17.11.2017 (€) – Der Gewinn der unabhängigen Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler stagniert, wie das AfW-Vermittlerbarometer 2017 zeigt. Gut zwei Drittel liegen unter der Schwelle von 50.000 Euro. Weitere Ergebnisse: Fast jeder zweite unabhängige Vermittler will in den nächsten 15 Jahren seinen Job an den Nagel hängen – und der VersicherungsJournal-Newsletter gilt als der informativste E-Mail-Newsletter.
Der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. hat im Rahmen des 14. AfW-Hauptstadtgipfels sein mittlerweile zehntes Vermittlerbarometer veröffentlicht (VersicherungsJournal 16.11.2017). An der Befragung haben 1.600 Versicherungsvermittler teilgenommen.
94 Prozent davon sind als Versicherungsmakler oder Mehrfachvertreter (§ 34d Absatz 1 GewO) registriert, 46 Prozent der Befragten besitzen eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO). 22 Prozent sind AfW-Mitglied, doch 62 Prozent gehören gar keinem politisch aktiven Berufsverband an, berichtete AfW-Vorstand Frank Rottenbacher.
VersicherungsJournal.de so informativ wie nie zuvor

- Zum Vergrößern Bild klicken
(Bild: AfW, Vermittlerbarometer 2017)
Gefragt wurden die Vermittler unter anderem danach, welche Fachmedien sie als am informativsten ansehen. An erster Stelle bei den E-Mail-Newslettern liegt der VersicherungsJournal-Newsletter. Damit bestätigen sich die Ergebnisse früherer Auflagen des Vermittlerbarometers (VersicherungsJournal 15.11.2016, 11.7.2014, 18.11.2013).
Aktuell ist der VersicherungsJournal-Newsletter aus Sicht von 28,9 Prozent der unabhängigen Vermittler (mit 34d-Erlaubnis) der informativste E-Mail-Newsletter in der Branche.
Mit großem Abstand dahinter folgt der Pfefferminzia-Newsletter mit 12,3 Prozent Nennungen. Die übrigen E-Mail-Newsletter kommen auf maximal 8,9 Prozent. Nur sechs weitere Angebote schafften es über die vom AfW aufgestellte Fünf-Prozent-Hürde.
Unter den Finanzanlagen-Vermittlern wird der VersicherungsJournal-Newsletter ebenfalls von einer deutlichen Mehrheit von 23,8 Prozent als am informativsten angesehen. Dahinter folgen die Newsletter von Fondsprossionell (12,4 Prozent) sowie von Pfefferminzia (10,9 Prozent).
Knapp die Hälfte will in den nächsten 15 Jahren aufhören
Erhoben wurde im Rahmen des Vermittlerbarometers auch, wie lange die Befragten noch in ihrem Job als Vermittler arbeiten wollen. Ergebnis: Knapp die Hälfte der Versicherungsmakler und Mehrfachvertreter wie auch der Finanzanlagenvermittler will seine Tätigkeit innerhalb der nächsten 15 Jahre einstellen.

- Zum Vergrößern Bild klicken
(Bild: AfW, Vermittlerbarometer 2017)
Bei fast jedem dritten 34d-Inhaber beträgt die geplante Verbleibdauer noch maximal zehn Jahre – Tendenz zum Ausstieg leicht steigend. Knapp jeder 25. will innerhalb der nächsten drei Jahre seinen Job an den Nagel hängen. Ähnlich sieht es bei den 34f-Inhabern aus.
Dies ist ein Beleg dafür, dass das vielzitierte Vermittlersterben zwar derzeit noch nicht akut ist, sondern erst in einigen Jahren voll durchschlagen wird. Das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 51,7 Jahre. Beunruhigend fand Rottenbacher, dass nur 24 Prozent der Befragten unter 45 Jahre alt ist und neun Prozent schon das Rentenalter erreicht haben.
Alarmieren müsse die Tatsache, dass 56 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten gar nicht versucht hätten, Nachwuchs in ihrer Firma anzubinden und weitere 16 Prozent dazu keine Angaben machen konnten. Dennoch würden 56 Prozent der Befragten den Beruf des Versicherungsmaklers noch einmal ergreifen. Ihre geschäftliche Zukunft in den nächsten ein bis drei Jahren schätzen zwei Drittel der 34d-Vermittler „sehr positiv“ oder „positiv“ ein, bei den 34f-Vermittlern seien es sogar 71 Prozent.
Große Toleranz bei Vergütungsmodellen

- Zum Vergrößern Bild klicken
(Bild: AfW, Vermittlerbarometer 2017)
Der Idee, Abschlussprovisionen zu senken und dafür die Bestandsprovisionen zu erhöhen, stehen 40 Prozent der 34d-Vermittler „sehr positiv“ oder „positiv“ gegenüber. Honorarberatung bei Versicherungen wollten 18 Prozent der Befragten ausbauen, während dies von knapp der Hälfte rigoros abgelehnt wird. 17 Prozent würden die Honorarberatung auf dem heutigen Niveau belassen, wobei nicht nach dem aktuellen Niveau gefragt wurde.
Was die Offenlegung der Vergütungen in der Versicherungs-Vermittlung betrifft, so lehnen dies inzwischen knapp 60 Prozent der Befragten ab – so viele wie nie zuvor. Nur etwas über 20 Prozent wären dafür – so wenige wie nie zuvor.
Die Berufszulassung der unabhängigen Vermittler ist in den letzten Jahren differenzierter geworden, ergab das Barometer 2017. So können sich 35 Prozent der Versicherungsmakler vorstellen, Tippgeber zu sein für Investmentlösungen, für deren Vermittlung sie noch keine Zulassung haben. 18 Prozent sind bereits Tippgeber, weitere 17 Prozent überlegen noch, während ein Viertel dies für sich ausschließt.
Die Analyse der Zulassungen verrät: 48 Prozent der Befragten mit 34d-Erlaubnis besitzen auch die 34f-Zulassung. Zudem verfügten von den Versicherungsmaklern auch 35 Prozent über eine 34i-Zulassung zur Wohnimmobilien-Finanzierung.
Der Gewinn der Vermittler stagniert
Weiteres Ergebnis: An der eher durchwachsenen Einkommenssituation der Vermittler hat sich nichts Wesentliches geändert. Unverändert liegen der Großteil der Befragten (68 Prozent) nach Selbstauskunft in der Einkommensklasse bis zu 50.000 Euro Gewinn beziehungsweise Überschuss.
Bei knapp 40 Prozent sind es sogar nur bis zu 25.000 Euro. 42 Prozent erzielen zwischen bis zu 50.000 und bis zu 100.000 Euro Gewinn beziehungsweise Überschuss. In diesem Bereich gingen die Einkommen gegenüber dem Vorjahr leicht zurück.
Im Bereich von bis zu 50.000 Euro Gewinn ist dies bereits das dritte Jahr in Folge der Fall. Gewinne bis 100.00 Euro und mehr sind jedoch die Ausnahme. Nur etwa jeder zehnte Vermittler gab dies an – wie bereits im Vorjahr.
Daten für die Lobbyarbeit der Unabhängigen
Die Umfrage 2017 umfasst weitere Themen wie die Vermittleraufsicht, Honorarberatung, Analyse der Zulassungen, Weiterbildung, Poolanbindung, Fintechs sowie Erhöhung der Transparenz von Abschlusskosten.
Damit könnten der Politik belastbare Zahlen vorgelegt werden. Rottenbacher erinnerte an den Erfolg des Barometers 2016 und die Nutzung der Ergebnisse in der Lobbyarbeit.
„Provisionsgebot und Doppelberatungspflicht bei der IDD-Umsetzung wurde auch dadurch verhindert, dass der AfW den Politikern Vermittlerbarometer-Daten zur Verbreitung alternativer Vergütungsmodelle vorlegen konnte“ (VersicherungsJournal 31.5.2017, 5.4.2017).




