kunden sinnvoll sein, die eine hohe Arbeitsmoral aufweisen, aber überhaupt keine Neigung zu irgendeiner Form von abstrakter Verweisbarkeit haben.

Der Anbieter aus Oberursel glänzt immer wieder durch konkrete Definitionen. So ist zum Beispiel die Zumutbarkeit eines Verweisungsberufes wirtschaftlich so definiert, dass das Bruttoeinkommen mehr als 80 Prozent dessen sein muss, was im zuletzt ausgeübten Beruf verdient wurde. Selbst wenn der Bundesgerichtshof die 80-Prozent-Grenze für unzumutbar erklärte, die Alte Leipziger würde immer nach der höheren Grenze prüfen.

Der Lebensversicherer verzichtet zudem auf die Umorganisation, wenn der selbstständige Versicherte Akademiker und zu 90 Prozent kaufmännisch tätig ist oder wenn er in den letzten zwei Jahren durchgehend weniger als fünf Mitarbeiter hatte.

Klausel bei Krebserkrankungen

In § 9 des Bedingungswerks wird ganz direkt gefragt: „Gibt es ein vereinfachtes Verfahren, wenn der Versicherte an Krebs erkrankt?“ Wie zu erwarten, lautet die Antwort nicht nein. Die Innovation der Alten Leipziger zeigt folgende Definition: Der Tarif sieht eine Leistung von 15 Monaten vor, wenn der Vertrag schon mindestens sechs Monate bis zum Zeitpunkt der ersten Krebsdiagnose bestanden hat.

Für diesen Leistungsauslöser müssen zwei Nachweise erbracht werden. Es muss Krebs vorliegen und ein Facharzt muss bestätigen, dass man sich entweder einer Chemo- oder Strahlentherapie unterzieht oder bald unterziehen muss, eine Operation dazu führt, dass man lebenslang Medikamente einnehmen muss, ein Grad der Behinderung festgestellt wird oder der Erkrankte berufsunfähig ist. Oder der Versicherte befindet sich bereits in einer palliativen Therapie.

Der letzte Punkt wirft die Frage auf, was mit der Leistung geschieht, wenn innerhalb der 15 Monate der Todesfall eintritt. Hierzu stellt die Alte Leipziger klar, dass die Leistung mit dem Tod endet. Dies tritt allerdings nicht ein, wenn man innerhalb der Zeit wieder gesundet. Dann werden die 15 Monate durchgezahlt.

Die Krebserkrankung selbst ist gekennzeichnet durch unkontrolliertes Wachstum maligner Zellen, muss in umliegendes Gewebe eindringen und tendenziell Metastasen bilden.

Hilfreich für den Kunden

Die Klausel ist vielleicht nicht die außerordentliche Innovation, für die sie verkauft wird – aber sie ist sicherlich hilfreich, wenn der Kunde tatsächlich an Krebs erkrankt. Denn egal, ob die Berufsunfähigkeit länger als 15 Monate dauert, der Versicherte zwischendurch verstirbt oder gesundet: Er erspart sich vor oder während der kräftezehrenden Chemotherapie die Erstellung einer Tätigkeitsbeschreibung und den ausführlichen Nachweis der Berufsunfähigkeit.

Als kleiner Verbesserungsvorschlag im Kundensinne wäre anzumerken, dass die Meldefrist von sechs Monaten vor der Diagnose wegfallen sollte.

Unterm Strich betrachtet hat die Alte Leipziger ihren Tarif auf hohem Niveau erneut verbessern können. Wie oft die neue Klausel tatsächlich zum Tragen kommt und wie der Mehrwert dann tatsächlich ist, wird sich zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass 2019 noch die eine oder andere Innovation bringt, die es mit dieser aufnehmen kann. Das Jahr ist ja noch jung.

Ein Bürokaufmann zahlt bis Endalter 67 für 1.000 Euro Rente mit einem Prozent Leistungsdynamik 66,52 Euro im Monat (85,29 Euro brutto), der Mechatroniker 82,53 Euro (118,63 Euro brutto).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

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