Neuer Schub bei der Krankheitsdauer wegen Seelenleiden

19.10.2020

Im Vergleich mit den ersten acht Monaten des Jahres 2019 waren AOK-Mitglieder im März und April 2020 deutlich häufiger, in den übrigen Monaten seltener krank. Die psychisch bedingten Arbeitsausfälle gingen erstmals seit vielen Jahren zurück. Gleichzeitig stieg allerdings die Dauer der Fehlzeiten aufgrund von Seelenleiden. Das zeigt eine Analyse des WIdO.

WERBUNG

Corona hinterlässt deutliche Spuren in der Statistik des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Zu Beginn der Pandemie im März und April stiegen die Krankenstände bei den AOK-versichert Beschäftigten. Der höchste Wert wurde im März mit 7,8 Prozent verzeichnet. Das sind 1,7 Prozentpunkte mehr als im März 2019.

In den übrigen Monaten von Januar bis August lagen die Fehlzeiten unter den Krankmeldungen der Vorjahresmonate. Besonders im Mai mit 4,4 Prozent war dies der Fall (2018: 5,2 Prozent).

Krankenstand der AOK-versicherten Beschäftigten von Januar bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)
Krankenstand der AOK-versicherten Beschäftigten von Januar bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)

Arztbesuche wurden vermieden

„Viele Beschäftigte haben vermutlich aus Angst vor einer Infektion den Gang zum Arzt vermieden“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. Der Rückgang könne auch mit verschiedenen Corona-Maßnahmen zusammenhängen, wie Abstand und Hygiene.

Auch im Zehn-Jahres-Vergleich erwiesen sich März und April als Ausreißer. Der Krankenstand lag knapp zwei beziehungsweise 0,4 Prozentpunkte über dem Monatsdurschnitt der Jahre 2010 bis 2019.

Da jedoch die Zahlen im Mai und Juni unter den Durchschnitt rutschten, bezeichnet Schröder die Zwischenbilanz des Jahres 2020 als „insgesamt unspektakulär“.

Krankenstand der AOK-versicherten Beschäftigten von Januar bis August 2020 im Vergleich zum Durchschnitt 2010 bis 2019. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)
Krankenstand der AOK-versicherten Beschäftigten von Januar bis August 2020 im Vergleich zum Durchschnitt 2010 bis 2019. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)

Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen gingen zurück

Nach einem stetigen Anstieg der Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren verzeichnete das Institut jetzt erstmals wieder einen Rückgang. Durchschnittlich 11,1 (Vorjahr 12,0) Arbeitsunfähigkeits-Fälle je 100 AOK-Mitglieder gab es in den ersten acht Monaten.

Gleichzeitig registrierte das Institut eine sprunghafte Zunahme um mehr als drei Tage bei der Dauer der Krankschreibungen (von 25,9 auf 29,3 Tagen). „Offenbar haben Patienten mit psychischen Erkrankungen verstärkt auf die Einschränkungen und Belastungen reagiert, die mir der Pandemie einhergingen“, sagt Schröder.

Der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Fehlzeiten wegen Seelenleiden habe damit einen weiteren Schub erhalten.

Tage je Fall und AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder aufgrund von psychischen Erkrankungen (ICD-GM: F00-F99) von Januar August, 2011 bis 2020. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)
Tage je Fall und AU-Fälle je 100 AOK-Mitglieder aufgrund von psychischen Erkrankungen (ICD-GM: F00-F99) von Januar August, 2011 bis 2020. Vorläufige Ergebnisse bis August 2020 (Bild: WIdO)

Eine Studie der DAK Gesundheit hat kürzlich sichtbar gemacht, wie massiv die Dauer der Ausfallzeiten von 1997 bis 2019 angestiegen ist (VersicherungsJournal 16.9.2020). Die Axa Konzern AG hat in einer Umfrage ermittelt, dass der Corona-Einfluss auf die Psyche nimmt (7.10.2020).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsunfähigkeit · Coronavirus · Gesundheitsreform · Marktforschung
 
WERBUNG
WERBUNG
Mit der Autoversicherung Geld verdienen

Viel Arbeit, wenig Lohn:
Die Kfz-Versicherung steht bei Vermittlern nicht hoch im Kurs. Dennoch gibt es Entwicklungen, die die Sparte wieder interessant machen.
Ein Dossier mit vielen Praxisbeispielen und Tipps zeigt, wie es geht.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie erklär‘ ich‘s meinem Kunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Gesetze und Fachchinesisch gibt es genug.

Ein neuer Ratgeber zeigt, wie Sie in Kundenveranstaltungen durch Vorträge überzeugen.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

WERBUNG