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Allianz will das Auto als Unfallzeugen

20.9.2019 – Bei Unfällen mit Personenschäden soll grundsätzlich das Auto als „Zeuge vernommen werden dürfen“. Das forderte die Versicherung anlässlich ihres Autotags. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) sieht die Forderung skeptisch. Im Zivilverfahren müsse der betroffene Autofahrer ein generelles Auslesen von Daten nicht dulden.

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„Wenn ein Mensch verletzt oder getötet wurde, sollten alle im Fahrzeug nutzbaren Daten zur Aufklärung der Schuldfrage herangezogen werden können“, forderte Joachim Müller, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG, am Donnerstag auf dem 7. Allianz Autotag seines Unternehmens.

Ein unabhängiger Daten-Treuhänder soll künftig sicherstellen, dass vorhandene Daten bei Verletzten oder getöteten Menschen auch gegen den Willen des Berechtigten zur Verfügung stehen.

Zivilprozess läuft anders

Jens Dötsch (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Jens Dötsch (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

„Der Autofahrer darf auch bei Unfällen mit Personenschäden untersagen, dass einfach alle möglichen Daten ausgelesen werden“, sagte Jens Dötsch, Fachanwalt für Verkehrs- und Versicherungsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV.

„Es kann nicht sein, dass der Gegner alle möglichen Daten aus dem Auto auslesen lässt, in der Hoffnung, etwas Belastendes zu finden“, so Dötsch.

Eine entsprechende Änderung der aktuellen Zivilprozessordnung hält Dötsch für „ausgeschlossen“. Anders liege der Fall, wenn die Staatanwaltschaft etwa wegen fahrlässiger Tötung ermittele. „Dann kann das Auto schon nach aktuellem Recht beschlagnahmt werden und die Daten dürfen von einem Sachverständigen ausgelesen werden“, so Dötsch.

Problematisch sieht er zudem die Forderung des Versicherers, dass bei einem reinen Sachschaden niemand Zugriff auf die Daten haben soll, wenn der betroffene Autofahrer das nicht möchte. In der Praxis müsste der Autofahrer dann eine Löschfunktion haben, um so auf Nummer sicher gehen zu können.

Es muss künftig möglich sein zu klären, ob der Mensch oder das Auto den Unfall verursacht hat.

Joachim Müller, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG

Regress beim Hersteller

Joachim Müller (Archivbild: Müller)
Joachim Müller (Archivbild: Müller)

Die könnte aber dann eben auch bei Personenschäden betätigt werden. Nach Meinung der Allianz muss der Datenzugriff aber auch deshalb klar geregelt werden, weil längst auch Assistance-Systeme für einen Unfall verantwortlich sein können.

„Es muss künftig möglich sein zu klären, ob der Mensch oder das Auto den Unfall verursacht hat“, so Müller. Für die Kfz-Versicherer ist das wichtig. Denn nur so können sie Schäden beim Hersteller erfolgreich regressieren.

Nach aktuellem Recht entschädigt der Autoversicherer des unfallverursachenden Fahrzeuges in allen Fällen die Unfallopfer. Ist Systemversagen Unfallgrund, kann die Assekuranz ihre Aufwendung beim Hersteller zurückholen.

Das Problem, die Unfallursache genau zu analysieren wird künftig immer wichtiger, denn es werden bald immer mehr hochautomatisierte Fahrzeuge auf die Straße kommen. Nach Einschätzung der Allianz reicht es, wenn wenige Sekunden vor dem Unfall die Ereignisdaten ausgelesen werden.

Allianz fordert Zugang zu den digitalen Unfalldaten

Moderne Fahrzeuge speichern bei Unfällen eine Reihe von Ereignisdaten ab, die für die Unfallaufklärung zunehmend unabdingbar seien. Es müsse in Zukunft für Halter, Versicherungen, Behörden und Sachverständige für die Unfallrekonstruktion transparent sein, welche digitalen Unfallspuren zur Aufklärung zur Verfügung stehen.

Dazu gehörten die Information darüber, in welchen Fahrzeugmodellen welche Daten aufgezeichnet werden und wie und ob diese auslesbar sind. Während es in den USA schon seit 2006 einen Mindeststandard für die Datenaufzeichnung in den Fahrzeugen gäbe, würde eine solche Regelung in der Europäischen Union noch immer fehlen.

Die Allianz fordert einen standardisierten und fairen Zugang zu den digitalen Unfalldaten moderner Autos. Nach Erkenntnissen des DAV wehren sich die Autohersteller noch immer dagegen, dass überhaupt Daten aus den modernen Fahrzeugen ausgelesen werden. „Unter anderem argumentieren sie damit, dass in den Daten auch Betriebsgeheimnisse enthalten sind“, so Dötsch.

ADAC Autoversicherung: Neuer Partner

Die Allianz hatte zum 1. Januar 2019 den 51-prozentigen Anteil an der ADAC Autoversicherung AG (AAV) von der Zurich Versicherung Deutschland übernommen (4.2.2019).

Nun startet ab dem 1. Oktober die „neue“ AAV. Als besonderen Anspruch formulierte der ADAC auf dem Allianz-Autotag: Faires Produkt, faire Beratung, fairer Service. Diese „Leistungen“ dürften die restlichen 87 Autoversicherer auf dem deutschen Markt ebenfalls für sich beanspruchen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Assistance · Kfz-Versicherung · Managerhaftpflicht
 
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