Wie lange Werbungskosten für die Zweitwohnung abziehbar sind

20.8.2019 – Ein Arbeitnehmer machte die Kosten einer doppelten Haushaltsführung über das Ende seines Arbeitsvertrages hinaus beim Finanzamt geltend. Das muss der Fiskus unter Umständen akzeptieren, entschied das Finanzgericht Münster. (Bild: Pixabay, CC0)

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Ein Arbeitnehmer war in Berlin seiner Berufstätigkeit nachgegangen. Dort unterhielt er eine Zweitwohnung. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er aber weiterhin an seinem Erstwohnsitz in Nordrhein-Westfalen.

Sein Arbeitsverhältnis war durch seinen Arbeitgeber mit Wirkung per 1. September 2015 gekündigt worden. Anschließend bewarb der Mann sich auf eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im gesamten Bundesgebiet, von denen drei in Berlin und Umgebung lagen.

Streit um einen Monat

Weil er nicht ausschließen konnte, einen dieser Arbeitsplätz zu erhalten, behielt er seine Zweitwohnung in Berlin bei. Erst, nachdem er zum 1. Januar 2016 eine Zusage für eine Stelle in Hessen erhalten hatte, kündigte er seine Berliner Wohnung fristgemäß zum 28.2.2016.

Das für ihn zuständige Finanzamt hatte zwar für die Zeit der Tätigkeit in Berlin die Kosten der doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten anerkannt. Es war jedoch der Meinung, dass er das Mietverhältnis für die Zweitwohnung unverzüglich nach der Kündigung seines Arbeitsverhältnisses hätte beenden müssen.

Das habe der Arbeitssuchende versäumt. Deshalb stehe ihm ein Werbungskostenabzug für die doppelte Haushaltsführung nur bis zum Ende der unter diesen Umständen zu berücksichtigenden mietvertraglichen Kündigungsfrist, nämlich bis einschließlich November 2015, zu.

Doch dem wollten sich die Richter des Finanzgerichts Münster nicht anschließen. Sie gaben der Klage des Steuerpflichtigen auf Berücksichtigung der Kosten bis einschließlich Dezember 2015 statt.

Vorweggenommene Werbungskosten

Das Gericht schloss sich zwar der Auffassung des Finanzamts an, dass die Miete für den Monat Dezember nicht mehr durch die doppelte Haushaltsführung veranlasst worden ist. Bei den Aufwendungen handele es sich aber um vorweggenommene Werbungskosten. Denn es sei „ein hinreichend konkreter Veranlassungs-Zusammenhang mit späteren Einkünften“ erkennbar.

Der Angestellte habe sich nämlich weiterhin auch auf Stellen in Berlin und Umgebung beworben. Es sei daher zu berücksichtigen, dass eine vorzeitige Kündigung der bisherigen Wohnung und eine möglicherweise notwendige Neuanmietung einer anderen Bleibe in Berlin gegebenenfalls deutlich teurer geworden wären, als das Beibehalten des ursprünglichen Mietverhältnisses.

Bei dieser Unterkunft habe es sich nämlich um eine verhältnismäßig günstige Mietwohnung gehandelt.

Der Mann habe die Berliner Räume im Übrigen unverzüglich gekündigt, als er die Stellenzusage in Hessen erhielt. Ihm stehe für die in der Hauptstadt gelegene Zweitwohnung daher zumindest ein Werbungskosten-Abzug auch noch für den Monat Dezember 2015 zu.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsrecht · Einkommensteuer · Gewerbeordnung · Jobsuche · Werbung
 
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