Nächtlicher Fehltritt mit schmerzhaften Folgen

19.6.2019 – Ein Mann war auf einer Treppe des Außengeländes seines Hotels gestürzt. Für die dabei erlittene Unbill wollte er den Reiseveranstalter zur Verantwortung ziehen. Der hatte seine Gäste aber gut auf das Gelände vorbereitet. (Bild: Pixabay CC0)

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Der Kläger hatte für sich, seine Ehefrau und seine Mutter eine Pauschalreise ins Ausland gebucht. Bei der Ankunft im Hotel wurde ihm eine Skizze der Hotelanlage ausgehändigt. In ihr waren das gebuchte Appartement sowie die Ein- und Ausgänge der Ferienanlage eingezeichnet.

Danach gab es zwei Zugänge. Der längere Weg führte vom Strand aufsteigend über eine Treppe zum Haupteingang des Hotels. Der zweite Zugang hatte einen geringeren Höhenunterschied und führte durch eine in der Nähe des Hotelpools gelegene Außentür auf einen Weg zu einer Wohnanlage.

Dieser Weg endete an einer Gartentür. Hinter dieser befand sich eine Straße mit einer gegenüberliegenden Tankstelle.

Treppensturz

Von der Straße aus gesehen befand sich unmittelbar hinter der Gartentür eine vierstufige Treppe, die zu der Ferienanlage führte, und links daneben eine Rampe.

Am zehnten Tag seines Ferienaufenthaltes kam der Kläger auf dieser Treppe zu Schaden. Er befand gegen 3.30 Uhr in Begleitung seiner Frau und seiner Mutter auf dem Rückweg von einem Lokal, als sich die Gruppe dazu entschloss, den hinteren Eingang zu der Hotelanlage zu nutzen.

Als der Mann die Gartentür öffnete, trat er in den Bereich dahinter, um sie für seine Begleiterinnen geöffnet zu halten. Dabei übersah er die Treppe und stürzte hinunter. Bei dem Unfall zog er sich erhebliche Verletzungen zu.

Unzureichende Beleuchtung?

Für die machte der Gestürzte den Reiseveranstalter verantwortlich. Denn zum Zeitpunkt des Zwischenfalls sei der Bereich nur unzureichend beleuchtet gewesen. Weder eine dort befindliche Straßenlaterne noch die Beleuchtung der Tankstelle seien eingeschaltet gewesen. Er habe die Treppenstufen daher nicht wahrnehmen können.

Die Gartentür sei ihm bei seiner Ankunft als Hotelzugang empfohlen worden, ohne darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, dass sich unmittelbar hinter dem Tor eine Treppe befindet. Darauf habe in der Dunkelheit auch nichts hingedeutet. Der Verletzte verklagte den Reiseveranstalter daher auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes.

Ohne Erfolg: Sowohl das in erster Instanz mit dem Fall befasste Leipziger Landgericht als auch das Oberlandesgericht Dresden hielten die Klage für unbegründet.

Besondere topografische Verhältnisse

Nach Ansicht der Richter hat der Kläger nicht damit rechnen können, dass sich der von ihm und seinen Begleiterinnen genutzte Weg auf derselben Ebene fortsetzt. Denn er habe die örtlichen topografischen Verhältnisse gekannt, wonach der Haupteingang der Hotelanlage nur über eine aufwendige Treppenanlage zu erreichen war.

Bezüglich des Weges, auf dem der Mann sich vor dem Unfall der Gartentür genähert hat, habe er erkennen können, dass dieser abschüssig war und sich nicht eben der Tür annäherte.

Im Übrigen habe keine Verkehrssicherungs-Pflicht des Hotels beziehungsweise des Reiseveranstalters für den Bereich der Gartentür bestanden. Denn diese habe sich außerhalb des Hotelbereichs befunden, der über die Tür in der Nähe des Pools verlassen beziehungsweise betreten werden konnte.

Durch das Aushändigen der Skizze der Hotelanlage hätten das Hotel und die Beklagte keine Gewährleistung für die Sicherheit der Einrichtungen übernommen, die sich außerhalb der Hotelanlage befinden.

Lichtverhältnisse ausreichend

Der Kläger kann sich nach Meinung der Richter auch nicht auf eine unzureichende Beleuchtung im Bereich der Unfallstelle berufen. Denn die Lichtverhältnisse vor der Gartentür seien mit denen hinter der Tür vergleichbar gewesen.

„Jedenfalls vermochte es der Kläger unmittelbar vor dem Unfallzeitpunkt, den Weg auf der Straße bis zum Gartentor zu finden, was impliziert, dass die Lichtverhältnisse jedenfalls dafür ausreichend waren, dass er den unmittelbar vor seinen Füßen befindlichen Bereich sehen konnte“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Angesichts seiner Behauptung, dass die Lichtverhältnisse schlecht waren, wäre der Kläger des Weiteren dazu verpflichtet gewesen, sich beim Öffnen der Gartentür besonders vorsichtig zu verhalten. Da das offenkundig nicht geschehen war, habe er sich die Folgen seines Unfalls selbst zuzuschreiben.

Das Urteil ist rechtkräftig. Denn der Kläger hat nach dem Hinweisbeschluss des Dresdener Oberlandesgerichts seine Berufung gegen die Entscheidung der Vorinstanz zurückgenommen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
App · Schadenersatz · Schmerzensgeld · Verkehrssicherungspflicht
 
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