Julian Teicke: „Neues Facebook kommt aus Europa“

11.3.2019 – Frisches Geld und große Pläne für das laufende Geschäftsjahr: Die Wefox-Gruppe wird 2019 international expandieren, ihren Digitalversicherer One in der Produktentwicklung vorantreiben und eine Plattform für den digitalen Vertrieb aufbauen. Das verriet Gründer Julian Teicke im Gespräch mit dem VersicherungsJournal.

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Hinter Julian Teicke (32), Gründer der Wefox-Gruppe, liegt eine erfolgreiche Woche. Die Unternehmensgruppe, die aus dem gleichnamigen Versicherungsmakler und der One Versicherung AG besteht, konnte nach Verzögerungen 110 Millionen Euro von internationalen Investoren, darunter auch Goldman Sachs, einsammeln (VersicherungsJournal 7.3.2019, Medienspiegel 6.3.2019).

Zusätzlich prüft Teicke die Angebote für ein Darlehen, das weitere 100 Millionen Euro bringen soll.

Für ein deutsches Startup sind das hohe Summen, wenn man bedenkt, dass die Insurtechs hierzulande 2018 insgesamt gerade mal 150 Millionen Euro einsammelten (VersicherungsJournal 6.3.2019).

Neue Versicherungsprodukte für One

Julian Teicke (Archivbild: Lier)
Julian Teicke (Archivbild: Lier)

Die Frage liegt auf der Hand: Was plant die Wefox-Gruppe mit dem eingesammelten Kapital? Teicke nennt im Gespräch mit VersicherungsJournal drei Investitionen, die jetzt auf dem Plan stehen.

Erstens wird Wefox international expandieren: In Italien und Spanien ist das Unternehmen bereits aktiv, jetzt sollen Frankreich und die Niederlande folgen. 2020 ist dann der Schritt nach Japan geplant, was auch auf einen der Wefox-Investoren zurückzuführen ist.

Zweites soll frisches Geld in die Entwicklung situativer Versicherungsprodukte der One Versicherung fließen.

Drittens will Teicke in den Aufbau einer Plattform investieren, die Versicherern und verschiedenen Distributoren den digitalen Vertrieb ermöglicht.

Das geplante Portal soll neben Wefox und One auch neuen Unternehmen, auf Seiten der Versicherer und des Vertriebs, offenstehen.

Der Kunde muss zustimmen, dass wir relevante Informationen zu seinem jeweiligen Standort bekommen.

Wefox-Gründer Julian Teicke

App auf Basis von Kunden-Geodaten geplant

Der Fahrplan 2019 für One: Für den Digitalversicherer will Teicke ein großangelegtes Datenprojekt umsetzen. Eine Versicherungs-App auf Basis von Geodaten soll den Ausbau von situativen Produkten vorantreiben. Hinter dem Projekt steht die Münchener Rück.

Ein Beispiel: Im April bringt One das neue Produkt „Travel Light“ auf den Markt, eine Auslands-Diebstahl-Versicherung. Der Digitalversicherer hat hier keinen Zugang zu den Rohdaten des Kunden, wie Teicke auf Nachfrage versichert.

„Der Kunde muss zustimmen, dass wir relevante Informationen zu seinem jeweiligen Standort bekommen. Bei ‚Travel Light‘ heißt das, wir bekommen nur die Info, wann der Kunde das Land verlässt und wann er zurückkehrt“, erklärt der Wefox-Chef. Die jeweilige Person müsse diese Infos jedes Mal für One freigeben und somit autorisieren.

Weitere Produkte wie eine Fahrrad-Unfallversicherung und eine Ski-Unfallversicherung nach dem gleichen Muster sollen folgen.

Kunden autorisiert die Daten für One

Um sicherzustellen, dass der Datenschutz hier gewährleistet sei, liefen die Geodaten der Kunden über einen externen Dienstleister, Axon Vibe AG. Das Schweizer Unternehmen sorge dafür, dass der Digitalversicherer der Wefox-Gruppe nur die vom Kunden freigegeben Daten erhalte, unterstreicht Teicke.

Für den Aufbau dieser situativen Produkte nennt der Unternehmenschef nicht als Vorbild, aber als Beispiel den chinesischen Online-Versicherer Zhongan Insurance. Hinter dem Unternehmen stehen der Online-Händler Alibaba Group Holding Limited, der Internetkonzern Tencent Holdings Ltd. und der chinesische Versicherungsriese Ping An Insurance (Group) Company of China, Ltd. (VersicherungsJournal 13.8.2018).

„Die Gründer von Zhongan haben in diesem Geschäftsfeld viel Vorarbeit geleistet. Sie haben es geschafft, an einem Tag zwei Millionen Policen zu verkaufen. Für Europa sind das unvorstellbare Zahlen“, so Teicke.

Das nächste Google oder Facebook kommt aus Europa, nicht aus den USA oder Asien.

Wefox-Gründer Julian Teicke

Datenschutz als europäisches USP

Anders als in Asien stehe in Europa der Schutz der Kundendaten im Fokus. „Das Einhalten von Datenschutz-Gesetzen ist für europäische Unternehmen im internationalen Vergleich ein klares Alleinstellungsmerkmal. Anders als in Asien üblich haben wir daher auch keinen Zugang zu den Rohdaten der Kunden“, so der Wefox-Chef.

Teicke ist davon überzeugt, dass dieses Alleinstellungsmerkmal sich künftig international durchsetzen werde. „Das nächste Google oder Facebook kommt aus Europa, nicht aus den USA oder Asien. Und das wird ein Unternehmen sein, das das Datenschutz-Thema fest in seiner Firmen-DNA verankert hat“, ist Teicke überzeugt.

Wenn Investoren zu früh Profite fordern, ist das das Ende des Unternehmens.

Wefox-Gründer Julian Teicke

Nachhaltiger Erfolg: Investoren machen’s möglich

Wann sich das Geschäftsmodell von Wefox für die Kapitalgeber auszahlt, lässt der Unternehmenschef noch offen. Seine Erfahrungen bei seiner ersten Gründung, der Mein-Deal AG, die Teicke 2015 verkaufte, hätten ihm gezeigt: „Wenn Investoren zu früh Profite fordern, ist das das Ende des Unternehmens.“

Der Manager setze auf Kapitalgeber, die langfristig planen. „Wir können nur dann eine nachhaltige Erfolgsgeschichte schreiben, wenn wir zehn bis 15 Jahre keine Profite auszahlen, sondern die Gewinne reinvestieren. Amazon hat das vorgemacht.“

Ausbau des Makler-Geschäfts geplant

Im Geschäft mit den Maklern sieht sich der Unternehmenslenker auf einem guten Weg. Für den weiteren Ausbau des Vertriebs holte Wefox Torsten Richter an Bord (VersicherungsJournal 17.12.2018). Insgesamt arbeitet die Unternehmens-Gruppe nach Teickes Angaben derzeit mit 1.500 Maklern zusammen. 2019 sollen es 3.000 Partner werden.

Nach Angaben von Teicke konnte die Gruppe bisher 400.000 Kunden gewinnen, wovon 70.000 auf das Konto von One gehen. Den vorläufigen Umsatz der Unternehmensgruppe beziffert der Gründer für 2018 auf 40 Millionen. Die Wefox-Gruppe beschäftigt derzeit 200 Mitarbeiter: Davon arbeiten 60 für den Versicherer One und 140 für den Versicherungsmakler.

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App · Darlehen · Datenschutz · Diebstahl · Digitalisierung · Insurtech · Mitarbeiter · Social Media · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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