Wenn der Traumurlaub zum Alptraum wird

1.2.2019 – Geraten Reisende, die einen Pauschalurlaub gebucht haben, auf der Heimreise wegen einer Fehlentscheidung eines Schiffskapitäns in Todesängste, so kann der Reiseveranstalter zur Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie zur Rückzahlung des gesamten Reisepreises verpflichtet sein. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des Landgerichts Köln vom 15. Januar 2019 hervor (3 O 305/17).

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Der Kläger hatte für sich und seine Ehefrau bei einem Reisveranstalter eine zwölftägige Pauschalreise auf die Malediven gebucht. Dafür hatte er rund 4.500 Euro gezahlt.

Es war vereinbart worden, dass die Rückreise von der Ferieninsel, auf der das Ehepaar seinen Urlaub verbrachte, zum Flughafen mit einem Fährboot erfolgen sollte. Die Fahrt mit der Fähre ging jedoch reichlich schief.

Seenot

Das Boot kam wegen schlechten Wetters verspätet im Hafen der Insel an, so dass es unmöglich war, den Rückflug noch zu erreichen.

Doch damit nicht genug. Der Kapitän ignorierte eine Unwetterwarnung mit dem Ergebnis, dass die Fähre schon kurz nach dem Ablegen Schlagseite erlitt und in Seenot geriet. Da zu allem Überfluss die Motoren ausfielen und auch das Navigationssystem seinen Dienst versagte, trieb es manövrierunfähig auf dem Meer.

Die Passagiere wurden dazu aufgefordert, Schwimmwesten anzulegen und auf Hilfe zu warten. Die kam zwar in Form eines Bootes der Küstenwache. Deren Besatzung konnte die Situation der Fähre und ihrer Passagiere jedoch nicht verbessern. Erst einem Schiff der Marine gelang es, das Boot auf den Haken nehmen und es in einen sicheren Hafen zu schleppen.

Höhere Gewalt

Während der Zeit auf See wurden zahlreiche Passagiere seekrank. Sie standen bis zu ihrer Rettung Todesängste aus, zumal das sich nähernde Boot der Küstenwache gegen die Fähre gekracht war.

Die Ehefrau des Klägers erlitt durch den Zwischenfall eine posttraumatische Störung, die einer sowohl stationären als auch ambulanten psychiatrischen Behandlung bedurfte. Der Kläger verlangte vom Reiseveranstalter daher nicht nur, ihm ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen, sondern auch den kompletten Reisepreis zurückzuerstatten.

Der Reiseveranstalter wies die Forderung mit der Begründung zurück, dass das Ehepaar Opfer eines Falles höherer Gewalt geworden ist, für den er nicht einstehen müsse. Bei der Fähre habe es sich im Übrigen um ein hochmodernes Boot mit einer erfahrenen Crew gehandelt. Todesgefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Verschulden des Reiseveranstalters

Diese Argumentation vermochte die Richter des Kölner Landgerichts nicht zu überzeugen. Sie gaben der Klage der Eheleute statt.

Nach Überzeugung des Gerichts ist es dem Reiseveranstalter zuzurechnen, dass die Reisenden auf der Rückreise in eine nicht beherrschbare Gefahrensituation gebracht worden sind. Denn es erschließe sich nicht, warum die Reisenden auf die Fähre geschickt und nicht etwa die Rückreise verschoben oder zumindest eine qualifizierte Wettervorhersage eingeholt worden sei, bevor über den Transport per Boot entschieden worden ist.

Der beklagte Reiseveranstalter habe auch nicht erklären können, was er unternommen hat, um die Reisenden auf dem Transport zum Flughafen keinen vermeidbaren Gesundheitsgefahren auszusetzen. „Sein Verschulden liegt dabei nicht in der Auswahl des Bootsunternehmens, sondern in dem Umstand, dass trotz schon im Zeitpunkt des Ablegens erkennbar widrigster Witterungsverhältnisse der Transport nicht abgebrochen wurde“, so das Gericht.

Rückzahlung des kompletten Reisepreises

Angesichts der geschilderten Umstände gingen die Richter davon aus, dass der Erholungswert der Pauschalreise so erheblich gemindert war, dass sich das auf die gesamte Reise auswirkte. Der Reiseveranstalter wurde daher dazu verurteilt, den Klägern den kompletten Reisepreis zu erstatten.

Er muss ihnen außerdem ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt 6.000 Euro zahlen. Davon wurden dem Ehemann 500 Euro und seiner stark traumatisierten Frau die restlichen 5.500 Euro zugesprochen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Gewerbeordnung · Schmerzensgeld · Unwetter
 
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