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Schaden- und Unfallversicherer sind Pandemie-Gewinner

27.5.2021 – Weniger Schäden in der Auto- und Hausratversicherung toppen 2020 die coronabedingten Mehrausgaben in der Industrieversicherung. Die Schaden- und Unfallversicherer haben in der Pandemie durch die Bank gut abgeschnitten. Unter dem Strich konnten die Assekuranzen ihre Ertrags- und Wachstumszahlen verbessern. Diese Entwicklung wird 2021 weiter anhalten.

Die Schaden- und Unfallversicherer haben 2020 von der Pandemie profitiert. „Insgesamt gab es pandemiebedingt weniger Mobilität und somit auch weniger Verkehrsunfälle. Auch die Zahl der Sport- und Freizeitunfälle sanken, etwa weil Sportvereine im Lockdown geschlossen wurden“,

Das erläuterte Dennis Wittkamp, Fachkoordinator für die Schaden- und Unfallversicherung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH. Laut deren Studie „Marktausblick Schaden-/Unfall-versicherung 2021/2022“, die am Mittwoch vorgestellt wurde, stieg der versicherungstechnische Gewinn der Branche von 5,2 Milliarden Euro auf 7,4 Milliarden Euro.

Trotz eingeschränkter Vertriebstätigkeiten stiegen die Prämien um 2,1 Prozent auf 74,8 Milliarden Euro und die Zahl der Verträge wuchs um 0,9 Prozent auf 326,6 Millionen.

Weniger Kfz-Schäden haben anderweitige Mehrbelastungen kompensiert

Vor allem die geringere Schadenbelastung der Kfz-Versicherung überkompensiert pandemiebedingte Mehraufwände anderer Zweige. Zudem gab es deutlich weniger Unwetterschäden in 2020.

Die Schaden-Kostenquote fiel um 2,8 Prozent auf 90. „Das ist der beste Wert seit 20 Jahren“, stellte Wittkamp fest.

„Die noch immer anhaltenden Pandemiebeschränkungen dürften sich auch 2021 positiv auf das Ergebnis der Branche auswirken“, ergänzte er. Wiederum werde es vor allem in der Autoversicherung deutlich weniger Schäden als noch in 2019 geben.

Sinkende Prämien in der Autoversicherung erwartet

Gleichzeitig rechnet die Rating-Agentur Assekurata mit sinkenden Prämien in der Sparte zur Wechsel-Saison 2021/22. „Das wird aber kein ruinöser Wettbewerb, sondern eher eine Absenkung in homöopathischen Dosen von zwei bis drei Prozent“, so Wittkamp.

Die Kfz-Versicherer haben durch die Corona-Pandemie ihre Ergebnisse deutlich verbessern können. Insgesamt musste die Branche 2,3 Milliarden Euro weniger für Schäden ausgeben. Das entspricht einem Schadenrückgang von 9,1 Prozent.

Lediglich zwei Versicherer, die Huk-Coburg Allgemeine Versicherungs-AG und die DEVK Allgemeine Versicherungs-AG wollen automatisch einen Teil der Corona-Gewinne rückvergüten. „Wir wollen aber hier keinen moralischen Zeigefinger heben. Die Versicherer können die Gewinne auch durch Prämiensenkungen an die Kunden weitergeben“, so Wittkamp.

Kfz: Spielraum für Beitragssenkungen

Um an die Huk-Coburg oder die DEVK heranzukommen, müssten die Versicherer aber ihre Preise deutlich senken, denn durch die Beitragsrückerstattung läge das Prämienniveau dieser Kunden schon tiefer.

Trotzdem geht Assekurata nicht davon aus, dass die Huk-Coburg als Marktführer nun einen totalen Zulauf erhalten wird. „Es ist durchaus möglich, dass Versicherer, um Kunden zu gewinnen, ihre Prämie etwa zum Wechselgeschäft um 15 Prozent senken“, so Wittkamp. Die Branche hätte nun einen großen Spielraum für Beitragssenkungen.

Wohngebäude- und Cyberversicherungen verzeichnen mehr Schäden

Reiner Will (Archivbild: Lier)
Reiner Will (Archivbild: Lier)

Die Prämien in der Wohngebäude-, Cyber- und Rechtsschutz-Versicherung werden 2021 nach Einschätzung von Assekurata hingegen steigen. Das hat aber sehr unterschiedliche Gründe. So hätten die Sparten Cyber und Rechtsschutz durch die Pandemie mit einem höheren Schadenaufkommen zu kämpfen.

„Bei der Cyberversicherung kommen mehr Schäden aus dem Homeoffice und aber auch von Kriminellen, die mit spezieller Software die IT der Unternehmen lahmlegen, um Lösegeld zu erpressen“, erläuterte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

Derzeit gebe es eine breite Diskussion, ob Lösegeld überhaupt noch versichert werden soll. Die Cyberversicherer hätten sich hinsichtlich ihrer Bedingungen deutlich verbessert. „Sie treten heute als Kümmerer und Organisatoren gegen Cyberschäden auf“, so Will.

Rechtschutz mit doppelter Kostenbelastung

In der Rechtsschutz-Versicherung habe es deutlich mehr Schäden aus dem Arbeitsrecht gegeben. Auch das sei durch Corona verursacht worden. Etwa durch rechtliche Unsicherheiten der Arbeitnehmer bei ihrer Tätigkeit im Homeoffice.

Die höheren Schäden und eine Gebührenanpassung werden nach Einschätzung von Assekurata den Druck auf die Prämien 2021 verstärken. „In der Wohngebäudeversicherung geht die Sanierung der Sparte durch Beitragsanpassungen unvermindert weiter“, sagte Wittkamp. Grund sind weiterhin steigende Schäden im Bereich von Leitungswasser und Feuer.

Beim Streit um die Betriebsschließungs-Versicherung aufgrund von Corona habe die Branche mit Recht einen Imageschaden erlitten. Viele Bedingungen seien intransparent. Die Kunden hätten sich versichert gefühlt und seien nun zu Recht enttäuscht, wenn der Versicherer eine Leistung ablehnt, weil er die Bedingungen anders auslegt. „Wir sehen heute auch viele Vergleiche“, sagte Wittkamp.

Laut Assekurata würden die Versicherer immer dann einen Vergleich anbieten, wenn es Anzeichen gebe, dass sie vor Gericht verlieren könnten. „Da aber Gerichte zu exakt gleichen Bedingungen zu unterschiedlichen Urteilen gelangen, ist es für versicherte Kunden sinnvoll, vor einer Klage gegen den Versicherer den Rat eines Rechtsanwaltes einzuholen“, rät Assekurata.

 
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