Rausschmiss wegen Amoklauf-Gedanken

14.1.2022 – Ein Mann hatte seiner Kollegin gegenüber glaubhaft bekundet, seinen Vorgesetzten demnächst aus dem Fenster zu schmeißen und Amok zu laufen. In diesem Fall darf er, ohne dass es einer Abmahnung bedarf, fristlos entlassen werden. Das hat das Arbeitsgericht Siegburg mit einem am Dienstag veröffentlichten Urteil vom 4. November 2021 entschieden (5 Ca 254/21).

Der Kläger war für seinen Arbeitgeber mehr als 13 Jahre als Buchhalter tätig, als er wieder einmal mit seinem Vorgesetzten aneinander geriet. Das brachte ihn so in Rage, dass er einer Kollegin gegenüber äußerte, dass er beabsichtige, „diesen kleinen Wicht“ aus dem Fenster zu schmeißen.

Unangemessene Reaktion?

Er sagte ferner: „Ich lasse mir das nicht länger gefallen. Ich bin kurz vorm Amoklauf. Ich sage dir, bald passiert was. Der lebt gefährlich, sehr gefährlich.“

Da die Kollegin die Äußerungen für glaubhaft hielt, informierte sie die Geschäftsleitung. Diese kündigte dem Mann daraufhin umgehend fristlos, hilfsweise fristgerecht.

Das hielt der Angestellte für unangemessen. Als Reaktion auf seine Äußerung habe er allenfalls abgemahnt werden dürfen. Er reichte daher eine Kündigungsschutzklage beim Siegburger Arbeitsgericht ein. Damit hatte er keinen Erfolg.

Gerechtfertigter Rausschmiss

Nach Vernehmung der Kollegin zeigten sich die Richter davon überzeugt, dass der Kläger ihr gegenüber in ernstzunehmender Art und Weise einen Amoklauf angekündigt hatte. Der Arbeitgeber habe die Drohung daher zum Anlass nehmen dürfen, den Beschäftigten fristlos zu entlassen.

Eine vorherige Abmahnung sei in diesem Fall entbehrlich gewesen. Denn dem Unternehmer sei angesichts der Tragweite der Ankündigung keine Weiterbeschäftigung des Mannes bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist zuzumuten gewesen.

Dass es keine gute Idee ist, Vorgesetzten oder Kolleginnen beziehungsweise Kollegen mit Gewalt zu drohen, belegen auch Entscheidungen des Arbeitsgerichts Mönchengladbach aus dem Jahr 2012 und des Düsseldorfer Landesarbeitsgerichts vom 8. Juni 2017. In beiden Fällen hielten die Richter eine fristlose Kündigung für gerechtfertigt (VersicherungsJournal 9.11.2012 und 14.7.2017).

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