Talanx hebt Gewinnziel an

13.8.2019 – Besonders in der deutschen sowie internationalen Privat- und Firmenversicherung ist der Konzern im ersten Halbjahr 2019 gewachsen. Die Schaden- und Kostenquote fällt etwas ungünstiger aus und die Kapitalerträge sind geringer. Dass dennoch mehr Gewinn gezeigt wird, liegt an der Auflösung stiller Reserven. Das Ergebnisziel für 2019 wurde nach oben korrigiert.

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Die Talanx AG geht davon aus, 2019 mehr als die zuletzt prognostizierten 900 Millionen Euro Konzernergebnis (VersicherungsJournal 19.3.2019) zu verdienen. Die Eigenkapitalrendite soll 2019 mehr als 9,5 Prozent und die IFRS-Kapitalanlagerendite mehr als 2,7 Prozent betragen. Die übrigen im Herbst 2018 veröffentlichten Prognosen für 2019 wurden zum Halbjahr aber bestätigt. So wird für 2019 ein Zuwachs der Bruttoprämien (währungsbereinigt) um rund vier Prozent erwartet.

Stille Reserven aufgelöst

Vorausgesetzt wird, dass mögliche Großschäden im Rahmen der Erwartungen bleiben und an den Währungs- und Kapitalmärkten keine Verwerfungen auftreten. Nach Unternehmensangaben erhöhten sich der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern im ersten Halbjahr 2019 um 2,7 Prozent auf 1,24 Milliarden und das Konzernergebnis um 9,4 Prozent auf 477 Millionen Euro.

Rund 50 Millionen Euro Ergebnisverbesserung stammen den Angaben zufolge aus der Auflösung stiller Reserven im Zusammenhang mit der Umstrukturierung der Anteile an der Viridium-Gruppe. Diese hatte im Zuge des Erwerbs der Generali Lebensversicherung AG ihre Anteilsstruktur neu geordnet (1.7.2019).

Die mehrheitlich zur Talanx gehörende Hannover Rück SE hatte ihre indirekt gehaltene Beteiligung an der Abwicklungsplattform verkauft und dabei rund 100 Millionen Euro Ertrag realisiert. Zugleich hat sich die Rückversicherungs-Tochter aber wieder bei der Viridium-Gruppe beteiligt und so ihre Beteiligung bei unverändert rund 17 Prozent gehalten.

Wachstum mit KMUs und Freiberuflern

Laut Zwischenbericht zum 30. Juni buchte der Konzern im ersten Halbjahr 2019 mit 20,9 Milliarden Euro 11,2 Prozent mehr Bruttobeitrag. Währungsbereinigt belief sich das Plus auf 10,1 Prozent. „Wir wachsen in allen Geschäftsbereichen“, wird Vorstandschef Torsten Leue in einer Pressemitteilung zitiert.

Kennzahlen Talanx-Konzern

Halbjahr 2019

Halbjahr 2018

Veränderung

Gebuchte Bruttoprämien *

20.864

18.760

+11,2%

Verdiente Nettoprämien *

15.917

14.435

+10,3%

Versicherungs-technisches Ergebnis *

-708

-748

+5,5%

Kapitalanlageergebnis *

1.986

2.007

-1,1%

Operatives Ergebnis (Ebit) *

1.244

1.212

+2,7%

Combined Ratio Schaden- /Unfall-Versicherung, netto

97,5%

96,7%

+0,8 Punkte

Für den Sektor Privat- und Firmenversicherung Deutschland wird ein Wachstum auf 3,33 Milliarden Euro genannt. Die gebuchten Bruttoprämien im Segment Schaden/Unfallversicherung stiegen durch Zuwächse im Geschäft mit kleineren und mittelständischen Unternehmen sowie Freiberuflern um zwei Prozent auf 1,04 Milliarden Euro.

Die internationale Privat- und Firmenversicherung wuchs um 6,5 Prozent auf 3,2 (3,0) Milliarden Euro. In Europa resultierte das Wachstum um rund sieben Prozent maßgeblich aus den Warta-Gesellschaften in Polen, dem gestiegenen Lebensversicherungs-Geschäft in Italien sowie einem starken Anstieg der Kfz-Beiträge um 58 Prozent in der Türkei. In Lateinamerika wuchsen die Prämieneinnahmen um gut sechs Prozent insbesondere dank steigender Kfz-Beiträge in Mexiko.

Sanierungsfall: Industrieversicherung

In der Industrieversicherung erhöhten sich die Beiträge zwar um 20,2 Prozent auf 3,5 (2,9) Milliarden Euro, erzielt wurde versicherungstechnisch aber ein Verlust von 32 (-28) Millionen Euro. Infolge der Reservestärkung eines Großschadens aus dem Vorjahr sei der Schadenaufwand im ersten Quartal etwas über den Erwartungen gewesen, wird mitgeteilt.

„Das Programm 20/20/20 in der Industrieversicherung zur Sanierung der Feuerversicherung wirkt und wird sich sukzessive weiter in verbesserten Ergebnissen zeigen“, so Leue. Dieses Programm zielt darauf ab, die kombinierte Schaden- und Kostenquote in den belasteten 20 Prozent des Industrieportfolios bis 2020 um mindestens 20 Prozentpunkte zu senken.

Nach Unternehmensdarstellung kommt das Umsetzen des 2018 gestarteten Sanierungsprogramms der Feuerversicherung schneller als geplant voran. Positive Effekte auf die Profitabilität sollen sich im laufenden Jahr zeigen. Die Frequenzschadenquote im Bereich „Sachversicherung“ sei bereits gesunken. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote blieb stabil bei 102,3 (102,3) Prozent. 2019 soll die Industrieversicherung versicherungstechnisch ausgeglichen sein – also zumindest 100 Prozent erreichen.

Mehr Einmalbeitrag

Für das Segment Lebensversicherung wird ein Prämienplus von zwei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro ausgewiesen, zudem vor allem um 13,2 Prozent beziehungsweise 89 Millionen Euro höhere Einmalbeiträge beitrugen.

Das Neugeschäft belief sich auf 205 (195) Millionen Euro Jahresbeitrags-Äquivalent (APE). Aufgrund der gesetzlichen Änderung der Kalkulation der Zinszusatzreserve (ZZR) mussten weniger stille Reserven zur Finanzierung der ZZR aufgelöst werden. Dies reduzierte das Kapitalanlageergebnis um 18,3 Prozent auf 753 Millionen Euro. Das operative Ergebnis des Segments verbesserte sich auf 71 (48) Millionen Euro.

Konzernweit fiel das Kapitalanlageergebnis um rund ein Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro und wies damit eine Kapitalanlagerendite von 3,3 (3,5) Prozent auf. Die Solvency-II-Quote zum 30. Juni 2019 lag den Angaben zufolge ohne Übergangsmaßnahmen bei 203 Prozent und damit oberhalb des eigenen Zielkorridors von 150 bis 200 Prozent.

Weitere Details finden sich im Zwischenbericht zum 30. Juni 2019 (PDF, 526 KB).

 
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