Studie errechnet „Rentabilitätslücke“ in Nicht-Leben

11.9.2018 – Eine Swiss-Re-Studie hat neun große Nicht-Leben-Versicherungsmärkte untersucht – und spricht von einer Rentabilitätslücke. Für Deutschland wird sie mit 6,4 Prozentpunkten beziffert. Um die Rentabilität zu steigern, seien höhere Preise und höhere versicherungstechnische Ergebnisse nötig. Auch Investitionen in digitale Technologien wären dienlich.

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Für die meisten großen Nicht-Leben-Versicherungsmärkte der Welt diagnostiziert das Swiss Re Institute in seiner neuesten „Sigma“-Studie eine „unterdurchschnittliche Rentabilität“. Sie befasst sich mit neun Ländern, die 2017 nach Angaben des Rückversicherers 73 Prozent der globalen Nicht-Leben-Prämien repräsentierten.

Zur Methodik: Für Deutschland, Australien, Großbritannien, Kanada und die USA zählen Schaden und Unfall, unter Ausschluss der meisten Arten von Krankenversicherungen, als Nicht-Leben. In China, Frankreich, Italien und Japan gehören private Kranken- zu den Nicht-Leben-Versicherungen.

Die versicherungs-technischen Nicht-Leben-Ergebnisse haben sich laut Analyse – durch langsamen Wirtschaftsaufschwung nach der Finanzkrise und die lange Niedrigzinsperiode – verschlechtert, ohne dass dies durch höhere Erträge kompensiert werden konnte. Die Eigenkapitalrendite des Sektors sei von sieben (2016) auf sechs Prozent gesunken – und damit deutlich unter die jeweils neun Prozent der Jahre 2013 bis 2015.

Trendumkehr durch Naturkatastrophen?

Insbesondere in der Gewerbesparte seien „die Versicherungs-Bedingungen 2018 weiterhin ungünstig“, heißt es von Swiss Re. Es zeichne sich aber ein „Wendepunkt“ ab, teils wegen der hohen Naturkatastrophen-Schäden 2017 (VersicherungsJournal 11.4.2018).

Diese „haben eine moderate Änderung der Marktdynamik ausgelöst“, sagt Group Chief Underwriting Officer Edouard Schmid. Die Prämiensätze für Gewerbeversicherungen seien seit Ende 2017 wieder im Steigen, stellt das Rückversicherungs-Unternehmen weiter fest.

„Es bleibt jedoch abzuwarten, wie stark und nachhaltig dieser Aufschwung ist“, gibt Schmid zu bedenken. „Die Prämienerhöhungen für Kunden und Gewerbeversicherungs-Sparten, die nicht von Schäden durch Naturkatastrophen betroffen waren, sind etwa hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben.“

Bei den Privatversicherungen zeichne sich in einigen Schlüsselmärkten bereits seit einigen Jahren ein moderater Anstieg der Prämiensätze ab, fügt der Rückversicherer hinzu.

Lücke von 6,4 Prozentpunkten in Deutschland

Wie groß ist nun die Lücke? Auf Grundlage der tatsächlichen Anlagerenditen, der durchschnittlichen Steuersätze, der aktuellen Solvabilitätsmarge sowie einer angenommenen Ziel-Eigenkapitalrendite von zehn Prozent ergibt sich ein „angestrebtes versicherungs-technisches Ergebnis“.

In den westeuropäischen Märkten müssten die versicherungs-technischen Margen – also die versicherungs-technischen Gewinne als Prozentsatz der Prämien – je nach Land um rund sechs bis neun Prozentpunkte steigen, um die Ziel-Eigenkapitalrendite zu erreichen, geht aus dem Bericht hervor.

Für Deutschland beträgt das aktuelle versicherungstechnische Ergebnis (Marge) von 2017 laut Studie 0,3 Prozent. Bei einem angestrebten versicherungs-technischen Ergebnis von 6,7 Prozent bedeutet das eine Lücke von 6,4 Prozent.

Um die „effektive Rentabilität“ beurteilen zu können, sind bei der Berechnung Änderungen der Rückstellungen aus früheren Jahren und die Zufälligkeit des Eintritts von Katastrophenschäden berücksichtigt worden.

Rentabilitätslücke (Bild: Swiss Re)
(Bild: Swiss Re)

Anlagerenditen und Arbeitsmarkt als wesentliche Faktoren

Die Swiss-Re-Gruppe rechnet zwar damit, dass die Zinssätze „in den entwickelten Märkten weiterhin moderat“ ansteigen, wie Chefökonom Jérôme Jean Haegeli sagt. „Dies würde die Gewinne der Versicherer durch höhere Anlagerenditen stützen.“ Trotzdem sei es unwahrscheinlich, dass die makroökonomische Entwicklung alleine zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rentabilität führt.

Als Hypothek kommt offenbar die Lage hinzu, die in den vergangenen zehn Jahren auf den Arbeitsmärkten herrschte. Deren Schwäche habe die Nachfrage nach Haftpflicht- und Unfallversicherungen gesenkt, heißt es von Swiss Re.

„Wir glauben, dass eine moderate Belebung der Konjunktur in den entwickelten Märkten, vor allem im Hinblick auf die Inflation der Gesundheitskosten, nach und nach zu höheren Schadenforderungen führen und die Versicherungsnachfrage ankurbeln wird, während die Rückstellungen sich als unzureichend herausstellen könnten“, ist in der Studie zu lesen.

Ertragsdruck fördert Interesse an Innovation

Wie Swiss Re weiter berichtet, hat der Ertragsdruck das Interesse an Innovationen zunehmen lassen. Langfristig gesehen, so Swiss Re, würden „Investitionen in Daten und fortschrittliche Datenanalysemethoden“ das Geschäft fördern und die Versicherung zunehmend komplexer Risiken ermöglichen.

Swiss Re ortet „in manchen Bereichen“ denn auch Effizienzsteigerungen und eine Verringerung des Schadenaufwands in Folge von Investitionen in digitale Technologien. Die Rentabilitätssteigerung werde „jedoch teilweise durch die Investitionskosten zunichtegemacht und teilweise an die Verbraucher weitergegeben“.

Deutlicher Anstieg erforderlich

Doch auch wenn innovative Methoden die betriebliche Effizienz „nach einem Jahrzehnt des langsamen organischen Wachstums und der schwachen Preise“ gesteigert haben: Dass dies genügt, um die angestrebten Gewinne zu erzielen, glaubt man bei Swiss Re nicht.

Vielmehr, so die Sigma-Analyse, sei es nötig, dass die Preise und die versicherungs-technischen Ergebnisse „deutlich“ ansteigen. So schreiben die Studienautoren: „Wir glauben, dass sich die Nicht-Leben-Versicherungen derzeit in einer Übergangsphase zwischen einer langen Periode niedriger Preise und einem Preisanstieg befinden.“

Die „Sigma“-Studie 4/2018 „Rentabilität der Nichtlebenversicherung: Vorsicht, Lücke!“ steht auf der Website des Swiss-Re-Instituts zum Herunterladen bereit.

 
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