Wenn es unter der Motorhaube rattert

11.1.2018 – Geringe Nebengeräusche, die ein Fahrzeugmotor in bestimmten Drehzahlbereichen erzeugt, berechtigen den Käufer des Autos nicht dazu, es an den Händler zurückzugeben. Das gilt auch für hochpreisige Fahrzeuge, bestätigte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main in einem Urteil vom 21. April 2017 (24 U 85/15).

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Kurz nachdem der Kläger bei einem Fahrzeughändler einen hochpreisigen Personenkraftwagen erworben hatte, stellte er in bestimmten Drehzahlbereichen eine ungewöhnliche, ihn störende Geräuschentwicklung des Motors fest.

Mit dem Argument, dass dies ganz offensichtlich einen konstruktiven Mangel darstelle, der die Gefahr eines Motorschadens in sich berge, verlangte er die Rückabwicklung des Kaufvertrages.

Der Fahrzeughändler war der Meinung, dass es sich lediglich um eine geringfügige Beeinträchtigung handle, die der Kläger hinzunehmen habe. Er hielt dessen Begehren daher für ungerechtfertigt und weigerte sich, der Rückabwicklung zuzustimmen.

Kein gravierender Mangel

Dieser Argumentation schlossen sich die Richter des Frankfurter Oberlandesgerichts an. Sie wiesen die Klage des sich geprellt fühlenden Autokäufers als unbegründet zurück.

Nach Ansicht des Gerichts mag es in technischer Hinsicht zwar zutreffend sein, dass infolge der Konstruktionsweise des Motors die von dem Kläger beanstandeten Geräusche auftreten. Das bedeute jedoch nicht, dass es sich dabei um einen Mangel handle, der so gravierend sei, dass er zu einer Wandlung des Kaufvertrages berechtige. Denn nach Aussage eines Sachverständigen seien die Geräusche nur „schwach“ beziehungsweise „gering“. Sie würden außerdem nur bei bestimmten Motordrehzahlen auftreten.

Im Übrigen seien die Geräusche von der Fahrweise und dem Wartungsverhalten des Klägers abhängig. Auch im Internet kursierten vielfältige Vermutungen für die Ursache derartiger Geräusche. Genannt werde unter anderem ein häufiger Kurzstreckenbetrieb. All das sind nach Meinung der Richter jedoch Faktoren, mit denen der Hersteller des Fahrzeugs nichts zu tun und auf die er keinen Einfluss hat.

Subjektive Komponente

Hinzu komme eine subjektive Komponente. Denn ein Geräusch werde nicht von jedem Menschen gleich oder als störend empfunden. Defekte des Motors oder eine Leistungs-Beeinträchtigung habe der Sachverständige zumindest nicht feststellen können. Auch ein Motorschaden sei wegen der Geräusche nicht zu erwarten. Eine vergleichbare Geräuschentwicklung würde auch bei Fahrzeugen anderer Hersteller auftreten.

„Im Ergebnis handelt es sich deshalb bei den vom Kläger beanstandeten Geräuschen um ein rein akustisches beziehungsweise Komfortproblem, das keinen erheblichen Mangel im Rechtssinne darstellt“, so das Gericht.

Die Richter des Landgerichts Darmstadt wiesen daher auch die Berufung des Klägers zurück.

 
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