Lebensversicherer stärken Eigenkapitalausstattung

20.11.2018 – Die sich in Manndeckung der Bafin befindenden Lebensversicherer haben ihr Eigenkapital um rund drei Milliarden Euro auf 7,21 Milliarden Euro aufgestockt, erklärte das Finanzministerium in Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die Kapitalausstattung des Sicherungsfonds Protektor wird im jetzigen Umfeld als ausreichend angesehen. Zudem will die Bundesregierung das Thema Run-off weiter intensiv beobachten und erforderlichenfalls gesetzliche Regelungen vorschlagen.

Gerhard Schick (Bild: Brüss)
Gerhard Schick
(Bild: Brüss)

Die 34 unter intensiver Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) stehenden Lebensversicherungs-Unternehmen haben zwischen 2010 und 2017 ihr Eigenkapital um rund drei Milliarden Euro auf 7,210 Milliarden Euro erhöht. Dies teilte das Bundesministerium der Finanzen (BMF) auf eine Kleine Anfrage des Finanzexperten von Bündnis 90/Die Grünen Dr. Gerhard Schick mit (Bundestagsdrucksache 19/5769).

Die Lebensversicherungsbranche insgesamt stärkte die Eigenkapitalbasis im selben Zeitraum von 11,729 Milliarden Euro auf 16,157 Milliarden Euro, schrieb das BMF in seiner Antwort, die am Montag veröffentlicht wurde.

Die Eigenkapitalquote der 34 Unternehmen sei gemessen an der Bilanzsumme im Beobachtungszeitraum von 1,30 Prozent auf 1,75 Prozent angewachsen. Dabei habe in 2017 die Verteilung zwischen gut sechs Prozent und minimal rund ein Prozent betragen. Die Branche insgesamt habe zwischen 2010 und 2017 diese Quote von 1,40 Prozent auf 1,53 Prozent verbessert.

Ausschüttungssperre blockiert gut eine halbe Milliarde Euro

Gewinnabführungs-Verträge gab es Ende 2017 bei acht Lebensversicherungs-Unternehmen. Zehn der 34 betroffenen Versicherer sind Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Nach den Angaben des Ministeriums wurden seit der Einführung des LVRG durch die geltende Ausschüttungssperre Gelder im Volumen von 551 Millionen Euro gebunden.

Seit 2014 seien aber auch im Rahmen von Gewinnabführungs-Verträgen 762 Millionen Euro abgeführt worden. Branchenweit wurden bei Lebensversicherern durch die Ausschüttungssperre zwischen 2014 und 2017 insgesamt 1,389 Milliarden Euro gebunden.

Begleitung durch die Bafin

Auf die Frage des Abgeordneten Schick, ob der Sicherungsfonds für Lebensversicherer, die Protektor Lebensversicherungs-AG, finanziell ausreichend ausgestattet sei, erklärte das Finanzministerium, die Bundesregierung sehe Protektor „im jetzigen Umfeld als ausreichend ausgestattet“ an.

Die Bafin wird nach Aussage des Ministeriums die jetzt vorgenommene Anpassung bei der Zinszusatzreserve (ZZR) intensiv begleitet. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde werden die Lebensversicherer allein in diesem Jahr bei der ZZR um etwa 15 Milliarde Euro entlastet. Die Bafin könne laufend überwachen, ob sich die Anpassung bei der ZZR bewährt habe oder ob regulatorischer Handlungsbedarf bestehe.

Gesetzgeber könnte Run-off-Geschäft regulieren

Beim Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen bleibt die Bundesregierung zwar weiterhin gelassen. Sie verfolge aber die Entwicklung ganz genau. „Die Bundesregierung hat das Thema Run-off in der Lebensversicherung sorgfältig analysiert“, schreibt das Ministerium.

Die Bafin verfüge bereits heute über weitreichende gesetzliche Befugnisse zur Wahrung der Belange der Versicherten und habe ihre Aufsicht auch im Bereich Run-off intensiviert. „Die Bundesregierung wird das Thema weiter intensiv beobachten und behält sich vor, erforderlichenfalls gesetzliche Regelungen vorzuschlagen.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht · Lebensversicherung · LVRG · Runoff · Verkauf · Versicherungsaufsicht · Zinszusatzreserve
 
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