Neuer bAV-Verwalter mit großem Ego

10.1.2018 – Das Gründungstempo im deutschen Versicherungsmarkt ist hoch. Eines von inzwischen mehr als 110 Insurtechs ist die Firma Onnest, die mit einer digitalen Plattform die Verwaltung von bAV-Verträgen revolutionieren möchte. Allerdings waren da andere schon schneller.

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Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Der Erfolg wird auch von der erfolgreichen Digitalisierung der bAV-Verwaltung abhängen. „Viele derzeit angebotene bAV-Produkte sind aufgrund relativ hoher Vertriebs- und Verwaltungskosten in Verbindung mit dem Niedrigzinsumfeld wirtschaftlich unattraktiv geworden“, erklärt Ralph Brand, Gründer und Geschäftsführer der Onnest GmbH und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland.

Ralph Brandt (Bild: Onnest)
Ralph Brand (Bild: Onnest)

Das Münsteraner Insurtech-Unternehmen gab sich zum Start Mitte November 2017 betont ambitioniert. Man revolutioniere im Rahmen seiner digitalen Vorsorgeplattform die betriebliche Altersversorgung (baV) für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

„Durch Onnest machen wir die bAV wieder attraktiv für alle”, so Brand. Effiziente und digitale Prozesse würden für eine optimale Kostenstruktur durch niedrige Verwaltungskosten sorgen und die Rentabilität des zugrunde liegenden bAV-Produkts begünstigen.

Selbstbewusster Markteintritt     

In einer Unternehmensmeldung wird der Eindruck erweckt, dass es bisher an digitalen Lösungen im bAV-Markt fehlt. „Wir transformieren die bestehenden undurchsichtigen Vertragsdokumente in verständlich aufbereitete, übersichtliche Häppchen“, so Brand. Die „Zukunft der bAV startet jetzt“. Bei so viel Eigenlob hat das VersicherungsJournal nachgehakt. Zumal es durchaus andere Anbieter wie die XbAV AG (VersicherungsJournal 6.12.2017) oder neuerdings auch die Penseo GmbH gibt.

Nach einigen Wochen Wartezeit antwortete Onnest auf die Fragen der Redaktion. Die Vorsorgeplattform sei ab sofort für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verfügbar und die ersten Policen würden bereits von Onnest verwaltet. Auf Nachfrage zum konkreten Sachstand hieß es dann relativierend: Derzeit teste man die Plattform mit vier „friendly usern” (Arbeitgeber) und rund 50 Policen.

„Für Anfang 2018 steht der schrittweise Markteintritt an“, so Sven Janßen, Gründer und Onnest-Geschäftsführer. Man habe „erste Geschäftsanbindungen und auch eine technische Schnittstellenanbindung“ an etablierte Versicherer, deren Namen nicht genannt wurden.

„Wir befinden uns in der Pilotphase.“

Geboten werde Firmen ein sogenanntes Arbeitgebercockpit, verbunden mit einem persönlichen Vorsorgekonto für jeden Arbeitnehmer. Dort würden relevante Informationen einfach und transparent dargestellt. Ein intuitives dynamisches Planungstool helfe dabei, den Vorsorgebedarf abzuschätzen.

Auch hier „befinden wir uns noch in der Pilotphase“, erklärt Janßen auf Nachfrage. Über die Benefit-Plattform des Partnerunternehmens Beeline Solutions GmbH & Co. KG, bei der Janßen ebenfalls die Geschäfte führt, würden im nächsten Schritt rund 100 KMU angesprochen.

Onnest konzentriert sich nach eigener Aussage vorerst auf Direktversicherungen als Standardweg für KMU. Arbeitnehmer bekämen von Beginn an volle Transparenz, statt wie bisher üblich nur die erwarteten Leistungen mit Ablauf der Versicherung zu erfahren.

Da nicht alle Arbeitnehmer die volle Laufzeit durchhalten, tue Onnest alles dafür, die bAV auch bei kürzeren Laufzeiten wirtschaftlich zu halten. Dafür seien nur 2,90 Euro pro Vertrag im Monat vom Arbeitgeber fällig – für die Nutzung der Plattform, die Abwicklung der Verträge sowie die Bereitstellung der Arbeitnehmer-Vorsorgekonten.

Wir nehmen keine Provision vom Versicherer und arbeiten ausschließlich mit Nettotarifen.

Sven Janßen, Gründer und Onnest-Geschäftsführer

Nur Nettotarife im Angebot

„Wir nehmen keine Provision vom Versicherer und arbeiten ausschließlich mit Nettotarifen“, betont Janßen. Zusätzlich seien die Verwaltungskosten, dem Grad der Digitalisierung folgend, drastisch reduziert. „Die Kombination aus Nettotarif, reduzierten Verwaltungskosten und nachvollziehbarer geringer Arbeitgebergebühr führten zu einem sehr transparenten und wirtschaftlich attraktiven Produktangebot“, so die Hoffnung.

Derzeit arbeiten zehn Mitarbeiter bei Onnest, die Hälfte davon im Tech-Team und demnach mit der Digitalisierung beschäftigt. „Bisher gab es keinen adäquaten, volldigitalen Leistungspartner für bAV“, so Onnest-Gründer Frank Rohmann.

Auf die Konkurrenz, etwa die digitale bAV-Verwaltungsplattform XbAV angesprochen, erwiderte Janßen: „Zielgruppe von XbAV sind Vermittler, Onnest verknüpft direkt den Kunden, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, mit dem Produktanbieter.“

XbAV ist schon lange am Markt

Das sieht die schon 2007 gegründete Firma XbAV ganz anders, bei der etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Als Schnittstelle für eine digitale bAV vernetzen wir Produktanbieter, Sozialpartner, Arbeitgeber, Beschäftigte und Vermittler“, erwidert XbAV-Vorstand Martin Bockelmann. Mit dem Tool „bAV-Manager“ könnten Arbeitgeber die bAV-Verträge ihrer Mitarbeiter online verwalten. Mit dem Tool „Arbeitnehmerzugang“ bekämen die Beschäftigten einen transparenten Einblick in ihre Police.

Dazu arbeite man bereits seit längerem unter anderem mit der HDI Lebensversicherung AG zusammen und habe das Portal „HDI bAVnet“ entwickelt (VersicherungsJournal 28.10.2015). Arbeitgeber hätten seit 2015 kostenfreien Zugang zum Portal (VersicherungsJournal 22.11.2017).

Onnest will Altersvorsorgeplanung „online statt durch Berater bieten". Ein Indiz dafür sind die Nettotarife. Doch soll die bAV ganz ohne Beratung funktionieren? „Wir sind überzeugt, dass der Beratungsbedarf durch reduzierte Komplexität im Produkt und im Prozess signifikant verringert werden kann“, antwortet Janßen. Er erklärte auf nochmalige Nachfrage, dass man selbst den Vertrieb für die Direktversicherung mit Nettotarifen organisiere. 

KMU hätten kein Interesse an Durchführungswegen mit Bilanzberührung, mit zusätzlichen Kosten für die Insolvenzsicherung oder Folgekosten in der Rentnerverwaltung, die auch noch Probleme bereiten, wenn Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen (mangelnde Portabilität). „Unsere Top-Standardlösung vermeidet all diese Probleme und reduziert durch die niedrigen Kosten auch die Risiken für die Einstandspflicht des Arbeitgebers auf ein Minimum“, so Janßen.

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