WERBUNG

Von den Sorgfaltspflichten eines Busfahrers

6.9.2019 – Ein Fahrgast eines Linienbusses, der sich beim Fahrer ein Ticket kauft und sich anschließend nicht unverzüglich sicheren Halt verschafft, ist für die Folgen eines Sturzes während des Anfahrvorgangs in der Regel allein verantwortlich. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom 2. Mai 2019 hervor (14 U 183/18).

WERBUNG

Der Kläger war zusammen mit seiner Ehefrau in einen Linienbus eingestiegen. Während er für sich und seine Gattin beim Busfahrer ein Ticket kaufte, suchte die sich schon mal einen Sitzplatz.

Als der Fahrer kurz nach dem Kauf der Fahrkarten etwas abrupt startete, geriet der Fahrgast aus dem Gleichgewicht. Bei dem dadurch verursachten Sturz wurde er verletzt.

Erfolglose Klage

Der Verletzte verklagte daraufhin die Busgesellschaft, ihm Schadenersatz und ein Schmerzensgeld zu zahlen. Als Argument brachte er hervor, dass der Mann am Steuer seine Fahrt erst dann habe fortsetzen dürfen, nachdem er, der Kläger, sich einen sicheren Halt verschafft hatte.

Ohne Erfolg: Wie zuvor bereits das Landgericht Stade, hielt auch das Celler Oberlandesgericht die Klage für unbegründet.

Fahrplan muss eingehalten werden

Die Richter kamen nach der Beweisaufnahme zum Schluss, dass es der Kläger nach dem Erwerb der Fahrkarten versäumt hatte, sich auf den ersten freien Sitzplatz des „ziemlich leeren“ Busses zu setzen. Dazu hätte er nach der Aussage von Zeugen ausreichend Zeit gehabt. Stattdessen habe der Mann nach einem Platz in der Nähe seiner Frau Ausschau gehalten, mit der Folge, dass er während des Anfahrvorgangs stürzte.

Nach Ansicht beider Instanzen ist der Fahrer eines Linienbusses, nachdem die Fahrgäste ihre Tickets gezahlt haben, dazu berechtigt, ohne weiteres Zuwarten seine Fahrt fortzusetzen. Denn es sei bekannt, dass die Fahrer unter Zeitdruck stünden, weil sie ihren Fahrplan einhalten müssten.

Sache des Fahrgastes

Wer sich, wie der Kläger, in so einer Situation Zeit lasse, in Ruhe einen Sitzplatz auszusuchen, müsse daher selbst dafür sorgen, dass er durch die typischen Gefahren des Anfahrens nicht zu Fall komme. Denn wenn nicht erkennbar sei, dass ein zugestiegener Fahrgast behindert ist, müsse ein Fahrer den Zugestiegenen keine weitere Aufmerksamkeit widmen.

Nach Ansicht der Richter spricht in dem entschiedenen Fall der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass der Sturz des sportlich wirkenden Klägers überwiegend auf seine mangelnde Vorsicht zurückzuführen war. Daher entfalle bei der Klärung der Haftungsfrage auch die Betriebsgefahr des Busses gänzlich.

Es würde Busfahrer nämlich überfordern, wenn sie sich vor jedem Anfahren vergewissern müssten, ob neu eingestiegene Fahrgäste einen sicheren Halt gefunden haben.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
WERBUNG
WERBUNG
Treffen Sie das VersicherungsJournal ...

... auf der Hauptstadtmesse am 17. September (Stand 69). Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch und zahlreiche interessante Gespräche.

Nehmen Sie vor Ort außerdem an unserem Quiz teil und gewinnen mit etwas Glück ein Buch aus dem Verlagsprogramm!

WERBUNG
Chatten Sie schon oder fahren Sie noch?
Bild: Pixabay, CC0

Wie kommen Sie zum Kunden? Und was kostet Sie dieser Kundenkontakt?

Das VersicherungsJournal-Extrablatt (21. Oktober) berichtet rund um die Mobilität. Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen als Vermittler teilhaben. Wie? Mit einer kurzen und anonymen Leser-Umfrage, die sie über diesen Link erreichen.

WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Welcher Vertriebstyp sind Sie?

Das Spektrum der Persönlichkeitstypen reicht vom Krieger bis zum Verführer.

Was passiert, wenn sie im Kundengespräch aufeinandertreffen?

Weitere Informationen finden Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
3.9.2019 – Nach einer Kollision mit dem Sportler wurde der Spaziergänger mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Der Passant habe ihm im Weg gestanden, meinte der Drachenlenker in der sich anschließenden Gerichtsverhandlung. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
26.8.2019 – Eine Frau war auf der überfrorenen Parkfläche eines Geschäfts ausgerutscht. Daraufhin verklagte sie den Inhaber auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Ob dieser wirklich seine Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt hatte, wurde vor dem Bundesgerichtshof entschieden. mehr ...
 
13.8.2019 – Ein Pedelec-Fahrer wollte von einem Mehrzweckstreifen einer Landstraße aus nach links abbiegen. Dabei kam es zu einer Kollision mit einem sich von hinten nähernden Pkw. Vor Gericht berief sich der Radler unter anderem auf sein hohes Alter. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
30.7.2019 – Ein Mädchen hatte sich während einer Jugendfreizeit mit einem Klappmesser am Auge verletzt. Es trug einen Dauerschaden davon. Vor Gericht ging es um die Klärung der Schuldfrage. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
24.7.2019 – Einer Fahrradfahrerin war ein über einen Radweg gespanntes Balancierband zum Verhängnis geworden. Bei dem Unfall zog sie sich erhebliche Verletzungen zu. Vor Gericht ging es anschließend um die Klärung der Haftungsfrage. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
12.7.2019 – Bei dem Versuch, einen eine Einfahrt hinabrollenden Kleinwagen aufzuhalten, wurde ein Mann schwer verletzt. Ob für die Folgen der Autoversicherer eintreten muss, konnte erst vor Gericht geklärt werden. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
WERBUNG