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Warum Mitarbeiter nicht in die bAV investieren

28.11.2018 – Männliche Beschäftigte, die in Großunternehmen aus der Chemiebranche arbeiten und gut verdienen, kennen sich gut mit ihren bAV-Ansprüchen aus und würden auch mehr einzahlen. Bei Frauen und Geringverdienern besteht dagegen noch Nachholbedarf, was die Überzeugungsarbeit von Chefs und Anbietern betrifft. Das sind die Ergebnisse einer Aon-Studie zur Akzeptanz der Betriebsrenten in deutschen Firmen.

Arbeitnehmer sind durchaus bereit, in die betriebliche Altersversorgung (bAV) zu investieren. Sie sehen aber auch Hindernisse wie ein zu geringes Einkommen oder bürokratische Hürden. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Aon Hewitt GmbH in Zusammenarbeit mit dem Statistikportal Statista GmbH.

Für die bAV-Studie befragte das Unternehmen vom 2. Juli bis 15. August 2018 online 1.008 Arbeitnehmer von Großunternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten nach ihrer Einstellung zu verschiedenen Aspekten der Betriebsrente. Die Auswahl der Teilnehmer wurde so gesteuert, dass die Befragung für die Zielgruppe repräsentativ ist (Alter, Geschlecht und Region), so Aon.

Mitarbeiter sind gut über bAV informiert

Als weiteres wichtiges Ergebnis heben die Autoren der Studie hervor, dass Mitarbeiter von Großunternehmen gut über die betriebliche Altersversorgung informiert seien. Rund 80 Prozent der Befragten wissen, dass es in ihrem Unternehmen eine Betriebsrente gibt, wenn auch die Höhe nicht immer bekannt ist.

Das stehe „in krassem Gegensatz zur Ahnungslosigkeit, die bei Mitarbeitern von Klein- und Mittelbetrieben herrscht“, unterstreicht Aon. „Rund die Hälfte der Arbeitnehmer wusste hier bei unserer Studie im Jahr 2017 noch nicht einmal von ihrem Anspruch auf betriebliche Altersversorgung“, schreibt das Unternehmen in seinen Studienunterlagen (VersicherungsJournal 14.8.2017).

Für Mitarbeiter in deutschen Großunternehmen sind Betriebsrenten heute schon ein wesentlicher Bestandteil ihrer Alterssicherung. Gleich nach der gesetzlichen Rente liegen sie auf Rang zwei der wesentlichen Einnahmequellen für den Ruhestand.

Große Unterschiede bei Männern und Frauen

Zwei Drittel der Befragten fühlen sich „sehr gut bis befriedigend“ auf die Rente vorbereitet, Männer und gutverdienende Kollegen besser als Frauen. Nur ein Viertel (27 Prozent) der männlichen Arbeitnehmer hat zur Ruhestandsplanung eine negative Einschätzung.

Bei den Frauen sind es dagegen deutlich mehr. Fast die Hälfte (45 Prozent) bewertete die finanzielle Vorbereitung als „nicht befriedigend bis ungenügend“.

Eine Schlüsselrolle für den gesicherten Ruhestand spielt das Bruttoeinkommen, wie die Aon-Studie zeigt. Arbeitnehmer fühlen sich umso besser finanziell auf ihren Ruhestand vorbereitet, je mehr sie verdienen und je mehr sie arbeiten.

Auch in den Branchen, in denen die Beschäftigten arbeiten, ist die Wahrnehmung unterschiedlich. In Handel und Logistik fühlen sich Arbeitnehmer am schlechtesten finanziell auf den Ruhestand vorbereitet. Anders sieht es dagegen bei Banken und Versicherern aus. Hier fühlen sich Mitarbeiter für den Ruhestand besonders gut finanziell aufgestellt.

bAV ist zweitwichtigstes Standbein für die Rente

Gleich nach der gesetzlichen Rente sehen Arbeitnehmer in der Betriebsrente die zweitwichtigste Säule ihrer Altersversorgung. Die bAV liegt deutlich vor allen anderen Formen der Alterssicherung. Diese Sichtweise gilt insbesondere für Männer (69 Prozent).

Die langjährige Debatte über das staatliche Rentensystem hat jedoch auch Spuren hinterlassen. Knapp die Hälfte der Arbeitnehmer (45 Prozent) hält die gesetzliche Rente für unsicher. Die bAV (19 Prozent) und private Vorsorge (21 Prozent) erachtet dagegen nur ein Fünftel der Arbeitnehmer als unsicher.

Die wichtigsten Einkommensquellen im Alter werden in den jeweiligen Branchen sehr unterschiedlich bewertet. Während Arbeitnehmer aus Chemie und Pharma die Betriebsrente mit 97 Prozent als wesentliche Einkommensquelle noch vor der gesetzlichen Rente ansehen, ist es in Handel und Logistik noch nicht einmal die Hälfte der Arbeitnehmer, wie die Aon-Studie zeigt.

Hier müssen Unternehmen und Anbieter intensiv daran arbeiten, die Angebote den Arbeitnehmern verständlich und einfach nahezubringen.

Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski zum bAV-Informationsbedarf der Beschäftigten.

Geringverdiener setzen auf gesetzliche Rente

Luft nach oben gibt es bei Geringverdienern und Teilzeitbeschäftigten. Nur knapp die Hälfte dieser Gruppen baut derzeit auf die betriebliche Rente als wesentliche Einkommensquelle im Alter. Hier wird klar die gesetzliche Rente bevorzugt.

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz habe zwar Anreize für Geringverdiener geschaffen, aber das System gleichzeitig auch komplizierter gemacht, so die Autoren der Studie. „Hier müssen Unternehmen und Anbieter intensiv daran arbeiten, die Angebote den Arbeitnehmern verständlich und einfach nahezubringen”, kommentiert Aon-Geschäftsführer Fred Marchlewski das Ergebnis der Studie.

bAV-Kenntnisse nach Branchen (Bild: Aon)
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Kenntnisse in den Wirtschaftszweigen sind unterschiedlich

Nach Auswertung der Umfrage kennen die meisten Arbeitnehmer (79 Prozent) ihre bAV-Ansprüche. Aber nur knapp die Hälfte weiß über die Einzelheiten Bescheid. Je älter der Arbeitnehmer und je höher sein Einkommen, desto besser sind die Kenntnisse zur bAV. Bei den Teilzeitkräften kennt nur ein Drittel die Höhe seiner Ansprüche. Ein weiteres Drittel weiß nichts über den eigenen Anspruch auf die betriebliche Rente.

Auch hier zeigen sich wieder Unterschiede der Beschäftigten in verschiedenen Branchen. Arbeitnehmer in Chemie, Energie und Versorgung wissen am besten Bescheid. 100 Prozent der Arbeitnehmer dieses Wirtschaftszweiges kennen ihre Ansprüche aus der bAV.

Hier haben Handel und Logistik Nachholbedarf. Ein Drittel der Arbeitnehmer ist der Anspruch aus der betrieblichen Versorgung unbekannt.

Gutverdienende Männer in Großunternehmen finden bAV top

Mitarbeiter von Großunternehmen in Deutschland zeigen sich über alle Altersklassen zufrieden mit den Angeboten ihrer Arbeitgeber (63 Prozent). Ein Drittel bewertet das Betriebsrentenangebot sogar „überdurchschnittlich gut“, unterstreichen die Autoren der Aon-Studie.

Ein Drittel der Männer gibt an, vom Arbeitgeber ein sehr gutes Betriebsrenten-Angebot zu erhalten. Bei den Frauen ist es dagegen nur knapp ein Viertel.

Die Zufriedenheit steigt mit Unternehmensgröße und dem Einkommen. Je höher das Bruttoeinkommen ist, desto wettbewerbsfähiger wird das Betriebsrentenangebot des Arbeitgebers bewertet.

Geringverdienende Frauen investieren nicht in Betriebsrente

Bisher leisten 65 Prozent der Männer Eigenbeiträge zur bAV, bei Frauen sind es nur 46 Prozent. Als wichtigsten Grund, nicht zu investieren, nennen die Befragten: „Mein Einkommen reicht nicht aus.“

Besonders häufig wird diese Aussage von Geringverdienern, Teilzeitbeschäftigten sowie Mitarbeitern aus Handel und Logistik genannt. Mit 26,9 Prozent trifft dieser Grund doppelt so häufig auf Frauen wie auf Männer (13,6 Prozent) zu.

Gleich dahinter folgt ein Faktor, der nichts mit der Höhe des Einkommens zu tun hat. 16,3 Prozent der Frauen und 11,5 Prozent der Männer geben an, dass die betriebliche Altersversorgung zu kompliziert sei. Obwohl sie prinzipiell bereit wären, eigene Beiträge zur Betriebsrente zu leisten.

Bereitschaft zur Eigenbeteiligung (Bild: Aon)

Eigenleistung ja, wenn Mitarbeiter Steuern sparen

Die Studie zeigt aber auch, dass Arbeitnehmer generell bereit sind, sich finanziell stärker an der eigenen Alterssicherung über den Arbeitgeber zu beteiligen. Als Motivation nannten die Befragten folgende Gründe:

  • wenn sie über die eigene Beteiligung an der bAV Steuern sparen (59 Prozent),
  • wenn sie so Arbeitgeberzuschüsse nutzen können (51 Prozent),
  • wenn sie die eigene finanzielle Sicherheit im Alter verbessern können (45 Prozent),
  • wenn sie eine drohende Versorgungslücke schließen können (24 Prozent).

Die Auswertung der Branchen zeigt, dass die Eigenbeteiligung in Handel und Logistik sehr niedrig ist. Nur vier von zehn Mitarbeitern beteiligen sich hier an der betrieblichen Altersversorgung. Bei Chemie und Pharma sind es neun von zehn Mitarbeitern.

Beschäftigte sind bereit, Beiträge zu erhöhen

Insgesamt sind Arbeitnehmer im hohen Maße bereit, ihre bAV-Beiträge zu erhöhen: „Je jünger die Arbeitnehmer, desto größer ist das Interesse, zusätzliche Beiträge zu leisten. Diese Bereitschaft sinkt mit zunehmendem Alter“, fassen die Autoren der Aon-Studie ihre Auswertung zusammen.

Branchenübergreifend scheint der steuerliche Anreiz immer noch das stärkste Motivationsmittel zur Vorsorge zu sein, gefolgt von den Zuschüssen des Arbeitgebers. Wobei in der Chemiebranche die höchsten Erwartungen an den Arbeitgeberzuschuss mit 60 Prozent gestellt werden.

Leserbriefe zum Artikel:

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersversorgung · Betriebliche Altersversorgung · BRSG · Marktforschung · Mitarbeiter · Motivation · Rente · Steuern · Zielgruppe
 
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