Von den Folgen einer zu spät erkannten Krebserkrankung

15.4.2019 – Ein Arzt, der trotz Hinweisen auf eine mögliche Darmkrebserkrankung keine Darmspiegelung veranlasst, handelt grob fehlerhaft. Er muss den Angehörigen des Patienten daher ein Schmerzensgeld zahlen, wenn dieser an der Erkrankung verstirbt. Das hat das Oberlandesgericht Braunschweig mit einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil vom 28. Februar 2019 entschieden (9 U 129/15).

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Dem Urteil lag der Fall einer Frau zugrunde, die von dem beklagten Arzt wegen zum Teil heftiger Blutungen aus dem Anus behandelt worden war. Dieser ging von einer Analfissur sowie von einem Hämorrhoidenleiden aus und behandelte seine Patientin entsprechend. Eine Darmspiegelung ließ er nicht durchführen.

Das sollte sich als Fehler erweisen. Denn als die Frau sich neun Monate später wegen eines anderen Leidens in einem Krankenhaus behandelt ließ, wurde ein Darmkrebs entdeckt. Durch diesen hatten sich bereits Metastasen in ihrer Leber entwickelt. Dass hatte zur Folge, dass sie an der Krebserkrankung verstarb.

Schmerzensgeld in Höhe von 70.000 Euro

Die Erben der Verstorbenen warfen dem Arzt vor, nicht adäquat auf die Darmblutungen reagiert zu haben. Denn hätte er eine Darmspiegelung veranlasst, so hätte die Krebserkrankung rechtzeitig entdeckt und aller Voraussicht nach erfolgreich behandelt werden können. Sie verklagten den Internisten daher auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes.

Mit Erfolg: Das Braunschweiger Oberlandesgericht sprach den Erben ein Schmerzensgeld in Höhe von 70.000 Euro sowie einen Anspruch auf Schadenersatz zu.

Grober Behandlungsfehler

Die Richter zeigten sich davon überzeugt, dass der Arzt einen groben Behandlungsfehler begangen hatte, als er beschloss, seine Patientin keiner Darmspiegelung zu unterziehen. Er habe damit in gravierender Weise gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen, daher greife eine Beweislastumkehr zugunsten seiner Patientin.

Es sei daher Sache des Arztes gewesen zu beweisen, dass die um neun Monate verspätete Diagnose nicht zu dem weiteren Krankheitsverlauf sowie letztlich zum Tod seiner Patientin geführt hat. Diesen Beweis habe er nicht erbringen können.

Kein Mitverschulden

Der Verstorbenen könne auch kein Mitverschulden angelastet werden, weil sie trotz weiterer Blutungen nicht erneut zum Arzt gegangen war. Es sei nämlich zu berücksichtigen, dass sie wegen der Blutungen von dem Beklagten abschließend behandelt worden ist.

Von ihrem Arzt habe sie keine Diagnose erhalten, die auf eine Darmkrebserkrankung hätte schließen lassen. Darauf habe sie vertrauen dürfen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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