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Swiss Re: „Weckruf für die Versicherungsbranche“

11.4.2019 – Die letzten Jahre zeigen einen Trend hin zu steigenden Schäden aufgrund sogenannter „sekundärer Naturgefahren“, stellt das Swiss Re Institute fest. 2017 und 2018 sei mehr als die Hälfte des versicherten Schadens in diese Kategorie gefallen. Problematisch: Häufig würden sekundäre Gefahren unterschätzt, weil die großen primären sie überschatten.

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Einen „Weckruf für die Versicherungsbranche“ nennt die Swiss Re AG die Katastrophenschäden der letzten zwei Jahre. Anlässlich der Veröffentlichung der neuesten „Sigma“-Studie seines Swiss Re Institute spricht der Rückversicherer nämlich von einem Trend zu steigenden Verlusten infolge „sekundärer Naturgefahren“.

Unter diesem Begriff kann zweierlei verstanden werden:

  • Ereignisse, die unabhängig und vergleichsweise häufig – öfter als „primäre“ Naturgefahren wie Erdbeben oder Wirbelstürme – auftreten und im Vergleich zu primären Naturgefahren geringe bis mittlere Schäden verursachen,
  • sekundäre Effekte primärer Naturgefahren, zum Beispiel ein Tsunami nach einem Erdbeben.

Fast zwei Drittel des Schadens stammen aus sekundären Gefahren

Die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen beliefen sich 2018 Swiss Re zufolge auf 76 Milliarden US-Dollar (rund 67,6 Milliarden Euro gemäß Tageskurs vom 10. April 2019).

Annähernd 62 Prozent aller auf Naturgefahren bezogenen versicherten Schäden sind auf sekundären Gefahren zurückzuführen, hält der Rückversicherer fest.

Auch 2017, im Jahr mit der höchsten Schadensumme aus Naturkatastrophen, sei mehr als die Hälfte der Schäden durch sekundäre Naturgefahren entstanden.

Versicherte Schäden (Bild: Swiss Re Institute)

Ein oft „verdecktes“ Problem

Sekundäre Naturgefahren würden häufig unterschätzt, weil ihre Auswirkungen von Schäden infolge primärer Naturgefahren überschattet werden, warnt Swiss Re. Dies sei bereits 2017 bei den Wirbelstürmen Harvey, Irma und Maria der Fall gewesen.

Die drei Stürme hinterließen laut Swiss Re zusammen den höchsten je verzeichneten Versicherungsschaden in einem einzelnen Jahr, mehr als die Hälfte der Schäden 2017 sei indes von sekundären Naturgefahren verursacht worden.

Das wachsende Schadenpotenzial sekundärer Gefahren gewinne jedoch zunehmend an Sichtbarkeit. „Wir verzeichnen immer häufiger große Schäden im Zusammenhang mit sekundären Naturgefahren“, sagt Edouard Schmid, Group Chief Underwriting Officer von Swiss Re.

Ausdehnung des Siedlungsgebiets in gefährdete Regionen

Eine Erklärung für den Trend sei „die rasante Ausbreitung von Wohn- und Gewerbegebieten in Gegenden mit extremen Wetterbedingungen und höheren Temperaturen“ – und das Swiss Re Institute prognostiziert, dass er sich fortsetzt.

„Die fortschreitende Urbanisierung, auch in hochwassergefährdeten Gebieten an Küsten und in Flussebenen, die zunehmende Bautätigkeit in Waldbrandgebieten, wie zum Beispiel an der Schnittstelle von Wald und Siedlungsraum […], und die langfristigen Folgen des Klimawandels werden auch in Zukunft zu einem Anstieg der Schäden durch sekundäre Naturgefahren führen“, sagt Schmid.

Deckungslücke

Die Gesamtsumme aller versicherten Schäden aus Naturkatastrophen beziffert Swiss Re für 2017 und 2018 mit 219 Milliarden US-Dollar (194,8 Milliarden Euro). Dies sei die höchste bisher verzeichnete Schadensumme für einen Zweijahreszeitraum.

Der wirtschaftlichen Gesamtschaden aus Natur- und von Menschen verursachten Katastrophen habe 2018 weltweit 165 Milliarden US-Dollar (146,7 Milliarden Euro) betragen.

Die weltweite Deckungslücke bei Naturkatastrophen lag 2017 bis 2018 nach Angaben von Swiss Re bei 280 Milliarden US-Dollar (249,0 Milliarden Euro); mehr als die Hälfte dieser nicht versicherten Schäden sei aufgrund sekundärer Naturgefahren entstanden.

Ursachen auf Kunden- und Anbieterseite

Erklären lasse sich die Unterversicherung „unter anderem durch fehlendes Risikobewusstsein, ungenügendes Verständnis von Katastrophenversicherungen auf der Kundenseite und eine zögernde Bereitschaft in der Industrie, Deckungen bei nicht eindeutiger Risikoeinschätzung anzubieten“, heißt es von Swiss Re.

Die Bewertung sekundärer Naturgefahren könne schwierig sein: „So treten sie oft lokal begrenzt auf, beinhalten aber Variablen, die infolge wechselnder Landnutzung und häufigerer Wetterextreme einem stetigen Wandel unterliegen.“

Jérôme Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re, verweist aber auf die Möglichkeiten moderner Technologie: Damit könnten sich Versicherer „stärker auf die Erarbeitung regionaler Modelle zur Bewertung von sekundären Naturgefahren konzentrieren, ihr Produktangebot erweitern und Katastrophenversicherungen gezielter vertreiben“.

Die „Sigma“-Studie 2/2019 „Natural catastrophes and man-made disasters in 2018: „secondary” perils on the frontline“ ist auf der Website der Swiss Re abrufbar.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Katastrophen · Unwetter
 
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