WERBUNG

Wie viel Abstand Autos zum Straßenrand halten müssen

5.12.2018 – Wird beim Aussteigen aus einem am Straßenrand parkenden Fahrzeugs ein anderer Verkehrsteilnehmer geschädigt, so spricht der Beweis des ersten Anscheins für eine fahrlässige Sorgfaltspflicht-Verletzung des Aussteigenden. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Hagen vom 20. Dezember 2017 hervor (3 S 46/17).

Der Kläger war mit seinem Fahrzeug auf einer innerstädtischen Straße unterwegs, als etwa sieben Meter vor einer Kreuzung die Fahrertür des am rechten Straßenrand parkenden Personenkraftwagens des Beklagten geöffnet wurde. Dabei fuhr er gegen die Tür.

Gegenseitige Schuldvorwürfe

Die Beteiligten warfen sich gegenseitig vor, den Unfall verschuldet zu haben. Während der Kläger behauptete, dass es zu dem Unfall einzig durch die Unachtsamkeit des Beklagten gekommen sei, trug dieser vor, die Tür maximal 20 Zentimeter weit geöffnet zu haben. Hätte der Kläger einen nötigen seitlichen Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter zu den am rechten Fahrbahnrand geparkten Fahrzeugen eingehalten, wäre der Unfall zu vermeiden gewesen.

Weil man sich nicht einigen konnte, landete der Fall vor Gericht. Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Amtsgericht Hagen warf beiden Streithähnen vor, sich nicht verkehrsgerecht verhalten zu haben.

Der Mitverschuldensanteil des Klägers sei jedoch nur mit einem Drittel zu bewerten. Denn gegen den Beklagten spreche der Beweis des ersten Anscheins, dass er sorgfaltswidrig gegen § 14 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung verstoßen habe. Danach habe sich ein Fahrzeugführer beim Ein- und Aussteigen nämlich so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen sei.

Damit wollte sich der Kläger jedoch nicht zufrieden geben. Er legte daher Berufung beim Hagener Landgericht ein. Das Gericht gab seiner Klage in vollem Umfang statt.

Ein halber Meter ist ausreichend

Nach Aussage eines im Prozessverlauf befragten Sachverständigen musste davon ausgegangen werden, dass der Kläger das Fahrzeug des Beklagten mit einem seitlichen Abstand zwischen 54 und 80 Zentimeter passiert hatte.

Ein Sicherheitsabstand von mehr als einem halben Meter reicht nach Ansicht des Landgerichts jedoch beim Passieren eines am Straßenrand geparkten Personenkraftwagens aus. Ein solcher Abstand ermögliche den Insassen eines geparkten Fahrzeugs ein ausreichendes Öffnen der Tür, um den rückwärtigen Verkehr beobachten zu können.

„Hätte der Beklagte – wie von ihm behauptet – die Tür lediglich einen Spalt, also circa 20 cm weit geöffnet, so wäre ein Passieren problemlos möglich gewesen. Einen weiteren Abstand zum Beklagtenfahrzeug einzuhalten, entsprach daher nicht den Anforderungen an einen umsichtigen, sorgfältigen Fahrer“ – heißt es dazu wörtlich in der Urteilsbegründung. Der Beklagte habe den Unfall folglich allein zu verantworten.

Der Bundesgerichtshof hatte bereits im Oktober 2009 entschieden, dass dann, wenn beim Ein- und Aussteigen aus einem Auto andere Verkehrsteilnehmer geschädigt werden, der Beweis des ersten Anscheins für eine fahrlässige Sorgfaltspflicht-Verletzung des Ein- beziehungsweise Aussteigenden spricht (VersicherungsJournal 5.11.2009).

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Fonds sind kein Teufelszeug

Von Fonds und Fondspolicen lassen die meisten Deutschen die Finger. Wie Sie dennoch mit dieser Produktgruppe Vertriebserfolge einfahren, zeigt ein aktuelles Praxisbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier...

Weitere Artikel aus Markt & Politik
11.12.2018 – Ein „Nachrichten-Blog für Vermittler & Versicherer“ präsentiert Fach- und Publikumsmedien und ausgewählte Datenquellen. (Bild: Nachrichten.wiki) mehr ...
 
11.12.2018 – Mit welchen Gesellschaften unabhängige Vermittler im Privatkundengeschäft zuletzt gute Leistungs-Erfahrungen gemacht haben, wurde in einer aktuellen Studie ermittelt. In den verschiedenen Versicherungszweigen gab es meist eindeutige Spitzenreiter. (Bild: Wichert) mehr ...
 
10.12.2018 – Weil er durch ein Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn geblendet wurde, hatte ein Autofahrer einen Verkehrsunfall verursacht. Als er deswegen eine Geldbuße bezahlen sollte, zog er vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
10.12.2018 – Eine Neunjährige war im Kettenblatt ihres Fahrrads hängengeblieben. Sie schlenkerte und geriet gegen ein geparktes Fahrzeug. Vor Gericht ging es anschließend um die Klärung der Haftungsfrage. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
10.12.2018 – Einen europäischen Notruf gibt es schon. In Zukunft soll, wenn nötig, auch „umgekehrt“ Kontakt aufgenommen werden. Das sieht eine neue EU-Richtlinie vor. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
10.12.2018 – Wie steht es um das subjektive Gesundheitsempfinden? Eurostat-Daten zeigen, wie viele sich wie stark betroffen fühlen und wie Deutschland im EU-Vergleich liegt. (Bild: Lampert) mehr ...
 
7.12.2018 – Erreicht der langjährige Trend rückläufiger Sterblichkeitsraten und steigender Lebenserwartung allmählich seinen Zenit? Ein neuer Bericht sieht Anzeichen dafür. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG