Wie sicher müssen Wasserskianlagen sein?

13.6.2019 – Betreiber einer Wasserskianlage sind in der Regel nicht dazu verpflichtet, diese zur Vermeidung von Verletzungen abzuschalten, wenn ein Sportler gestürzt ist. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Braunschweig vom 14. März 2019 hervor (8 U 13/18).

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Die Klägerin war Teilnehmerin eines Kurses einer Wasserskianlage, an welcher die Sportler von einem Seilsystem über das Wasser gezogen werden. Dabei halten sie sich, ähnlich wie bei einem Skilift, an einem Haltegriff, an dem ein Zugseil befestigt ist, fest.

Gesichtsverletzung

Haltegriffe, die zum Beispiel nach einem Sturz nicht von Wasserskifahrern besetzt sind, gleiten frei über das Wasser, bis sie eingezogen werden. Darauf wurde die Frau vor Benutzung der Anlage hingewiesen. Sie wurde aufgefordert, kurz abzutauchen, falls ihr einer der Griffe zu nahe kommen sollte.

Nach einem Sturz schwamm die Teilnehmerin im Wasser. Dabei wurde sie von einem frei schwingenden Haltegriff im Gesicht getroffen und verletzt. Für die Verletzung machte sie den Betreiber der Anlage verantwortlich.

Dieser habe seine Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt, indem er das System nach dem Sturz nicht sofort abgeschaltet habe. Zu Beginn des Kurses hätte er ihr außerdem einen Helm anbieten müssen. Sie verklagte ihn daher auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes.

Ohne Erfolg. Ebenso wie die Vorinstanz hielt auch das Braunschweiger Oberlandesgericht die Klage für unbegründet. Sie wurde daher zurückgewiesen.

Keine konkrete Gefahrensituation

Nach Überzeugung der Richter ist allgemein bekannt, dass es sich beim Wasserskifahren um eine nicht ganz ungefährliche Sportart handelt. Von dem Betreiber einer entsprechenden Anlage könne daher nicht verlangt werden, Maßnahmen zur Vermeidung jeglicher Art von Verletzungen zu treffen.

Im Fall der verunfallten Frau sei er nicht dazu verpflichtet gewesen, die Anlage sofort nach ihrem Sturz abzuschalten. Denn es habe keine konkrete Gefahrensituation vorgelegen. Die Wasserskifahrerin sei weder bewusstlos noch handlungsunfähig gewesen. Sie habe sich vielmehr schwimmend aus dem Gefahrenbereich bewegt.

Es sei außerdem unbestritten, dass sie vor Nutzung der Anlage auf die Gefahr durch über das Wasser gleitende herrenlose Haltegriffe hingewiesen worden sei.

Keine Verletzung der Verkehrssicherungs-Pflicht

Würde man verlangen, dass die Anlage jedes Mal nach einem Sturz ohne eine konkrete Gefahrensituation abgeschaltet wird, würde das eine mehr oder weniger ständige Unterbrechung des Betriebs zur Folge haben. Denn insbesondere Anfänger würden häufiger stürzen. Ein Abschalten könne daher nicht verlangt werden – so das Gericht.

Im Übrigen müsse nicht darüber entschieden werden, dass der Betreiber seine Verkehrssicherungs-Pflicht dadurch verletzt habe, indem er der Frau keinen Schutzhelm angeboten habe. Denn die nach vorne offenen Helme hätten ihre Verletzung nicht verhindern können. Die Entscheidung ist mittlerweile rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Schmerzensgeld · Verkehrssicherungspflicht
 
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