Traumurlaub wird zum Schnäppchen

8.7.2019 – Sind Reisende in ihrem Hotelzimmer stundenlangem Baulärm ausgeliefert, können sie nicht nur den Reisepreis mindern. Ihnen steht auch ein Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu. Dies erklärte das Landgericht Frankfurt am Main in einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 22. Mai 2019 (2-24 O 106/17).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Mannes zugrunde, der für sich und weitere Personen bei einem Reiseveranstalter einen 15-tägigen Aufenthalt in einem Strand- und Golf-Club-Hotel in Florida gebucht hatte.

Der Traum der Reisenden von einem entspannten Urlaub platzte jedoch schon unmittelbar nach ihrer Ankunft. Denn sie stellten fest, dass sich vor ihren Zimmern im Abstand von nur 15 Meter Luftlinie eine Großbaustelle befand. Auf der wurden nicht nur große Baumaschinen und Fahrzeuge, sondern auch Presslufthämmer eingesetzt.

Bauarbeiten ab 6.30 morgens

An Ruhe und Erholung war nicht zu denken. Mit Ausnahme der Sonntage begannen die Bauarbeiten nämlich schon um 6.30 Uhr morgens und endeten nicht vor 22.00 Uhr. Hinzu kam, dass während der ersten vier Tage des Aufenthalts wegen eines Rohrbruchs das Leitungswasser verunreinigt war und nicht genutzt werden konnte.

Eine Möglichkeit, anderweitig untergebracht zu werden, bestand nicht. Der Reiseveranstalter hatte den Kläger und seine Mitreisenden vor Abflug auch nicht auf die Baustelle hingewiesen.

Er fühlte sich dennoch nicht für die Misere der Reisenden verantwortlich. Der Fall landete daher vor Gericht. Dort erlitt der Veranstalter eine Niederlage.

Verletzung der Informationspflicht

Nach Ansicht des Gerichts hat der Beklagte seine Informationspflicht verletzt. Denn hätte er den Kläger vor Antritt der Reise auf die Großbaustelle hingewiesen, so hätten dieser und seine Mitreisenden entscheiden können, ob sie die Reise unter den gegebenen Umständen antreten wollten oder nicht.

Die Richter sprachen dem Mann daher wegen des Baulärms eine Minderung des Reisepreises von 50 Prozent zu. Eine Minderung von weiteren fünf Prozent hielten sie wegen der Verunreinigung des Leitungswassers für angemessen. Wegen der mangelnden Information vor Abreise durfte der Reisepreis zusätzlich um zehn Prozent gemindert werden.

Nutzlos aufgewendete Urlaubszeit

Damit aber nicht genug. Das Landgericht verurteilte den Reiseveranstalter zusätzlich dazu, dem Kläger und seinen Mitreisenden eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu zahlen. Angesichts der Gesamtumstände sei die Reise nämlich erheblich beeinträchtigt gewesen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Schadenersatz
 
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