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Versichererverband sieht Corona als Chance

10.7.2020 – Die deutschen Versicherer sind bisher vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen, meint GDV-Chefvolkswirt Dr. Klaus Wiener. In der Verbandszeitschrift beschreibt er neue Geschäftsfelder. (Bild: Brüss)

„Die Corona-Krise bietet auch Chancen“, schreibt Dr. Klaus Wiener, Mitglied der Geschäftsführung und Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in der Verbands-Publikation „Makro und Märkte kompakt“. Die Assekuranz könne sich neue Wachstumspotenziale erschließen.

Absichern mit Staatshaftung

Klaus Wiener (Archivbild: Brüss)
Klaus Wiener (Archivbild: Brüss)

In seinem Bericht zeigt Wiener, dass sich kurzfristig Geschäftsaussichten und Ertragschancen der Versicherer durch die von der Pandemie ausgelöste Wirtschaft „deutlich verschlechtern“. Für die mittlere und langfristige Perspektive ist er aber optimistisch.

Nach Schätzung des GDV könnten die Beitragseinnahmen im Krisenjahr 2020 um rund zwei Prozent zurückgehen. 2021 sei jedoch mit einer leichten Erholung im Versicherungsgeschäft zu rechnen.

Angesichts der gewaltigen Kreditaufnahmen der Staaten zur Bekämpfung der Pandemiefolgen böte es sich „zur Entlastung (...) an, der privaten Versicherungswirtschaft in Zukunft eine größere Rolle für die Absicherung der privaten Haushalte zu übertragen.

Da Pandemien wegen des fehlenden Risikoausgleichs im Kollektiv nicht privat versicherbar sind, schlägt Wiener vor, dass ein Partnerschaftsmodell zwischen Staat, privater Versicherungswirtschaft und Kapitalmarkt geprüft werden solle. Der Staat könne in einem solchen Modell als „Insurer of last resort“ fungieren und damit Pandemierisiken zu einem gewissen Teil versicherbar machen.

Pandemie Blaupause für andere Risiken

Der Risikoprävention und Risikominderung im Bereich Pandemie müsse künftig eine deutlich stärkere Rolle zukommen. Hier könnten Partnerschaften und Initiativen bei anderen globalen Risiken wie etwa dem Klimawandel Vorbild sein.

Großes Potenzial sieht er zudem bei Partnerschaften zwischen Staat und Privatwirtschaft zur Finanzierung der Investitions-Anforderungen des Klimawandels und der digitalen Transformation. Mit ihrer Langfristorientierung seien Versicherer hierbei der ideale Partner, wirbt Wiener.

Er erinnert daran, dass die EU-Kommission den Investitionsbedarf hier für die kommenden zehn Jahre auf eine Billion Euro veranschlagt hat. Die deutschen Versicherer investierten bereits in Infrastruktur und erneuerbare Energien und könnten die Allokation in diese Assetklassen bei geeigneten Rahmenbedingungen ausbauen.

Technikaversion sinkt

Mittelfristig werde die Krise den Strukturwandel in der Wirtschaft beschleunigen und voraussichtlich auch dauerhafte Konsum- und Verhaltensänderungen nach sich ziehen. Womit Versicherer „in einer Situation hoher Unsicherheit“ ihre Strategien, Produkte und Kapitalanlagen entsprechend anpassen müssten.

Nachhaltig positive Effekte erwartet er von der Beschleunigung der digitalen Transformation. Der verstärkte Umgang mit Geschäften über das Internet habe die digitalen Kompetenzen gestärkt und dürfte Ängste beziehungsweise Vorurteile gegenüber dem Netz genommen.

Dies biete im Versicherungsbereich große Chancen – von einer erhöhten Versicherbarkeit durch bessere Möglichkeiten der Risikobewertung über maßgeschneiderte Produkte und mehr Service für die Kunden bis hin zu mehr Unterstützung bei der Schadenprävention.

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Coronavirus · Darlehen · Strategie · Technik
 
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