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Lebensversicherung: Assekurata warnt vor gefährlichem Trend

25.6.2020 – Die Coronakrise trifft die Lebensversicherer deutlich weniger als andere Branchen. Sie haben hohe Reserven und sollten im zweiten Halbjahr auch wieder mehr Neugeschäft erzielen. Es gibt aber eine gefährliche Tendenz zur Konzentration. Der Marktführer wird immer dominanter.

Die Coronakrise bremst die Lebensversicherer in ihrer Entwicklung. Sie wird sich aber nicht besonders negativ auf das Geschäftsmodell der Assekuranzen auswirken.

„Das Geschäft mit der Altersvorsorge ist im Vertrieb 2020 noch nicht gelaufen“, sagte Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, bei der Vorstellung des „Marktausblicks Lebensversicherung 2020/2021.“

Mehr Vertrieb im Herbst

Reiner Will (Archivbild: Lier)
Reiner Will (Archivbild: Lier)

Wenn es keine zweite Coronawelle gebe, könnte in der zweiten Jahreshälfte das Geschäft – wie auch in der Vergangenheit – deutlich anziehen. Die Corona-Pandemie werde aber die Spreu vom Weizen trennen. So würden Unternehmen, die ihren Vertrieb nicht umfassend digitalisieren können, nicht zu den Gewinnern der Krise zählen.

Der Experte hält an dem vor Corona erstellten Meinungsbild in der Branche fest. Danach könnten vor allem die Segmente Arbeitskraftsicherung über Berufsunfähigkeits-Versicherungen und auch Fondspolicen ohne Garantien eine bedeutende Rolle spielen.

„Wir sehen, dass manche Kunden massiv in Fondspolicen investieren, die auf Aktien setzen“, so Will. Hier würden die starken Kursrückgänge an den Aktienmärkten genutzt.

Höchstrechnungszins-Reform knapp

Gleichzeitig rechnen die Analysten nicht mehr damit, dass der Höchstrechnungszins von derzeit 0,9 Prozent noch zum 1. Januar 2021 abgesenkt wird (VersicherungsJournal 30.4.2020, 14.2.2020). „Das ist wohl mittlerweile viel zu knapp“, sagte Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung Lebensversicherung. Durch Corona wäre auch die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden deutlich eingeschränkt.

Unsicher sei zudem, ob der von der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) anvisierte Wert von 0,5 Prozent überhaupt noch Bestand haben könnte, wenn die Zinsen auf dem niedrigen Niveau bleiben würden. Nach Meinung von Assekurata müsste die Politik bald zu der Frage Stellung nehmen, wie geförderte Altersvorsorge künftig möglich sein soll.

„Hier muss über Garantien diskutiert werden“, sagte Will. Die sogenannte Nahles-Rente, die eine betriebliche Vorsorge ohne Garantien vorsieht, werde von den Tarifparteien nicht angenommen. Gleichzeitig würden immer mehr Lebensversicherer ihr Angebot für die Riester-Rente streichen, weil die Bruttobeitragsgarantie aufgrund des Kapitalmarkts kaum noch darstellbar sei.

Wachstum aus Einmalbeiträgen

Am Markt seien längst Mischformen mit geringeren Garantien erfolgreich. Den größten Zuwachs erzielten 2019 Angebote der Neuen Klassik, Index- und Hybridpolicen. Dabei kam das Wachstum vor allem aus Einmalbeiträgen. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent, während sich laufende Beiträge immerhin stabilisierten.

Insgesamt konnte die Branche um 11,1 Prozent zulegen und gewinnt damit gegenüber Schaden- und Unfallversicherungen sowie privaten Krankenversicherungen wieder mehr an Bedeutung. Laut Assekurata würden die Einmalbeiträge aber keine Spekulation sein, sondern in Altersvorsorgeprodukte fließen.

Bild: Assekurata
Bild: Assekurata

Lebensversicherungen sind in ihren Kapitalanlagen von der Corona-Pandemie deutlich weniger betroffen als andere Branchen. So zeigt eine Analyse des Bestandes, dass die Lebensversicherer mit einem immer noch geringen Aktienanteil von 2,9 Prozent in die Krise gegangen sind. 83,1 Prozent des Kapitals sei am Anfang des Jahres 2020 in festverzinslichen Anlagen investiert gewesen. Zwar gebe es einen Transformationsprozess, doch der gehe nur langsam voran.

Lebensversicherer tendieren zu Sachwerten

Lars Heermann (Archivbild: Lier)
Lars Heermann (Archivbild: Lier)

„Der Trend, dass Versicherer immer stärker auf Immobilien und alternative Investments setzen, wird sich durch die Coronakrise lediglich abschwächen“, prognostizierte Heermann. Doch auch unter den Entscheidungsträgern der Lebensversicherer herrscht große Unsicherheit über die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2020.

Das geht aus einer aktuellen Umfrage aus April und Mai hervor, an der 30 Asset-Manager der Assekuranzen teilgenommen haben. Während die Mehrheit der Anlageexperten glaubt, dass der Deutsche Aktienindex am Ende des Jahres wieder bei 11.000 Punkten steht, gibt es auch extreme Abweichungen. So rechnen einige der Befragten damit, dass er deutlich unter 9.000 Punkte enden könnte.

Die Mehrheit der befragten Lebensversicherer plane trotz bestehender Unsicherheiten, den Anteil realwertorientierter Anlagen auszubauen. Sinkende Nominalzinsen und steigende Risikoprämien, sogenannte Spreads, würden gegenläufig auf die Marktwerte in den Bilanzen der Lebensversicherer wirken.

Eine hohe Staatsverschuldung in Europa würde zu Ausfällen und Abstufungen im Rating führen. Dafür würde die etwas höhere Risikoentlohnung bei Neuanlagen auch Chancen bieten.

Allianz dominiert

Gleichzeitig stellt Assekurata aber eine deutliche Konzentrationsbewegung im Markt fest. So hat der Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG das Wachstum 2019 maßgeblich bestimmt. „Ohne die Allianz wäre der gesamte Lebensversicherungs-Markt statt um 11,1 Prozent lediglich um 2,9 Prozent gewachsen“, so Heermann.

Marktanteile Lebensversicherer (Bild: Assekurata)
Bild: Assekurata. Zum Vergrößern Bild klicken.

Möglich sei somit, dass weitere kleine Gesellschaften ihre Altbestände mit hohen Garantien verkaufen werden. Derzeit habe aber die Aufsichtsbehörde keinen Run-off in der Prüfung. Dass könne daran liegen, dass sich der Markt der Aufkäufer, der derzeit nur drei Unternehmen umfasst, sich erst einmal konsolidieren muss.

Dass gelte vor allem für die Viridium Holding AG. „Es ist ein großer Kraftakt, Millionen von Verträgen zu übernehmen und zu verwalten“, meinte der Experte.

 
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