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Arag will eigene Anwaltskanzleien

16.5.2024 – Gute Ergebnisse erzielte 2023 der Arag-Konzern. Seine Schwerpunkte hat der Versicherer weiterhin in Rechtschutz und Kranken. In beiden Segmenten ist die Assekuranz stark gewachsen. Weiterhin plädiert der Versicherer für eine Auflösung des Anwaltsmonopols in Deutschland. Vor allem große Anbieter wie die Arag könnten davon profitieren.

Der Rechtsschutzversicherer Arag SE fordert eine umfassende Reform des Zugangs zum Recht. „Das Fremdbesitzverbot und das sehr weitgehende Verbot der außergerichtlichen Rechtsberatung sind nicht mehr zeitgemäß“, sagte Vorstandssprecher Dr. Renko Dirksen am Mittwoch anlässlich der Bilanzpressekonferenz.

Renko Dirksen (Bild: Schmidt-Kasparek)
Renko Dirksen (Bild: Schmidt-Kasparek)

Im Ausland berät die Arag bereits über eigene Anwaltskanzleien. Das ist in Deutschland bisher verboten.

EuGH prüft deutsche Zugangsbeschränkungen

Daher hofft das Unternehmen auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, C-295/23). Möglicherweise sind die deutschen Einschränkungen beim Rechtszugang europarechtswidrig. Laut Arag beschäftigt sich auch das Bundesministerium für Justiz (BMJ) mit diesem Sachverhalt. Der EuGH will im Jahr 2025 entscheiden.

Einen Interessenkonflikt bei der Beratung von Kunden durch eigene Anwälte sieht die Arag nicht. „Wir organisieren die sogenannte Deckungsprüfung in einer anderen Abteilung. Zwischen dieser und eigenen Anwälten würde dann eine chinesische Mauer bestehen“, erläuterte Arag-Vorstand Hanno Petersen.

Zudem bleibe es grundsätzlich immer bei der freien Anwaltswahl. „Die Kundinnen und Kunden müssten auch künftig nicht die von der Assekuranz vorgeschlagene Anwaltskanzlei nehmen“, so Petersen.

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Auch Fremdanwälte werden empfohlen

Hanno Petersen (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Hanno Petersen (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Tatsächlich ist aber die Empfehlung des Rechtsschutzversicherers meist sehr sinnvoll. Denn die Assekuranzen untersuchen akribisch, welcher Anwalt im jeweiligen Rechtsgebiet besonders erfolgreich ist.

„Wir empfehlen dann nicht nur Anwältinnen oder Anwälte aus unserem Partnernetz, sondern auch Fremdanwälte, wenn sie für den Streitfall eine hohe Kompetenz haben“, so Petersen. Denn Versicherte und Assekuranz hätten das gleiche Ziel, den Rechtsstreit zu gewinnen.

Wer schon heute einer Empfehlung seiner Rechtsschutzversicherung folgt, kann meist die übliche Selbstbeteiligung von 150 Euro vermeiden.

Kleinere Versicherer hätten schweren Stand

Sollte der Kauf von eigenen Anwaltskanzleien möglich sein, dürfte es in der Rechtsschutzversicherung bald einen zweigeteilten Markt geben. „Denn kleinere Unternehmen werden sich die hohen Investitionen kaum leisten können“, so Petersen.

Derzeit steht die Arag im deutschen Rechtsschutzmarkt auf Rang zwei. Allein die Allianz Versicherungs-AG ist noch größer.

Kleinere Versicherer, wie Auxilia Rechtsschutz-Versicherungs-AG, Concordia Versicherungs-Gesellschaft a.G. oder WGV-Versicherung AG heizen oft mit günstigen Tarifen den Wettbewerb an. Sie hätten nach dem Fallen des Anwaltsmonopol wahrscheinlich einen schwereren Stand.

Rechtsschutzmarkt (Bild: Arag)
Zum Vergrößern Bild klicken. (Bild: Arag)

Globale Angst stützt Nachfrage

Insgesamt wird Rechtschutz bei der Arag stark nachgefragt. „Es gibt mittlerweile eine globale Angst der Bevölkerung, die der Rechtsschutzversicherung nutzt“, sagte Arag-Vorstand Dr. Matthias Maslaton. Daher stieg die Zahl der Kunden im vergangenen Jahr in Deutschland um 110.000 Versicherte.

Mit dem Auslandgeschäft zusammen konnte der Kundenbestand sogar um 400.000 Versicherte erhöht werden. Weltweit wurden knapp 1,3 Millionen Leistungsfälle bearbeitet. In Deutschland waren es 680.000 Schaden- und Beratungsfälle (Vorjahr: 618.000) (VersicherungsJournal 29.5.2023).

Die Einnahmen des Konzerns stiegen 2023 um 7,9 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Damit konnte das Geschäftsergebnis um 40 Prozent auf 136,5 Millionen Euro gesteigert werden. Der Jahresüberschuss hat sich sogar fast verdoppelt. Er stieg von 43,5 Millionen Euro auf 86,2 Millionen Euro.

Auch das Jahr 2024 läuft gut an. „Im ersten Quartal lieferte der Konzern ein Plus von 12,3 Prozent auf 800 Millionen Euro“, sagte Dirksen. Dabei profitiert das Unternehmen sowohl von der Entwicklung in der Rechtsschutzversicherung mit einem Plus von neun Prozent als auch von der privaten Krankenversicherung (PKV) mit einem Plus von 16,3 Prozent.

Breite Aufstellung in der PKV

In der privaten Krankenversicherung verbuchte die Assekuranz 2023 bereits ein Einnahmeplus von 16,8 Prozent auf 638 Millionen Euro. Verkauft werden vor allem Vollkostentarife. Seit einiger Zeit hat die Arag den Zwang, zuerst zum Hausarzt zu gehen, aufgehoben und bietet nun Tarife an, die einen sofortigen Facharztbesuch möglich machen.

Erfolgreich sei auch der 2023 erfolgte Start in die Beamtenversicherung mit Beihilfetarifen gewesen. Der Beamtenschutz sei ein wichtiges Standbein, denn er macht in der PKV rund 50 Prozent des gesamten Marktes aus.

1.000 neue Beschäftigte

Sehr erfolgreich ist die Arag zudem bei der Personalgewinnung. „Wir haben uns hier vor allem in sozialen Medien sehr breit aufgestellt“, erläuterte Arag-Vorständin Dr. Shiva Meyer. Die sehr konkrete Zielgruppenansprache sei erfolgreich gewesen. Trotz Abgängen ist das Unternehmen um 310 Beschäftigte auf 5.000 Mitarbeiter gewachsen. Insgesamt seien 2023 rund 1.000 Beschäftigte neu eingestellt worden.

„Der Aufwand für die Personalgewinnung ist aber hoch, wenn Qualitätsstandards eingehalten werden sollen“, bestätigte Meyer. So ständen hinter den 1.000 Einstellungen 14.000 Bewerbungen und 2.000 Interviews. Mittlerweile habe es die Assekuranz aber erreicht, dass auf eine ausgeschriebene Stelle statt 15 nun 30 Bewerbungen eingehen würden.

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Berufsunfähigkeit · Mitarbeiter · Private Krankenversicherung · Rechtsschutz · Senioren
 
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