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Pandemie erfordert neue Wege im deutschen Gesundheitssystem

7.6.2021 – Erst kürzlich hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen die Bürgerversicherung wieder in die Diskussion gebracht. Damit erhält das Thema Krankenversicherung im bereits angelaufenen Wahlkampf zur Bundestagswahl im kommenden Herbst eine zentrale Rolle. Andreas Kolb, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern und dort verantwortlich für die Sparte Krankenversicherung, nimmt dies zum Anlass, aus der Warte der Assekuranz auf die aktuelle Situation im Gesundheitswesen und die gesundheitspolitischen Implikationen zu schauen. In seinem Gastbeitrag macht er sich stark für das duale System und ein Drei-Säulen-Modell in Gesundheit und Pflege.

Über ein Jahr Covid-19-Pandemie ist Grund genug zur Frage, wie sich das deutsche Gesundheitssystem bewährt hat und welcher Weichenstellungen es für die Zukunft bedarf.

Andreas Kolb (Bild: VKB)
Andreas Kolb (Bild: VKB)

Zunächst steht Deutschland im internationalen Vergleich in der medizinischen Bewältigung der Pandemie gut da: Es gab weniger Todesfälle als in vielen anderen Ländern. Ärzte und Pfleger auf den Intensivstationen hatten die Hauptlast zu stemmen, hielten den Belastungen aber dankenswert stand.

Impfungen kommen voran

Nach holprigem Start kommen nun auch die Impfungen in der Breite voran. So können bald auch die Menschen geschützt werden, die auf Mobilität angewiesen sind und die mit ihrer Arbeit das Gesundheitssystem finanzieren.

Mit vergleichsweise vielen Intensivbetten in Deutschland sowie dem starken ambulanten Sektor, den die private Krankenversicherung (PKV) übrigens mit 55.000 Euro Mehrumsatz pro Arztpraxis und Jahr maßgeblich mitfinanziert, hat unser duales Gesundheitssystem die Herausforderungen insgesamt erfolgreich gemeistert.

Pandemie zeigt auch Systemschwächen auf

Auf den zweiten Blick zeigen sich aber auch Schwächen: So wurde zunächst schmerzlich unsere Abhängigkeit von Pharmalieferungen, Masken und Tests aus dem Ausland deutlich; entsprechende Bedarfsdeckung aus dem Inland sollten daher künftig jederzeit sichergestellt sein.

Zudem erwies sich die mangelnde Digitalisierung als Hemmnis von der Faxkommunikation in vielen Gesundheitsämtern über fehlende digitale Vernetzung zwischen Patient, Arzt und Klinik bis zum schleppend-bürokratischen Impfstart.

Auch der längst bekannte Engpass beim Pflegepersonal spitzte sich zu, wurde gar zum entscheidenden Flaschenhals gerade in der Intensivmedizin. Die Anwerbung und Qualifikation von Pflegekräften muss daher ebenso verbessert werden wie deren Bezahlung.

Reform der Vergütung, ortsnahe Versorgung und spezialisierte Zentren

In der Pandemie unterblieben zahlreiche medizinische Eingriffe, darunter etwa Hüft- und Knie-OPs. Wie eine Studie der DAK-Gesundheit kürzlich herausfand, gab es dennoch keine signifikante Verschlechterung der Gesundheitssituation (schwere Krankheiten ausgenommen). Offenbar setzen die bestehenden DRG-Vergütungssysteme also auch Anreize für unnötige Behandlungen.

Daher sollte das Vergütungssystem der Kliniken künftig insgesamt mehr die Versorgungsqualität in der Fläche und die notwendige Spezialisierung in Zentren honorieren als die Zahl der behandelten Diagnosen. Im Ergebnis können dabei sowohl die örtlichen medizinischen Versorgungszentren und die Fach- und Hausärzte gestärkt, als auch spezialisierte und sehr gut ausgestattete Kliniken für schwere Erkrankungen in überregionalen Zentren vorgehalten werden.

Gesundheitspolitik im Wahlkampf …

In der Pandemie erhielt die Gesundheit und deren Erhalt höchste Priorität. Daher verwundert es nicht, dass im beginnenden Bundestagswahlkampf die künftige Ausgestaltung unseres Gesundheitssystems prominenten Raum einnimmt.

Fokussiert man dabei die Parteien mit realistischer Regierungsoption, so zeigt sich, dass Linke und SPD mit ihrer Forderung nach Abschaffung der PKV zugunsten einer „Bürgerversicherung“ die Vorteile unseres dualen Systems in der Pandemie verkennen. Hier soll der Wettbewerb eliminiert werden und es wird einer „Staatsmedizin“ das Wort geredet, in der am Ende alle Beteiligten als Verlierer dastehen könnten.

Insbesondere liefern die Ansätze keine Antwort auf die demografische Notwendigkeit von mehr Kapitaldeckung im Sinne einer generationengerechten Finanzierung.

… Parteien haben unterschiedliche Positionen eingenommen

Die Grünen wollen zwar eine gute Gesundheitsversorgung für alle. Der Einbezug der PKV in einen Gesundheitsfonds, einkommensabhängige Beiträge und die Erweiterung der Wechselrechte würden die kapitalgedeckte PKV jedoch nachhaltig schwächen.

Die Union hingegen sieht unverändert die klaren Vorteile des dualen Systems, will notwendige Reformen etwa bei Vergütungssystemen und Pflege anpacken und es so zukunftsfähig gestalten. Die FDP möchte die kapitalgedeckte Eigenvorsorge sogar weiter stärkenund so die Sozialsysteme dauerhaft leistungsfähig und finanzierbar halten und die Belastung künftiger Generationen begrenzen.

Nur geringer Teil der Bürger sieht grundsätzlichen Reformbedarf

Was aber wollen die Bürgerinnen und Bürger? Hier hat kürzlich die Techniker Krankenkasse im „Meinungsimpuls Gesundheit 2021“ nachgefragt. Demnach zeigt sich die überwältigende Mehrheit der Befragten zufrieden mit unserem Gesundheitssystem (90 Prozent). Zudem würden 70 Prozent eher höhere Beiträge akzeptieren als Leistungskürzungen.

Nur zehn Prozent sehen grundsätzlichen Reformbedarf. Vielmehr wünschen sich die meisten Menschen eine evolutionäre Weiterentwicklung unseres als stabil und verlässlich empfundenen Gesundheitswesens und „keine Experimente“.

Für eine solche Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems steht die PKV gerne bereit und ist ausdrücklich Teil der Lösung – egal, ob es dabei um effizienten Ressourceneinsatz, Beseitigung von Fehlversorgung und Fachkräftemangel, Digitalisierung in der Breite zum Nutzen aller Patienten oder eine angemessene Bezahlung in der Pflege geht. Nur mit der PKV wird auch künftig eine flächendeckende, hochwertige und generationengerechte Versorgung für alle möglich sein.

Drei starke Säulen für Gesundheit und Pflege

Dabei ist der zukunftsfeste Umbau unseres Gesundheitssystems sehr dringend. Denn schon in den kommenden Jahren werden die demografischen Herausforderungen erheblich zunehmen und die sozialen Sicherungssysteme noch stärker unter Druck setzen.

Als erste Säule sollten die gesetzliche (GKV) und die private Krankenversicherung in bewährter Weise auch künftig gemeinsam die medizinische Basisversorgung für alle sicherstellen – bei staatlicher Koordination und Finanzierung von Forschung, Infektionsschutzes und notwendiger Infrastruktur.

Zusätzliche betriebliche und private Investitionen erforderlich

Für ein dauerhaft leistungsfähiges Gesundheitswesen, das auch bezahlbar und generationengerecht ist, bedarf es aber noch weiterer Motoren. Die Lösung dafür ist der Ausbau der betrieblichen und privaten Vorsorge und dies vor allem für die heute 45- bis 65-jährigen „Boomer“.

Dies hätte gleich drei Vorteile: Durch zusätzliche betriebliche und private Investitionen wird die Kaitalbasis verbreitert, das hohe medizinische Leistungsniveau könnte langfristig erhalten werden und die sozialen Sicherungssysteme und künftige Generationen gleichzeitig entlastet.

Analog der Altersvorsorge mit ihren drei Säulen aus staatlich reglementierter Grundversorgung (GKV/PKV), betrieblicher und privater Zusatzvorsorge könnten künftig auch Gesundheit und Pflege auf diese Weise noch besser funktionieren. Der Staat müsste dafür steuerliche Anreize für die Bürger und Bürgerinnen und Betriebe zur Eigenvorsorge schaffen beziehungsweise ausschließlich Bedürftigen öffentliche Zuschüsse für Gesundheit und Pflege gewähren.

Neue Produkte und kompetente Beratung erfordert

Dass das grundsätzlich funktioniert, zeigen nicht nur die über 20 Millionen Krankenzusatzpolicen gesetzlich Krankenversicherter, sondern auch zahlreiche Unternehmen, die ihren Beschäftigten schon jetzt eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) anbieten. Die chemische Industrie hat ihren Beschäftigten kürzlich sogar eine betriebliche Pflegeabsicherung ermöglicht und die PKV für eine Pflegereform ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt.

Ein solches Drei-Säulen-Modell würde zwar neue Produkte und kompetente Beratung erfordern; genau dies ist aber unsere Aufgabe als Assekuranz, der uns jederzeit und sehr gern stellen.

Andreas Kolb

Der Autor ist Mitglied des Vorstands der Versicherungskammer Bayern und Vorstandsvorsitzender der UKV – Union Krankenversicherung AG sowie der Bayerischen Beamtenkrankenkasse AG.

 
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