Schadenersatz nach EC-Karten-Diebstahl

14.9.2021 – Ein Geldinstitut ist einem Kunden zum Schadenersatz verpflichtet, wenn Indizien dafür sprechen, dass die Geheimzahl seiner EC-Karte kurz vor dem Diebstahl der Karte ausgespäht und diese so unbefugt an einem Geldautomaten eingesetzt wurde. Das hat das Amtsgericht Bad Iburg mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 31. März 2021 entschieden (4 C 430/20).

Der Kläger hatte nachts auf der Reeperbahn in Hamburg an einem Geldautomaten mit Hilfe seiner EC-Karte 100 Euro abgehoben. Auf dem Weg zu einem Taxi wurde er anschließend von einer unbekannten Prostituierten angesprochen. Kurz nachdem die Frau weitergegangen war, stellte der Mann fest, dass die Jackentasche, in der sich die Karte befunden hatte, geöffnet und die EC-Karte verschwunden war.

Der Bestohlene war unmittelbar darauf zu einer nahe gelegenen Polizeiwache gegangen und hatte die Karte sperren lassen. Dennoch wurden mit ihr noch nicht einmal zehn Minuten später an einem anderen Geldautomaten 900 Euro abgehoben. Diese Summe entsprach dem aktuellen Tageslimit.

Bargeldabhebung mit gestohlener EC-Karte

Der Kläger verlangte von seinem Geldinstitut, ihm den Betrag zu ersetzen. Denn die Bargeldabhebung sei nicht im Sinne von § 675 u BGB autorisiert gewesen. Seine Bank sei daher zum Ersatz des ihm entstandenen Schadens verpflichtet.

In dem sich anschließenden Rechtsstreit behauptete das Geldinstitut, dass der Beweis des ersten Anscheins dafür spreche, dass der Kläger die Geheimzahl auf der Karte notiert oder sie zusammen mit der Karte aufbewahrt haben müsse. Nur so sei die Abhebung innerhalb so kurzer Zeit erklärbar. Der Kläger habe daher grob fahrlässig gehandelt, so dass kein Erstattungsanspruch bestehe.

Anscheinbeweis erschüttert

Dieser Argumentation wollte sich das Amtsgericht Bad Iburg nicht anschließen. Es gab der Schadenersatzklage statt.

Zwar spreche in Fällen wie dem vorliegenden grundsätzlich der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass ein Karteninhaber die Geheimzahl auf der EC-Karte notiert oder gemeinsam mit dieser verwahrt habe, wenn zeitnah nach dem Kartendiebstahl Bargeld abgehoben worden sei. Werde der Anscheinbeweis jedoch erschüttert, sei es Sache des Geldinstituts, seinem Kunden ein Fehlverhalten nachzuweisen. Das sei der beklagten Bank nicht gelungen.

Bank konnte keinen Beweis erbringen

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme komme es im Bereich der Hamburger Reeperbahn häufiger vor, dass Personen an Geldautomaten bei der Eingabe der Geheimzahl ausgespäht würden, um die EC-Karte anschließend missbräuchlich zu nutzen. Da dem Kläger die Karte kurz nach der eigenen Abhebung von Bargeld entwendet und unbefugt eingesetzt wurde, spreche vieles für eine Ausspähung der Pin.

Unter den gegebenen Umständen habe das Geldinstitut wenigstens nicht beweisen können, dass der Kläger die Karte zusammen mit der Geheimzahl aufbewahrt habe. Es sei daher zum Ersatz des ihm entstandenen Schadens verpflichtet.

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Diebstahl · Schadenersatz
 
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