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Afrikanische Schweinepest: Versicherer ziehen die Notbremse

15.9.2020 – Die Vereinigte Tierversicherung und die Münchener & Magdeburger Agrar, beides Spezialisten für Ertragsschaden-Versicherungen, reagieren auf die heraufziehende Afrikanische Schweinepest und schließen Neugeschäfte in den Bereichen Schweine und Ernte in ausgewählten Landkreisen derzeit aus. Der Blick in die Zukunft fällt sowohl bei der R+V-Tochter als auch bei der Allianz-Tochter dennoch positiv aus.

Angesichts des Seuchenverlaufs in Europa war das Risiko groß, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) zeitnah auch Deutschland erreicht. Mit dem Fund eines infizierten Wildschweins in Brandenburg ist der Erreger jetzt hierzulande angekommen. Für die landwirtschaftliche Tierproduktion stellt die ASP ein existenzgefährdendes Risiko dar, denn sie endet für Schweine meist tödlich.

Für direkte Schäden kommen die öffentlich-rechtlichen Tierseuchenkassen auf. Sie erstatten allerdings nur den gemeinen Wert eines gekeulten Tieres und die Tötungskosten. Einkommensausfälle und Zusatzkosten übernehmen sie nicht. Dafür gibt es spezielle Ertragsschaden-Versicherungen. Sie greifen unter anderem auch, wenn eigene Tiere nicht betroffen sind, der Hof aber im Restriktionsgebiet liegt.

Die zu den R+V Versicherungen gehörende Vereinigte Tierversicherung Gesellschaft a.G. (VTV) ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von mehr als 70 Prozent Marktführer in diesem Segment. Der Anteil der versicherten Schweine liege bundesweit bei rund 40 Prozent, der Anteil der versicherten landwirtschaftlichen Nutzfläche etwas niedriger.

Schwergewichte setzen Policen mit ASP-Schutz regional begrenzt aus

Die VTV hat jetzt Vorsichtsmaßnahmen getroffen. „Nach dem Fund des ASP-positiven Wildschweins an der Grenze zu Polen haben wir uns für die betroffenen beziehungsweise benachbarten Landkreise zu einer Zeichnungssperre für Ertragsschaden-Versicherungen für Schweine entschieden“, berichtet Albert Ziegler, Agrar-Versicherungsexperte der R+V.

Ebenso die im Allianz-Konzern als Assekuradeur tätige Münchener & Magdeburger Agrar AG (MMAgrar), nach eigenem Bekunden erster Anbieter einer ASP-Ernteversicherung (VersicherungsJournal 15.4.2020). Die entsprechenden Policen werden nicht mehr in den angrenzenden Landkreisen rund um den Fundort und in bestimmten Grenzgebieten gezeichnet, heißt es gegenüber dem VersicherungsJournal.

Versicherungsmakler haben ihre Kunden rechtzeitig beraten

Der Vertrieb sieht seine Hausaufgaben weitgehend gemacht. „Falls noch nicht geschehen, kann ich jedem Makler nur ganz dringend raten, mit seinen Kunden kurzfristig in Kontakt zu treten“, sagt stellvertretend Peter Bartz, Geschäftsführer der BVM Bartz Versicherungsmakler GmbH zur aktuellen Situation. Sein Unternehmen habe frühzeitig und nachhaltig auf mögliche Auswirkungen durch die ASP hingewiesen.

Wir haben die Problematik der Absicherung oder Unterversicherung nicht beziehungsweise nicht mehr.

Versicherungsmakler Peter Bartz

„Wir haben die Problematik der Absicherung oder Unterversicherung nicht beziehungsweise nicht mehr. Wir sind individuell an jeden unserer Kunden herangetreten, zuletzt im Januar.“ Auch die meisten Kollegen hätten gehandelt.

Bauernverband rechnet mit millionenschweren Einbußen

Grundsätzlich kann eine Ertragsschaden-Versicherung nicht alle Lücken schließen. Marktpreisrisiken sind beispielsweise nicht versicherbar. Aktuell haben bereits einige wichtige asiatische Märkte die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch gestoppt. Zudem wurden hierzulande kurzfristig die Erzeugerpreise gesenkt. Ein weiterer Preisverfall droht.

Der Deutsche Bauernverband rechnet mit Einbußen in Höhe von mindestens einem dreistelligen Millionenbetrag. Würden nachgelagerte Bereich wie die Lebensmittelindustrie und Seuchenbekämpfung miteingerechnet, liege der potenzielle volkswirtschaftliche Schaden weitaus höher, heißt es bei der R+V.

Wir sehen einen bleibenden Bedarf und insgesamt weitere Wachstumschancen.

Albert Ziegler, R+V

Neue Risikosituationen können Existenzen bedrohen

Die Versicherer bleiben vorerst gelassen. Die Behörden würden ähnlich wie in Tschechien vorgehen, wo 2017 ein Ausbruch sehr effektiv bekämpft worden sei.

„In den betroffenen Landkreisen gibt es etwa 50 Betriebe mit Schweinehaltung. Die konkreten Auswirkungen auf diese Betriebe werden auch davon abhängen, wie sich das Infektionsgeschehen in der Wildschweinpopulation weiter entwickelt“, sagt Ziegler.

Mit Blick in die Zukunft ist er überzeugt. „Aspekte wie Klimawandel und Globalisierung führen, wie man unter anderem am Beispiel ASP sehen kann, zu neuen Risikosituationen, die ohne Absicherung in Form einer entsprechenden Versicherung für die Betriebe schnell existenzgefährdend werden können. Wir sehen deshalb hier einen bleibenden Bedarf und insbesondere in Europa insgesamt weitere Wachstumschancen.“

Ähnlich sieht es die MMAgrar: „Durch den Klimawandel werden wir es zukünftig mit weiteren, in Deutschland noch nicht bekannten Tierseuchen und Tierkrankheiten zu tun bekommen. Wir erwarten nicht zuletzt deshalb auch in Zukunft eine unverändert hohe Nachfrage.“

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