„Die Unabhängigkeit von Maklern ist ein hohes Gut“

18.8.2021 – Charta arbeitet seit knapp sechs Monaten mit Smart Insurtech zusammen. Die rund 400 an den Verbund angeschlossenen Versicherungsmakler können damit ein Paket aus cloudbasiertem Makler-Verwaltungsprogramm, Dokumentenservice, Qualitätsbewertung, Versicherungsvergleich und einer Beratungslösung inklusive elektronische Signatur nutzen. Wie die Partner das Angebot annehmen, wie das Vergütungsmodell aussieht und welche Vorteile es bringt, berichten Charta-Vorstand Dietmar Diegel und Smart-Insurtech-Vorstand Bernd Jakobs im Interview.

VersicherungsJournal: Die Zusammenarbeit zwischen Charta Börse für Versicherungen AG und Smart Insurtech AG läuft jetzt seit März. Wie sehen die ersten Erfahrungswerte aus und wie intensiv nutzen Charta-Partner das Angebot?

Bernd Jakobs (Bld: Teresa Rothwangl)
Bernd Jakobs (Bld: Teresa Rothwangl)

Bernd Jakobs: Wir haben bisher mit rund 50 Charta-Partnern Workshops durchgeführt, in welchen wir die Möglichkeiten digitalisierter Prozesse aufzeigen. Erfahrungsgemäß ist in der Branche das Thema Datenmigration im Zuge eines Systemwechsels ein großes Hindernis.

Daher waren wir positiv überrascht, dass sich direkt im ersten Monat nach der Veranstaltung mehr als zehn Prozent der teilnehmenden Charta-Makler und weitere in den Folgemonaten für unsere All-in-one-Software entschieden haben. Dass wir mehr als 25 Jahre Erfahrung mit Datenmigration haben und sicherstellen können, dass ein Systemwechsel reibungslos verläuft, hat die Entscheidung erleichtert.

VersicherungsJournal: Was wird von den Vertriebspartnern am stärksten nachgefragt?

Jakobs: Das sind zwei Komponenten unseres Technologiepakets: Zum einen das cloudbasierte Makler-Verwaltungsprogramm (MVP), das sich aus einem Programm für Bestandsverwaltung und Abrechnung sowie einem Frontend für Vertriebssteuerung und Vertriebscontrolling zusammensetzt.

Zum anderen weckt „Smart Gevo“ großes Interesse. Das ist unser Dokumentenservice, der bei Vertragsveränderungen Prozesse im Innendienst mit Hilfe von künstlicher Intelligenz automatisiert und Maklerbüros von zeitintensiver manueller Arbeit entlastet.

Dietmar Diegel (Bld: Teresa Rothwangl)
Dietmar Diegel (Bld: Teresa Rothwangl)

Dietmar Diegel: Bei uns entscheiden allein die Maklerinnen und Makler, welche Angebote für sie werthaltig sind. Ganz offensichtlich ist das Kooperationsangebot, dass wir mit Smart Insurtech erarbeitet haben, eine Lösung, die von vielen unserer Partnerinnen und Partner als sehr zeitgemäß und zukunftsfähig beurteilt wird.

VersicherungsJournal: Durch die Digitalisierungs-Optionen von Smart Insurtech sollen Makler Inhaber ihrer Daten bleiben und die Direktverbindung zum Versicherer behalten. Wie wird dieses Versprechen konkret umgesetzt?

Jakobs: Die Unabhängigkeit von Maklern und Vertrieben ist ein hohes Gut. Unsere Software ermöglicht es ihnen, unabhängig zu bleiben. Wir sind ein reiner Technologieanbieter und stehen als hundertprozentige Tochter der Hypoport SE nicht in der Verwertungskette. Deshalb übertragen Vermittler auch ihre Bestände nicht an uns.

Versicherer und Vermittler kommen als unabhängige Akteure auf unserer Versicherungsplattform zusammen. Sie vereinbaren ihre Form der Zusammenarbeit und die Höhe der Courtage direkt miteinander.

VersicherungsJournal: Wie finanziert sich Smart Insurtech dann?

Jakobs: Wir finanzieren uns nicht durch Provisionen oder Overheads, sondern durch Nutzungsgebühren. Diese richten sich ausschließlich nach der Größe des von uns zu administrierenden Bestands.

Indem die Versicherungsplattform Smart Insur zudem unterschiedliche Softwarelösungen in einer Hand bündelt, laufen Daten nicht mehr durch externe Drittsysteme. Es entfallen lästige doppelte Eingaben und die Datenqualität steigt.

Datenhoheit ist dementsprechend für sie ein sehr wesentlicher Faktor zur Wahrung der Unabhängigkeit.

Dietmar Diegel, Vorstand Charta

VersicherungsJournal: Wie wichtig ist Charta-Maklern die angesprochene Datenhoheit?

Diegel: Unsere Makler sind unabhängige Unternehmer und Unternehmerinnen, die grundsätzlich über Direktanbindungen zu unseren Partnern auf Seiten der Versicherungs-Gesellschaften verfügen.

Datenhoheit ist dementsprechend für sie ein sehr wesentlicher Faktor zur Wahrung der Unabhängigkeit. Bei der Frage „Wem gehört der Kunde?“ ist die Antwort in der Charta kompromisslos: den Maklern.

Grundlage der Kalkulation sind marktübliche Courtagesätze in den jeweiligen Sparten.

Bernd Jakobs, Vorstand Smart Insurtech

VersicherungsJournal: Sie haben ja bereits das neue Vergütungsmodell kurz angesprochen, das sich an der Nutzungsintensität orientiert. Wie berechnen sich die monatlichen Kosten für die Charta-Makler konkret?

Jakobs: Die Kosten für die ganzheitliche Plattform-Technologie hängen davon ab, wie intensiv man sie nutzt und haben als Maßgabe die aktive Bestandsgröße. Dabei variieren sie nach der jeweiligen Sparte.

Bei einem Vermittler mit einem kleineren Bestand kann die monatliche Gebühr bei 300 Euro liegen (siehe erstes Beispiel in der Tabelle). Sie entspricht damit 3,5 Prozent der gesamten Courtage-Einnahmen des Maklers.

Im Fall eines größeren Bestands können die Kosten für die Nutzung der Plattform-Technologie 2.700 Euro im Monat betragen (siehe zweites Beispiel). Das sind 2,8 Prozent der gesamten Provisions-Einnahmen. Grundlage der Kalkulation sind marktübliche Courtagesätze in den jeweiligen Sparten.

Vergütungsmodell nach Bestand und Sparten

Bestand Makler*

Leben**

Kranken**

Komposit**

Kfz**

Gebühr im Monat**

Beispiel 1

220.000

200.000

370.000

250.000

300

Beispiel 2

2.220.000

2.000.000

3.700.000

2.500.000

2.700

Würde ein Vermittler demgegenüber in einem klassischen Lizenzsystem die unterschiedlichen Software-Lösungen bei jeweils einzelnen Firmen erwerben, wären seine Aufwendungen etwa doppelt so hoch.

VersicherungsJournal: Und wie hoch sind die Kosten für die Migration der Daten und die Schulung der Mitarbeiter auf die neue Software von Smart Insurtech für die Charta einerseits und die einzelnen Partner andererseits?

Jakobs: Die Vergütung für eine Standardmigration aus dem MVP der Charta liegt bei pauschal 3.000 Euro. Besitzt ein Charta-Makler eine gewisse Bestandsgröße und würde beispielsweise einen monatlichen Gebührenaufwand von mehr als 500 Euro für unsere Technologie haben, so wird diese initiale Datenmigration bis zu 100 Prozent rabattiert.

Ähnlich verhält es sich bei Standardmigrationen aus anderen MVPs in die Systeme der Smart Insurtech. Bei Schulungen ist eine Basis-Schulung von vier Stunden im Vertrag integriert. Diese reicht in der Regel auch aus. Sollten mehr Online-Schulungseinheiten notwendig sein, so werden sie nach Stundensatz abgerechnet.

Diegel: Smart Insurtech und Charta haben eine Kooperation zum beiderseitigen Vorteil geschlossen, in der wir nicht wie Auftraggeber und Dienstleister agieren, sondern gemeinsame Ideen entwickeln und im Sinne der unserem Verbund angeschlossenen Unternehmen bestmöglich umsetzen. Insofern stellt sich die Frage nach Kosten in dieser Form nicht.

Überzeugt hat uns, dass Smart Insurtech als reiner Technologieanbieter nicht in der Verwertungskette steht und somit unabhängig ist.

Dietmar Diegel, Vorstand Charta

VersicherungsJournal: Die Charta hatte ein eigenes Verwaltungsprogramm entwickelt, unter anderem, um unabhängig von externen Anbietern zu sein. Warum haben Sie diese Unabhängigkeit aufgegeben?

Diegel: Wir möchten unseren Partnerinnen und Partnern die besten Lösungen am Markt anbieten und stellen daher dieses cloudbasierte Makler-Verwaltungsprogramm zur Verfügung. Überzeugt hat uns, dass Smart Insurtech als reiner Technologieanbieter nicht in der Verwertungskette steht und somit unabhängig ist.

VersicherungsJournal: Wie viele Ihrer Aktionäre und Verbundpartner haben diesem Schritt, der Kooperation mit Smart Insurtech, zugestimmt?

Diegel: Eine solche Kooperation unterliegt in unserem Verbund nicht der Zustimmungspflicht durch die Aktionäre. Aber unabhängig davon, ist die Kooperation als wichtiger Teil unserer Schnittstellen-Strategie auf sehr positives Echo bei unseren Partnerinnen und Partnern gestoßen.

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