Wenn ein Waldweg zur Stolperfalle wird

22.12.2017 – Verwirklicht sich eine für einen Wald typische Gefahr, so kann der Waldbesitzer in der Regel nicht für daraus resultierende Schäden verantwortlich gemacht werden. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt/ Main mit Beschluss vom 30. Oktober 2017 entschieden und damit eine Entscheidung der Vorinstanz bestätigt.

WERBUNG

Die Klägerin war im Frühjahr 2016 mit ihrem Fahrrad auf einem bei Fußgängern und Radlern sehr beliebten, unbefestigten Waldweg unterwegs, als sie wegen eines größeren Lochs ins Straucheln geriet und stürzte.

Waldtypische Gefahr

Wegen der Folgen des Sturzes verlangte sie vom Besitzer des Waldes Schmerzensgeld. Denn das Loch habe trotz umsichtiger Fahrweise eine nicht zu beherrschende Gefahr dargestellt, für deren Abhilfe der Waldbesitzer hätte sorgen müssen. Dies gelte insbesondere umso mehr, als dass der Waldweg stark frequentiert wurde.

Dieser Argumentation wollte sich jedoch weder in erster Instanz das Darmstädter Landgericht (3 O 314/16) noch das Frankfurter Oberlandesgericht anschließen. Beide Gerichte hielten die Klage für unbegründet.

Nach Ansicht der Richter hat sich bei dem Unfall der Klägerin eine waldtypische Gefahr verwirklicht, derer sich jeder, der einen Wald als Fußgänger oder Fahrradfahrer nutzt, bewusst sein muss. Als „waldtypisch“ seien Gefahren anzusehen, „die sich aus der Natur oder der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes unter Beachtung der jeweiligen Zweckbestimmung ergeben“, so das Oberlandesgericht.

Rechtskräftige Entscheidung

Es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass im bewaldeten Gelände Wege auf gewachsenem Boden durch Wurzelwerk und Auswaschungen infolge von Witterungseinflüssen erhebliche Unebenheiten, insbesondere auch Löcher, aufweisen können. Darauf hätte sich die Klägerin bei der Nutzung des Weges einstellen müssen. Dass der Weg stark frequentiert werde, spiele bei der Beurteilung der Haftungsfrage keine Rolle.

Dass das Loch nicht ausreichend erkennbar gewesen sein soll, sei im Übrigen durch die von der Klägerin vorgelegten Lichtbilder widerlegt worden. Nachdem die Klägerin ihre Berufung zurückgenommen hat, ist das Urteil der Vorinstanz rechtskräftig.

Betreten auf eigene Gefahr

Der Bundesgerichtshof hatte bereits im Oktober 2012 entschieden, dass das Betreten von Wäldern grundsätzlich auf eigene Gefahr erfolge. Zweck dieser Bestimmung sei es, dass den Waldbesitzern, die das Betreten in der Regel dulden müssen, keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungs-Pflichten erwachsen sollen.

Ein Waldbesitzer hafte daher nur für atypische Gefahren, das heißt für Gefährdungen, die nicht als naturbedingt anzusehen sind (VersicherungsJournal 4.10.2012).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schmerzensgeld
 
WERBUNG
WERBUNG
Das bringt die neue bAV

Das BRSG schafft neue Impulse für die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung. Was Sie über das Solidarpartnermodell und zum Thema steuerliche Förderung wissen müssen, wird in einem Dossier zusammengefasst.

Mehr erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Fonds sind kein Teufelszeug

Von Fonds und Fondspolicen lassen die meisten Deutschen die Finger.
Wie Sie dennoch mit dieser Produktgruppe Vertriebserfolge einfahren, zeigt ein aktuelles Praxisbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
8.1.2018 – Das Bundesarbeitsgericht hat sich mit der Frage befasst, ob Arbeitgeber für Impfschäden im Rahmen einer betrieblichen Grippeschutzimpfung in Anspruch genommen werden können. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
13.12.2017 – Ein Motorradfahrer war in einer Kurve gestürzt und gegen ein Werbeschild geprallt. Dabei zog er sich eine Querschnittslähmung zu. Anschließend verklagte er den Besitzer des Schildes wegen einer behaupteten Verletzung der Verkehrssicherungs-Pflicht auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
6.12.2017 – Die Unsitte mancher Fahrradfahrer, bei Dunkelheit ohne Licht zu radeln, kann teuer werden. Das belegt eine Entscheidung des Hamburger Oberlandesgerichts. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
4.12.2017 – Ein Mann war auf einem Wanderweg abgestürzt und dabei zu Tode gekommen. Seine Witwe hielt die für den Weg zuständige Gemeinde für den Unfall verantwortlich und zog vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
1.12.2017 – In der schier unendlichen Geschichte des Skandals um minderwertige Silikon-Brustimplantate hat es eine weitere wichtige gerichtliche Entscheidung gegeben. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
1.12.2017 – Passend zum Beginn der Skisaison hat das Kölner Landgericht ein Urteil zu den rechtlichen Folgen eines Skiunfalls veröffentlicht. (Bild: Fotolia.de/tinadefortunata) mehr ...
 
30.11.2017 – Bei einem Unfall in einem Schwimmbad hatte eine Zwölfjährige einen Dauerschaden erlitten. Die Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage der Eltern gegen das Aufsichtspersonal wegen Pflichtverletzung hatte zunächst keinen Erfolg. Der Fall landete schließlich beim Bundesgerichtshof. (Bild: ComQuat CC BY-SA 3.0) mehr ...
 
23.11.2017 – Ein Fluggast war auf dem Weg zu einem Flugzeug auf einer Fluggastbrücke auf einer nassen Stelle ausgerutscht. Wegen der Folgen des Sturzes wollte er die Fluggesellschaft in Anspruch nehmen, die sich jedoch nicht für verantwortlich hielt. Der Fall ging durch alle Instanzen. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...