Welche Krankenvollversicherer 2020 das meiste Neugeschäft schrieben

11.10.2021 – Fast ein Drittel des gesamten Bruttoneuzugangs in der Krankenvollversicherung entfällt auf die Debeka. Zusammen mit der Hansemerkur und der Signal Iduna geht fast die Hälfte des Neugeschäfts auf das Konto von nur drei Anbietern. Dies zeigt die Analyse „Die PKV im Jahre 2020“ in Heft 19/2021 der Zeitschrift für Versicherungswesen.

Der Bestand an Krankenvollversicherten ist im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent zurückgegangen. Dabei ging es von 8.732.400 auf – nach vorläufigen Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) – 8.724.000 hinab. Nach absoluten Zahlen lag das Minus in einer Größenordnung von etwa 8.000 Personen.

Insgesamt hat sich die Vollversichertenzahl damit zum neunten Mal in Folge reduziert. Allerdings fiel die Verminderung so klein aus wie selten zuvor in dieser Zeit. 2018 war das Minus in etwa doppelt so groß, 2013 sogar sechs Mal so groß.

Bestandsentwicklung (Bild: Wichert)

Bruttoneuzugang versus Versicherungspflichtgrenze

Innerhalb dieses Zeitraums hat sich der Bruttoneuzugang um mehr als die Hälfte auf zuletzt – nach vorläufigen Zahlen – etwa 288.600 Personen vermindert. Dieser Wert wird in der Analyse „Die PKV im Jahre 2020“ in Heft 19/20201 der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV) unter Verweis auf vorläufige Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) genannt.

Zum Bruttoneuzugang gehören nach Verbandsangaben alle Personen, die eine Krankenvollversicherung neu abgeschlossen haben. Nicht berücksichtigt werden demzufolge jedoch die Abgänge durch Kündigung des Versicherungsschutzes oder Tod.

Die Entwicklung beim Bruttoneuzugang war zuletzt leicht negativ, nachdem es zuvor vier Mal in Folge hinauf gegangen war. Die Reduzierung im gesamten Beobachtungszeitraum ist insbesondere der jährlich gestiegenen Versicherungspflicht-Grenze geschuldet.

Bruttoneuzugang (Bild: Wichert)

Diese erhöhte sich seit 2011 um fast 15.000 Euro beziehungsweise fast ein Drittel auf 64.350 Euro. Für das kommende Jahr steigt sie ausnahmsweise nicht weiter an (9.9.2021).

Das Neugeschäft ist keine Pflichtangabe

Wie sich das Bruttoneugeschäft auf Ebene der einzelnen Anbieter betrachtet entwickelt hat, ist nirgendwo offiziell nachzulesen. Denn dies müssen die privaten Krankenversicherer in ihren Geschäftsberichten nicht ausweisen. Und die große Mehrheit der Marktteilnehmer tut dies auch nicht.

Hier hilft ein Blick in die jährliche PKV-Analyse der ZfV weiter. Für das Geschäftsjahr 2020 haben immerhin 29 Unternehmen Zahlen gemeldet. Keine Daten lieferten die

Irritierende Geheimniskrämerei

„Jedes Jahr aufs Neue irritiert die Geheimniskrämerei, die manche Gesellschaften um ihr Neugeschäft machen. Es gibt wohl kaum einen Wirtschaftszweig hierzulande, bei dem sich einige Unternehmen so schwer damit tun zu zeigen, was sie im letzten Jahr verkauft haben“, merkt ZfV-Chefredakteur Dr. Marc Surminski in der Analyse an.

Die Entwicklung des Neuzugangs beschreibt Surminski wie folgt: „Wie in den Vorjahren (4.11.2020, 27.11.2019) hat sich der Trend zu einer Polarisierung im Neugeschäft weiter verstärkt. Der Markt ist schon lange zweigeteilt: Eine Handvoll Versicherer dominiert das Neugeschäft; der Rest läuft mehr oder weniger mit.“

Die Akteure mit der größten Vertriebsleistung

An erster Stelle liegt mit über 84.000 neu akquirierten Vollversicherten der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. Dahinter folgen die Hansemerkur Krankenversicherung AG und die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. mit knapp 28.000 beziehungsweise fast 25.000 Neueintritten in die Vollversicherung.

Rangliste I (Bild: Wichert)

Einen Bruttoneuzugang im niedrigen fünfstelligen Bereich verzeichneten die Continentale Krankenversicherung a.G., die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG, die Allianz Private Krankenversicherungs-AG und die Barmenia Krankenversicherung AG. Knapp unter dieser Marke blieb die DKV Deutsche Krankenversicherung AG.

Rangliste II (Bild: Wichert)

Allein auf die Debeka entfällt somit fast ein Drittel des gesamten Neuzugangs. Rechnet man noch die beiden ärgsten Verfolger Hansemerkur und Signal Iduna hinzu, so liegt der Anteil mit über 47 Prozent sogar bei fast der Hälfte. Und das auf gerade einmal drei Gesellschaften verteilt.

Diese Anbieter bauten den Neuzugang aus

Knapp die Hälfte der aufgelisteten Anbieter erzielte nach Kopfzahl einen höheren Neuzugang als im Vorjahr (4.11.2020). Am stärksten zugelegt hat die Hansemerkur (plus 2.860 Individuen). Zwischen 500 und 400 mehr Neueintritte verbuchten die erst vor etwa vier Jahren gegründete Ottonova Krankenversicherung AG (23.6.2017), die Concordia Krankenversicherungs-AG, die LVM Krankenversicherungs-AG und die Allianz.

Prozentual gesehen wuchs wenig überraschend die mit 1.854 Vollversicherten sehr kleine Ottonova am stärksten (plus vier Fünftel auf 1.210 Neueintritte in 2020). Um rund ein Viertel baute die mit knapp 15.500 Vollversicherten ebenfalls kleine Concordia ihr Neugeschäft aus (zuletzt 2.320 Neuakquisitionen).

Zweistellige Zuwachsraten hatten ferner der LVM, die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG, die Württembergische Krankenversicherung AG, die Hansemerkur und die R+V Krankenversicherung AG zu verzeichnen.

Rund jeder zweite Akteur im Rückwärtsgang

Auf der anderen Seite blieb der Neuzugang bei der mit nur noch knapp über 70.000 Vollversicherten mittelgroßen Münchener Verein Krankenversicherung a.G. (plus 553 Individuen) mit fast einem Fünftel besonders stark hinter dem Vorjahreswert zurück. Um über ein Sechstel schwächer als im Jahr zuvor fiel das Neugeschäft bei der Inter Krankenversicherung AG aus, die 3.536 Personen neu akquirierte.

Auch einige der vorgenannten wachstumsstarken Akteure konnten das Niveau der Neueintritte des Vorjahres nicht halten. Hierzu gehören neben dem Branchenprimus Debeka (9.8.2021, aktuell etwa sechs Prozent weniger Neuakquisitionen) auch die Signal Iduna (minus elf Prozent) und die Continentale (minus 13 Prozent).

Veränderungsquoten (Bild: Wichert)

Für Surminski ist es nichtsdestotrotz „bemerkenswert“, dass sich einige Akteure „in diesem hart umkämpften, tendenziell schrumpfenden Markt seit Jahren so behaupten können – das zeugt von Produktqualität, aber auch von Vertriebsstärke.“ Welche verschiedenen Erfolgsfaktoren er dafür ausgemacht hat, hat die Redaktion in einem weiteren Artikel zusammengefasst (11.10.2021).

 
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