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Wie transparent ist Blau direkt?

19.6.2018 – Nach Angaben des Branchen-Informationsdienstes Versicherungstip hat der Pool seine gesetzlichen Offenlegungspflichten nicht erfüllt. Das Unternehmen sieht sich dagegen zu Unrecht angegriffen. Tatsächlich erfüllt Blau direkt noch nicht einmal seine eigene Selbstverpflichtung.

Die Blau Direkt GmbH & Co. KG hat in einer Selbstverpflichtung (PDF, 222 KB) ausdrücklich erklärt, bis zum 31. Dezember des Folgejahres die jeweiligen Bilanzen einschließlich Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Lage- und Risikobericht zu veröffentlichen.

Für die Geschäftsberichte und sonstige Dokumente hat der Maklerpool die Seite Pooltektor.de eingerichtet. Damit sieht sich das Unternehmen als Vorbild für die Branche (VersicherungsJournal Medienspiegel 5.7.2012).

Die Geschäftsberichte der GmbH & Co. KG ab 2015 fehlen dort allerdings.

Vowurf: Publizitätspflichten nicht erfüllt

Am Transparenzwillen des Pools hat der im Markt intern Verlag erscheinende Branchen-Informationsdienst Versicherungstip Zweifel geäußert. Blau direkt habe nach Recherchen des im gleichen Verlag erscheinenden Branchendienstes k-mi „für seine sechs zuletzt veröffentlichten Geschäftsjahre von 2010 bis 2015 nie die Publizitätsfrist eingehalten, für das Geschäftsjahr 2014 erfolgte die Veröffentlichung sogar erst am 24.5.2017“.

Außerdem hätten die umfangreicheren Veröffentlichungs-Pflichten für mittelgroße Kapitalgesellschaften nach § 267 Abs. 2 HGB ab 2014 erfüllt werden müssen. Obwohl der Pool eingeräumt habe, zumindest ab 2015 eine mittelgroße Kapitalgesellschaft zu sein, habe das Unternehmen die daraus für die Berichte ab 2016 resultierende erweiterte Publizitätspflicht nicht erfüllt.

Der Abschluss für 2016 sei zudem nicht fristgerecht bis Ende 2017 veröffentlicht worden, sondern laut Bundesanzeiger erst am 11. April 2018.

Mit Veröffentlichung mehrfach im Rückstand

Das bezieht sich auf die Blau Direkt GmbH & Co. KG. Deren Komplementärin, die Blau direkt GmbH, hat im Bundesanzeiger zuletzt im Februar 2015 die Bilanz für 2013 veröffentlicht und ist mit 2014, 2015 und 2016 im Rückstand. Diese drei Berichte sind jedoch auf Pooltektor.de einsehbar.

Die im Bundesanzeiger veröffentlichten Termine für die GmbH & Co. KG deuten ebenfalls auf zahlreiche Fristüberschreitungen hin, insbesondere für die Jahresabschlüsse ab 2014.

Für 2016 wurde tatsächlich nur die Bilanz veröffentlicht, aber keine Gewinn- und Verlustrechnung. Demnach betrug die Bilanzsumme acht Millionen Euro. Im Anhang wird behauptet, das Unternehmen sei „eine kleine Kapitalgesellschaft“ gemäß § 267 HGB.

Anders als in der Berichterstattung dargestellt, wurden alle Publizitätspflichten durch Blau direkt ordnungsgemäß erfüllt.

Oliver Pradetto, Geschäftsführer Blau Direkt GmbH & Co. KG

Blau direkt sieht Pflichten als erfüllt an

Oliver Pradetto (Bild: Blau direkt)
Oliver Pradetto (Bild: Blau direkt)

Zu den Vorwürfen des Versicherungstips beziehungsweise dessen Herausgebers Markt intern Verlag GmbH hat Blau-direkt-Geschäftsführer Oliver Pradetto Stellung genommen: „Anders als in der Berichterstattung dargestellt, wurden alle Publizitätspflichten durch Blau direkt ordnungsgemäß erfüllt.

Verspätet erfolgte die Berichterstattung für das Geschäftsjahr 2015 und 2016. Die Verspätung beruht auf den erforderlichen Vorbereitungen, um der Verpflichtung zur Wirtschaftsprüfung gerecht werden zu können. Blau direkt unterliegt dieser erstmalig 2016.“ Dass Markt intern zu einem anderen Ergebnis gelange, beruhe auf Fehlern.

Hinsichtlich der Grenzen der Offenlegungspflichten seien die die Folgerungen von k-mi falsch. Worin die Fehler konkret bestehen, sagte Pradetto nicht. Der im HGB genannte Wert von sechs Millionen Euro Bilanzsumme wurde 2016 ebenso übertroffen wie die zwölf Millionen Euro Umsatzerlöse (VersicherungsJournal 30.1.2018, 15.8.2017).

Mit diesen zwei von drei Kriterien wäre bereits die Schwelle zur mittelgroßen Kapitalgesellschaft überschritten, die die erweiterten Offenlegungspflichten auslöst. Auch das dritte im Gesetz genannte Kriterium, die Zahl von 50 Arbeitnehmern dürfte längst erreicht worden sein, aktuell sind es nach Unternehmensangaben 150.

Ein Wirtschaftsprüfer ist bereits beauftragt.

Oliver Pradetto, Geschäftsführer Blau Direkt GmbH & Co. KG

Erstmals Wirtschaftsprüfer-Testat

Auf die Frage „Bis wann wollen Sie die möglicherweise noch nicht erledigten gesetzlichen Pflichten beziehungsweise Ihre Selbstverpflichtung erfüllen?“ antwortete Pradetto dem VersicherungsJournal:

„Wir sind im Zeitplan vom Steuerberater abhängig, dem bereits alle Unterlagen vorliegen. Ein Wirtschaftsprüfer ist bereits beauftragt und wird im Anschluss an die Aufstellung der Bilanz die Testatsarbeit aufnehmen.

Da wir erstmalig ein Testat erstellen lassen, können wir nicht beurteilen, in welchem Umfang Eingaben des Wirtschaftsprüfers erfolgen werden; wieviel Zeit die Aufstellung des Testats in Anspruch nehmen wird. Unsere Zielsetzung ist es, die Testate frühestmöglich und auch für 2017 fristgerecht bis zum Jahresende bereitstellen zu können.“

Bestandsverkäufer fragen nach Sicherheiten

Solide Bilanzzahlen sind insbesondere für jene Geschäftspartner von Interesse, die regelmäßige Zahlungen von einem Unternehmen erwarten. Dazu gehören unter anderem jene Versicherungsmakler, die ihre Bestände an die Blau-direkt-Tochter Simplr Versicherungsservice GmbH i.G. verkaufen und dafür eine Leibrente erwarten (VersicherungsJournal 4.6.2018).

Die Berichterstattung über die Neugründung hat in der Leserschaft die Frage ausgelöst, welche Sicherheiten die Firma den Bestandsverkäufern bietet, dass die Renten tatsächlich dauerhaft gezahlt werden. Die Bedenken sieht der Poolchef als unberechtigt an.

Bei der Simplr Versicherungsservice handele es sich „nicht um ein Unternehmen, das aufgrund eigener Kostenstrukturen Gefahr laufen könnte, seinen Verpflichtungen nicht mehr nachzukommen“. Eine Patronatserklärung von Blau direkt für Simplr verleihe dem Unternehmen zusätzlich Solvabilität.

Pradetto schloss seine Stellungnahme mit einer Frage: „Wer immer noch bauchgetriebene Zweifel hegt, mag eine logische Betrachtung anstellen und vom Ernstfall ausgehen: Was wäre denn, wenn in zehn, 20 oder 30 Jahren die Rentenzahlung nicht mehr aufrechterhalten werden könnte? Hätte der Makler dann nicht bereits ein Vielfaches gegenüber einem herkömmlichen Verkauf erwirtschaftet?“

Leserbriefe zum Artikel:

Konrad Mischnik - Zwei gleiche Bilanzen. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Bestandsverkauf · Geschäftsbericht · Maklerpool · Marketing · Rente · Solvabilität · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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