Verdi: sechs Prozent mehr Gehalt für den Innendienst

20.9.2019 – Verdi und der AGV nahmen neue Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Innendienst der privaten Versicherungswirtschaft auf. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Gehalt für die nächsten zwölf Monate. Der Arbeitgeberverband lehnte das mit Verweis auf die aktuelle Branchensituation ab, legte aber kein Angebot vor. Die nächste Runde der Gespräche findet am 30. Oktober statt.

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Am Donnerstag trafen sich die Tarifparteien in Wuppertal. Am Verhandlungstisch saßen Vertreter des Arbeitgeberverband der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland e.V. (AGV), der Vereinten Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi), der DHV – Die Berufsgewerkschaft e.V. und des Deutscher Bankangestellten-Verband e.V. (DBV) – Gewerkschaft der Finanzdienstleister.

Die Gespräche betreffen rund 170.000 Beschäftigten im Innendienst der privaten Versicherungswirtschaft. Davon sind rund zehn Prozent nach Aussage von Verdi-Verhandlungsführerin Martina Grundler gewerkschaftlich organisiert.

Die Geschäftsergebnisse der Gesellschaften müssen sich für die Beschäftigten auch mal auszahlen.

Martina Grundler, Verdi

Wahlweise Freizeit statt Lohnerhöhung gefordert

Die Ansagen der Gewerkschaft lagen bereits auf dem Verhandlungstisch: Sie fordert eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten (VersicherungsJournal Medienspiegel 18.4.2019). „Die Geschäftsergebnisse der Gesellschaften müssen sich für die Beschäftigten auch mal auszahlen“, so Grundler gegenüber dem VersicherungsJournal.

Außerdem will die Arbeitnehmervertretung eine neue Wahlmöglichkeit der Beschäftigten bei der Arbeitszeit durchsetzen. Das heißt, Beschäftigte sollen künftig Tariferhöhungen für zusätzliche freie Tage nutzen können.

Zusätzlich strengt Verdi die unbefristete Übernahme von Auszubildenden und ein Rückkehrrecht auf Vollzeit für die Teilzeitbeschäftigten, die nicht unter die neue Brückenteilzeit fallen, an.

Arbeitgeber nannten noch kein Angebot

Der Arbeitgeberverband strebe dagegen „in Zeiten eines äußerst schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes sowie angesichts großer Herausforderungen für die Branche“ einen klar auf Beschäftigungssicherung ausgerichteten Tarifabschluss an.

Die von Verdi geforderte Erhöhung […] hätte klar negative Wirkung auf die Beschäftigungssituation.

Dr. Sebastian Hopfner, AGV

Sebastian Hopfner (Bild: Jörg Koch, Bayerische Staatskanzlei)
Sebastian Hopfner (Bild: Jörg Koch)

„Die von Verdi geforderte Erhöhung der Gehälter von sechs Prozent berücksichtigt weder das aktuelle tarifpolitische Umfeld, noch die aktuelle Branchensituation und hätte klar negative Wirkung auf die Beschäftigungssituation“, erklärte Donnerstagabend Dr. Sebastian Hopfner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des AGV, gegenüber dem VersicherungsJournal.

Während es der AGV für erforderlich halte, den Tarifabschluss auf Grundlage objektiver Fakten in Form der wirtschaftlichen Situation der Branche zu entwickeln, wählte Verdi nach Aussage des Arbeitgeberverbands „einen eher mitarbeiterbezogenen beziehungsweise emotionalen Ansatz“.

„Insofern ist aus Arbeitgebersicht noch nicht der rechtzeitige Zeitpunkt, der gewerkschaftlichen Forderung ein Angebot des Arbeitgeberverbandes gegenüber zu stellen“, so Hopfner. Dies könne dann in der nächsten Tarifrunde am 30. Oktober in Hannover geschehen.

„Von dieser Strategie des AGV, uns nichts anzubieten, waren wir am Donnerstag sehr irritiert“, erklärte Grundler dazu.

Zwei Forderungen des AGV

Für die Arbeitgeber stehen im Oktober noch zwei weitere Punkte auf der Agenda: mehr Gestaltungsspielraum für hochbezahlte Angestellte und das passgenaue Festlegen der Höchstdauer bei Arbeitnehmerüberlassung.

In Juni hatten die Tarifpartner bereits die Verhandlungen über die Verträge zum „mobilen Arbeiten“ sowie „zur Verlängerung der Höchst-Überlassungsdauer bei der konzerninternen Arbeitnehmer-Überlassung“ abgeschlossen (13.6.2019).

Die letzten Gehaltsgespräche für die Innendienstmitarbeiter der Versicherungsbranche fanden im Sommer 2017 zwischen AGV, Verdi, DHV und DBV statt. Die Tarifpartner einigten sich damals auf eine Erhöhung der Löhne ab November 2017 um zwei Prozent und ab Dezember 2018 um nochmals 1,7 Prozent mit einer Laufzeit von 29 Monaten bis zum 31. August 2019 (30.8.2017).

Für den Versicherungs-Außendienst verhandelten die Gewerkschaften und die Arbeitgeber Ende 2017 ein Gehaltsplus von 4,4 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten (30.11.2017).

Leserbriefe zum Artikel:

+Axel Götz - Forderung ohne Maß und Ziel. mehr ...

Hans Hauser - Mit Gehaltsneid vorsichtig umgehen. mehr ...

Nicola Kerler - Weg mit den Befristungen und der Leiharbeit. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausbildung · Außendienst · Mitarbeiter · Strategie · Tarifvertrag
 
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