Wenn ein entferntes Brustimplantat einen Riss aufweist

11.2.2019 – Ein Arzt, der auf Wunsch einer Patientin aus kosmetischen Gründen ein Brustimplantat gegen ein anderes austauschen soll, ist nicht dazu verpflichtet, sie über die Risiken eines dabei möglicherweise entstehenden Risses des zu entfernenden Implantats aufzuklären. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 6. November 2018 entschieden (8 U 76/15).

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Geklagt hatte eine Frau, der auf ihren Wunsch hin im Jahr 2000 aus kosmetischen Gründen beidseitig Silikonbrustimplantate eingesetzt worden waren.

Nach einem Verkehrsunfall im Jahr 2003 litt die Klägerin unter Schmerzen in der rechten Brust. Eine Mammografie ergab zwar keinen Nachweis für eine Ruptur. Die Klägerin bat ihren Arzt gleichwohl, die Implantate gegen größere titanbeschichtete Gewebeersatzteile auszutauschen.

Riss mit Silikonaustritt

Im Rahmen des sogenannten PIP-Skandals ließ die Frau sich im Jahr 2012 auch diese Implantate entfernen. Dabei stellte sich heraus, dass das rechte Implantat einen Riss mit Silikonaustritt aufwies.

Das nahm die Klägerin zum Anlass, ihren Arzt auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 50.000 Euro zu verklagen. Ihre Forderung begründete sie damit, vor dem Eingriff nicht ausreichend über die Risiken einer möglichen Rissbildung aufgeklärt worden zu sein. Ihr Arzt habe die neuen Implantate im Jahr 2003 vielmehr als die sichersten angepriesen.

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Fehlender Nachweis

Die Klage wurde sowohl von dem in erster Instanz mit dem Fall befassten Landgericht Frankfurt als auch vom Oberlandesgericht der Stadt am Main als unbegründet zurückgewiesen.

Nach Ansicht der Richter konnte dem Arzt keine Verletzung seiner Aufklärungspflicht im Zusammenhang mit dem Einsetzen der neuen titanbeschichteten Implantate nachgewiesen werden. Ärzte seien zwar auch bei einer Schönheitsoperation dazu verpflichtet, ihre Patientinnen über das Risiko, dass Implantate reißen können, dabei Silikon austreten und es zu lokalen Reaktionen kommen kann, „schonungslos“ aufzuklären.

In dem entschiedenen Fall habe die Klägerin aber nicht nachweisen können, dass sich bei dem Eingriff im Jahr 2003 ein aufklärungspflichtiges Risiko verwirklicht habe. Ein Sachverständiger habe den Riss des Implantats zwar bestätigt. Dass dieser bereits vor dessen Entfernung und nicht erst im Rahmen der Operation aufgetreten war, konnte jedoch auch der Gutachter nicht feststellen.

Keine größere Wahrscheinlichkeit

Ein Arzt, der auf Wunsch einer Patientin aus kosmetischen Gründen ein Brustimplantat gegen ein anderes austauschen soll, sei jedoch nicht dazu verpflichtet, sie über die Risiken eines dabei möglicherweise entstehenden Risses des zu entfernenden Implantats aufzuklären.

„Da nach den Angaben des Sachverständigen keine der beiden Hypothesen eine größere Wahrscheinlichkeit aufweist, konnte die Klägerin nicht nachweisen, dass das Implantat, wie von ihr behauptet, bereits vor dessen Entfernung gerissen war“, so das Gericht. Die Klägerin geht daher leer aus.

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