Run-off-Geschäft: Scheidung statt ewiger Bindung

16.4.2018 – Noch ist der Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen eher die seltene Ausnahme. Die Politik ist allerdings durchaus alarmiert, wie sich in der Diskussion auf der Wissenschaftstagung des Bundes der Versicherten zeigte. Der CDU-Politiker Carsten Brodesser machte klar deutlich, dass man auch über Vertriebskosten-Senkungen werde reden müssen.

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Der Bund der Versicherten e.V. (BdV) hatte den Abschlusstag seiner 28. Wissenschaftstagung in Berlin (VersicherungsJournal 13.4.2018) unter das Thema „Run-off – Ende oder Neubeginn der Lebensversicherung“ gestellt. Es kamen Branchenvertreter, die Fachaufsicht, Verbraucherschützer und ebenso Politiker zu Wort.

Aufsicht übt sich in Gelassenheit

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) sieht die derzeit sechs Bestandsabgaben noch eher gelassen. Ein Wechsel in der Aktionärsstruktur sei nichts Ungewöhnliches, sagte Dr. Kay Schaumlöffel, Abteilungsleiter für Lebensversicherung und Kapitalanlage bei der Bafin. Unter den übertragenden Beständen sei auch kein Sanierungsfall gewesen. Die Bafin schaue sich die in Frage stehenden Bestände genau an.

Auch für Finanzvorstand Bernd Neumann von der Frankfurter Leben-Gruppe, die Lebensversicherungs-Bestände übernommen hat (VersicherungsJournal 4.4.2018), verläuft der Run-off eher unspektakulär. „Alles ist ruhig abgelaufen“, sagte Neumann. Der Markt verändere sich nun einmal und die Rahmenbedingungen seien heute andere als noch vor Jahren.

„Für den Kunden ändert sich nichts.“ Man könne ja auch kein Geschäftsmodell gegen den Verbraucher machen.

Die Politik bleibt beunruhigt und gibt sich handlungsbereit

Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ist es eben ein Ergebnis der anhaltenden Niedrigzinspolitik, dass Versicherer kein Neugeschäft mehr machen wollen. Eine Run-off-Plattform stelle eine Lösung dar, die zudem kosteneffizient sei, sagte Peter Schwark von der GDV-Geschäftsführung.

Bernd Neumann (li.), Peter Schwark (re.) (Bild: Brüss)
Bernd Neumann (li.), Peter Schwark (re.)  (Bild: Brüss)

Dem stimmte der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler zwar zu. Zugleich warnte er aber davor, dass ein Lebensversicherer sich von Versicherungsverträgen mit hohen Garantien verabschiede und anschließend neues Geschäft zu günstigeren Konditionen generiere. „Das wäre fatal“, sagte Schäffler, der an die Bafin appellierte, hier genau hinzuschauen.

Für den CDU-Abgeordneten Dr. Carsten Brodesser beschränken sich die Diskussionen über Run-off-Geschäfte derzeit noch auf Fachkreise. Er warnte große Versicherer vor übereilten Abgaben von Lebensversicherungs-Beständen.

Die großen Versicherer müssen sich schon fragen, welche Folgen sich ergeben könnten. Sollte aber das einmal gegebene Leistungsversprechen ins Wanken geraten, dann sei die Politik gefordert. Er selbst würde in einem solchen Run-off-Fall bei dem Versicherer alle anderen Versicherungen umgehend umdecken.

Die Altersvorsorgepolitik wird an Fahrt gewinnen

In der Altersvorsorgepolitik stehen derzeit vor allem die zweite und dritte Säule im Blickpunkt, nachdem sich die Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD zunächst auf eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent verständigt haben. Vertreterinnen der SPD und der Linkspartei machten deutlich, dass die gesetzliche Rente die zentrale Säule der Altersvorsorge bleiben soll.

Geworben worden seien die Lebensversicherungs-Kunden mit dem Versprechen, dass die Beziehung ewig halten werde, sagte der grüne Finanzpolitiker Dr. Gerhard Schick. Aber es sei jetzt fast so wie in einer Ehe: Plötzlich komme die Scheidung. Dass Kunden sich verraten fühlen, halte er für nachvollziehbar, sagte Verbraucherschützer Lars Gatschke. Das Bündnis für Leben werde einfach aufgekündigt.

V.li.n.re.: Gerhard Schick, Carsten Brodesser. Frank Schäffler (Bild: Brüss)
V.li.n.re.: Gerhard Schick, Carsten Brodesser, Frank Schäffler (Bild: Brüss)

Vertriebskosten bleiben im Fokus

Schick warb für die Deutschland-Rente – ein kostengünstiges standardisiertes Altersvorsorgeprodukt unter staatlicher Regie. Der bisherige Weg, der in Deutschland etwa mit der Riester-Rente gegangen worden ist, sei gescheitert. Man müsse über Alternativen nachdenken. Etwa über ein Produkt ohne Vertriebskosten. Man müsse auch über ein Provisionsverbot nachdenken, sagte Schick

Und auch Brodesser machte deutlich, dass bei den Vertriebskosten einiges „schiefgelaufen“ sei. Von daher sei es völlig legitim – „und ich halte das für zwingend“ –, über Vertriebskosten-Senkungen zu sprechen. Dies dürfte dann bei der Evaluierung des Lebensversicherungs-Reformgesetzes zur Sprache kommen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Gewerbeordnung · Lebensversicherung · Provision · Rente · Riester · Runoff · Verkauf · Versicherungsaufsicht
 
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