Map-Report Nummer 902 „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“ erschienen

11.6.2018 – Ein besonderer Aspekt im Map-Report 902 – „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“ sind die Berechnungen der SCR-Bedeckungsquoten mit und ohne Übergangsmaßnahmen. Zudem enthält das Heft grafische Detailübersichten zur Bedeckung für 54 Lebens- und 25 Krankenversicherer.

Morgen erscheint der Map-Report Nummer 902 – „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“.

Die deutschen Versicherungsunternehmen haben am 07. Mai 2018 zum zweiten Mal ihren „Solvency and Financial Condition Report“ (SFCR-Bericht) veröffentlicht. Fünf Wochen danach bietet die Map-Report-Redaktion einen Vergleich der Bedeckungsquoten für 83 Lebens- und 36 private Krankenversicherer.

In der neuen Übersicht zum neuen Aufsichtsregime wird ein Einblick in die angewendeten Modelle und Maßnahmen gegeben. Für den Vergleich der SCR-Bedeckungsquoten kamen verschiedene Varianten zum Einsatz.

Standard- und interne Modelle

Für die Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderung (SCR) haben 72 Lebensversicherer die Standardformel und elf Unternehmen ein (partielles) internes Modell verwendet. Von den Krankenversicherern wendete die Central ein partielles, Allianz, Axa und DKV vollständige interne Modelle an. Die weiteren 32 Anbieter verwendeten die Standardformel.

Von den 83 untersuchten Lebensversicherern wendeten 45 die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen gemäß § 352 VAG und die Volatilitätsanpassung nach § 82 VAG an. Elf Lebensversicherer nutzten ausschließlich die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen, während sich weitere zehn Unternehmen als einzige Maßnahme der Volatilitätsanpassung bedienten.

Manche nutzen Übergangsmaßnahmen

Die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze gemäß § 351 VAG wurde von der WWK in Kombination mit der Volatilitätsanpassung angewendet. In der Summe verwendeten 55 Lebensversicherer die Volatilitätsanpassung, ebenfalls 55 Lebensversicherer die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und ein Lebensversicherer die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze.

Unter den Krankenversicherern nutzten bis Ende 2017 zwei Anbieter die Übergangsmaßnahmen für die versicherungstechnischen Rückstellungen. Fünf Mal wurde die Volatilitätsanpassung genutzt. Als einziger Krankenversicherer kamen bei der Gothaer beide Maßnahmen zum Einsatz.

Große Unterschiede bei den Quoten

Map-Report 902

Alle 83 Lebensversicherungsunternehmen konnten zum Jahresende 2017 eine ausreichende SCR-Bedeckung nachweisen. Doch das gelang oftmals nicht ohne die für den Übergang auf das neue Eigenkapitalregime vorgesehenen Hilfen. Zwischen den Quoten der einzelnen Versicherungsunternehmen gab es dabei deutliche Unterschiede.

Die aufsichtsrechtlich relevante SCR-Quote der Branche (anrechenbare Eigenmittel der Branche im Verhältnis zum SCR der Branche inklusive Übergangsmaßnahmen) belief sich auf 400,7 Prozent (Vorjahr 402,0 Prozent). In diesem Durchschnittswert nicht enthalten sind Lebensversicherer, die auf Übergangsmaßnahmen verzichteten. Den höchsten Wert verzeichnete die SV Sachsen mit einer Bedeckung von 990,3 Prozent, gefolgt von der Swiss Life mit 906,2 Prozent. Die niedrigsten Quoten gab es bei der WWK (213 Prozent) und der Rheinland (175,1 Prozent).

Die durchschnittliche Bedeckung der Mindestkapitalanforderungen inklusive aller Übergangsmaßnahmen lag bei 941,5 Prozent. Mit Europa, Ideal und Nürnberger meldeten drei Gesellschaften Quoten von über 3.000 Prozent. Wobei die Europa mit 3.985,2 Prozent bereits an der 4000er-Marke kratzt.

Verbesserte Basisquoten

Bei dem Vergleich der SCR-Bedeckungsquoten ohne jegliche Hilfs- und Übergangsmaßnahmen zeigten sich deutliche Verbesserungen. Während Ende 2016 noch 23 Lebensversicherer die Bedeckungsquote von 100 Prozent nicht erreichten, waren es Ende 2017 nur noch elf Anbieter. Zudem verzeichneten im Vorjahr drei Versicherer Basisquoten von null Prozent. Zum Jahresultimo 2017 kam das nicht mehr vor.

Bedeckungsquoten von unter 100 Prozent sollten nicht überbewertet werden. Denn genau für diese Situation wurden die Hilfsmaßnahmen erarbeitet, um den Gesellschaften den Übergang vom alten ins neue Aufsichtsregime zu erleichtern.

Unternehmen, deren Eigenmittel nicht ausreichten, um das SCR zu bedecken beziehungsweise zu übersteigen, sind keineswegs insolvent. Bei einer SCR-Bedeckung von weniger als 100 Prozent handelt es sich lediglich um eine fehlende Risikotragfähigkeit. Das bedeutet nach dem verwendeten Konfidenzniveau von 99,5 Prozent, dass die Gesellschaft nicht über genügend Kapital verfügte, um eine Situation zu überstehen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent im nächsten Jahr eintreten könnte.

Jedoch ist auch hierbei zu beachten, dass die Übergangsmaßnahmen nur für Verträge gelten, die bereits zum 31.12.2015 im Bestand waren. Danach abgeschlossene Verträge sind ohne Übergangsmaßnahmen zu bewerten.

Die Bedeckungsquoten zwischen den Gesellschaften schwankten auch hier extrem. Die höchste Kennzahl hatte mit deutlichem Abstand die Europa mit 996,3 Prozent. Auf den weiteren Rängen folgen Ergo Direkt (738,1 Prozent), Dortmunder (669,0 Prozent), Dialog (646,2 Prozent) und Deutsche (626,9 Prozent). Der Marktdurchschnitt beträgt 227,3 Prozent (Vorjahr 196,0 Prozent).

Vergleich zum Marktdurchschnitt

In den Einzelauswertungen der Jahre 2008 bis 2017 wurden alle Versicherer berücksichtigt, die sich in den vergangenen Jahren an unseren Solvabilitäts-Umfragen beteiligten oder deren Daten aus den Geschäftsberichten rückwirkend vollständig zu entnehmen waren.

Diese Grafiken sollen dabei keineswegs einen Vergleich der Solva I (2008 bis 2015) mit den Solva-II-Werten (ab 2016) darstellen. Ziel ist es vielmehr, zu veranschaulichen, wie sich die Bedeckungsquoten der einzelnen Anbieter in den vergangenen zehn Jahren im Verhältnis zum Marktdurchschnitt entwickelten.

Aus den Grafiken wird dabei jeweils ersichtlich, ob und welche Übergangsmaßnahmen zur Berechnung der SCR-Bedeckung angewendet wurden.

Ab dem 12. Juni lieferbar

Der Map-Report ist ab morgen gedruckt und als E-Paper im PDF-Format lieferbar.

Weitere Informationen zu dem Map-Report finden Sie auf der Heft-Seite.

Hintergrundinformationen zu der Studie enthält der Artikel „Im Zeichen der Sicherheit“.

Für die Berichterstattung bieten wir Ihnen an, einzelne Grafiken aus dem Heft abzubilden. Bei der Verwendung bilden Sie bitte nicht mehr als zehn Gesellschaften ab.

Journalisten können für ihre Berichterstattung ein Rezensionsexemplar per Mail über d.nitzsche@versicherungsjournal.de bestellen.

Für mehr Hintergrundinfos besuchen Sie unsere Seite www.versicherungsjournal.de/map-report.

 
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